6. Oktober 2019 - 15:11 / Aktuell 

Der Schlagzeuger Ginger Baker, der 1966 zusammen mit der Gitarrenlegende Eric Clapton und dem Bassisten Jack Bruce mit "Cream" die erste "Supergroup" gegründet hatte, ist heute, Sonntag, im Alter von 80 Jahren in einem englischen Spital gestorben. Bis zu ihrer Auflösung 1968 brachten Cream Klassiker wie "Sunshine Of Your Love", "White Room" und "Crossroads" heraus. Baker galt als einer der besten und vielseitigsten aber auch eigenwilligsten Schlagzeuger der Welt.

Ginger Baker lernte Ende der 1950er Jahre Dick Heckstall-Smith und Alexis Korner kennen. 1962 ersetzte er den Schlagzeuger Charlie Watts bei Alexis Korners Blues Incorporated. Dort traf er auf Jack Bruce und gründete mit ihm, Dick Heckstall-Smith und Graham Bond nur kurze Zeit später die Graham Bond Organization. Baker nahm mit dieser Formation zwei Langspielplatten auf und tourte intensiv durch Großbritannien. Er gestaltete außerdem die Plattencover und kümmerte sich um das Finanzielle. 1966 entstand auf seine Initiative die Gruppe Cream mit Eric Clapton an der Gitarre und Jack Bruce am Bass. In dieser Dreier-Formation, die in den späten 1960er Jahren als Supergroup galt, spielten erstmals in der Popgeschichte alle beteiligten Instrumente – Gitarre, Bass, Schlagzeug – gleichberechtigt nebeneinander und auch bis dahin in der Popmusik nicht gekannte ausgedehnte Improvisationen.

Nach der Auflösung von Cream spielte Baker mit Eric Clapton, Steve Winwood und Ric Grech in der Gruppe Blind Faith, die sich jedoch im September 1969 nach der Veröffentlichung des Albums Blind Faith und einer anschließenden, sehr erfolgreichen Tournee wieder auflöste.

1970 hatte Baker seine eigene Gruppe Ginger Baker’s Air Force, die jedoch im Frühjahr 1971 schon wieder aufgelöst wurde. Mitglieder waren u. a. Phil Seamen, Steve Winwood (org, voc), Graham Bond (org), Ric Grech (bg, vi), Denny Laine und Chris Wood. Mit dieser offenen Formation mit zwei Schlagzeugern und einem Perkussionisten wandte sich Baker afrikanischen Einflüssen zu und verlegte auch seinen Wohnsitz nach Nigeria. Der Einfluss seiner engen Zusammenarbeit mit Fela Kuti und die Auseinandersetzung mit afrikanischen, aber auch arabischen Harmonien und Rhythmen wird auf späteren Alben wie Middle Passage hörbar.

Bakers Einsatz von Jazz- und Blues-Einflüssen bei Cream prägte den Psychedelic-Rock-Sound einer ganzen Dekade, aber auch nach dem Ende der Band galt seine innovative, progressive und wilde Spielart als Ausnahmeerscheinung. Prägend war auch Bakers Einsatz von zwei Bassdrums, die heute bei vielen Spielarten des Rock zum Standardrepertoire gehören. Laut eigenen Angaben ist er ein geborener Drummer gewesen: "Ich hatte noch nie gespielt, aber ich saß mich hin – und ich konnte spielen!", erzählte er 2009.

Baker galt stets als aufbrausend – nicht zufällig heißt eine Dokumentation über ihn "Beware of Mr. Baker" ("Hüte dich vor Mr. Baker"). Vor allem mit dem 2014 verstorbenen Bruce geriet der Schlagzeuger immer wieder im Jähzorn auf der Bühne aneinander – einer der Gründe für die schnelle Trennung. Baker erinnerte sich in "Forbes" an das Ende der Kultband 1968: "Eric [Clapton] kam zu mir und sagte: ‚Ich habe es satt.‘ Und ich sagte: ‚Ich auch.‘ Und das war’s." Am meisten fehlte ihm die Herausforderung: Das Publikum jubelte, noch bevor die Musiker ihre ersten Noten gespielt hatten. Baker musste acht oder neun Drinks nehmen, "um ins Studio gehen zu können und niemanden zu schlagen. So sauer war ich geworden".



Ginger Baker in seinem Element (1980) (Foto: Zoran Veselinoviv/ CC-BY-SA)
Ginger Baker in seinem Element (1980) (Foto: Zoran Veselinoviv/ CC-BY-SA)