6. August 2020 - 12:07 / Aktuell / Skulptur / Kunst 

Zum bereits fünften Mal wird der mit 10.000 Euro dotierte "Dagmar Chobot Skulpturenpreis" im Oktober im Leopold Museum Wien an eine/n zeitgenössische/n Bildhauer/in vergeben. Als erster Preis seiner Art in Österreich ist er explizit dem Medium Skulptur gewidmet und berücksichtigt neben klassischen Zugängen auch experimentelle Ansätze und Installationen.

Eine Fachjury legt laut Mitteilung ihr Augenmerk auf künstlerische Positionen, die sich durch eine eigenständige Formensprache und eine nachvollziehbare Profilierung innerhalb der österreichischen Kunstszene auszeichnen bzw. deren öffentliche Wahrnehmung noch eine Verstärkung verdient. Der Preis unterliegt keiner Altersbeschränkung. Bisher wurden folgende KünstlerInnen ausgezeichnet: Anne Schneider (2019) Roman Pfeffer (2018), Sofie Thorsen (2017) und Angelika Loderer (2016).

Die diesjährige Auszeichnung wird von der Preisstifterin Dagmar Chobot und der Stiftungspartnerin Bildrecht am 22. Oktober 2020 um 19 Uhr in Anwesenheit der NominatorInnen und Jurymitglieder übergeben.

"Neben Qualität und technischem Können ehrt der Preis das innovative Potential, das in der österreichischen Bildhauerei, Plastik und Objektkunst augenscheinlich wird. Inzwischen ist der Skulpturenpreis etabliert, die vielen positiven Rückmeldungen bestätigen meine Initiative", kommentiert Initiatorin und Preisstifterin Dagmar Chobot.

Die Nominierten 2020

Julia Haugeneder (*1987 in Wien). Die Faltobjekte und Linolschnitte von Julia Haugeneder weisen eine markante Formensprache und einen experimentellen Zugang zu Material und Raum auf. Kunsthistorische Aspekte der Falte fließen in ihre Arbeit genauso ein wie das Erforschen von Möglichkeiten im Umgang mit unterschiedlichen Materialien. Haugeneder gießt Gemische aus Leim und Pigment und faltet die so entstandenen dünnen Häute zu kompakten, bisweilen meterlangen Objekten. Das Arbeiten mit diversen Materialien und das Ausloten skulpturaler Möglichkeiten ist ein wesentlicher Faktor in Haugeneders Werk und schreibt sich sichtbar in ihre Objekte ein. Julia Haugeneder lebt und arbeitet in Wien.

Constantin Luser (*1976 in Graz). Constantin Luser kombiniert in seinem Werk drei Schwerpunkte: die bespielbare Musikskulptur, die dreidimensionale „Drahtzeichnung“, die als bloße Linie im Raum nur schemenhafte Andeutungen gibt, und die raumgreifende Wandzeichnung. Linien, Wörter, Symbole, abstrakte und figurative Elemente verdichten sich in Lusers Arbeiten zu bizarren und fantastischen Bildwelten zwischen Wirklichkeit und Imagination. Mit seinen sogenannten Raumzeichungen – Skulpturen aus Messingdraht – übersetzt er das zeichnerische Element in die dritte Dimension. Seit einiger Zeit verwendet der Künstler zudem Musikinstrumente, die er verformt, neu zusammensetzt oder erweitert, um seine zeichnerische Welt in einen akustischen Denkraum zu übersetzen. Constantin Luser lebt und arbeitet in Wien.

Liesl Raff (*1979 in Stuttgart, Deutschland). Bei Liesl Raff trifft man auf in Latex getränkte Palmenblätter, auf aus Epoxidharz gegossene Becken, die wie Schlangen ihre Haut abstreifen, und weinende Tische aus Stahlblech. Die Praxis der Künstlerin ist durch eine Semiotik von Materialien geprägt, die dort ansetzt wo Worte vermeintlich versagen. Durch konsequentes Experimentieren und eine große Sensibilität für unterschiedliche Werkstoffe verhandeln Raffs Skulpturen die Schönheit und Fragilität des menschlichen Zusammenlebens, führen diese vor und machen sie greifbar. In der Verwendung einer anthropomorphen Formensprache, der Auseinandersetzung mit Serialität und prozessbasiertem Arbeiten unterzieht die Künstlerin Strömungen wie den Minimalismus, die Prozesskunst und die Arte Povera einer zeitgenössischen Revision. Liesl Raff lebt und arbeitet in Wien.

Werner Reiterer (*1964 in Graz). Die interdisziplinäre Zusammenschau unterschiedlicher Wissensgebiete wie Philosophie, Physik, Ökonomie und Kulturgeschichte generieren in den temporären und permanenten Installationen von Werner Reiterer skulpturale Werke im öffentlichen Raum, die nicht nur einen Kommentar im Feld der Kunst leisten, sondern die Qualität eines Erkenntnisgewinns im Leben des Menschen generell zum Ziel haben. Dabei dient oftmals Humor als Einstiegsdroge, um Schwellenängste der RezipientInnen zu eliminieren und in der Folge eine inhaltlich tiefer gehende Auseinandersetzung mit den Werken zu ermöglichen. Kunst wird dabei weniger als materielle, vielmehr als mentale Ausformung von gegenwärtiger Zeit begriffen. Werner Reiterer lebt und arbeitet in Wien.

Toni Schmale (*1980 in Hamburg, Deutschland). Mit ihrem radikalen und offenen Zugang zur Skulptur aktiviert Toni Schmale die Bildhauerei für neue Produktionsweisen und Diskurse, die Fragen des Skulpturalen sowie gesellschaftliche Praxis und Gender gleichermaßen anstoßen. Die Künstlerin verkörpert das Potential einer zeitgenössischen Bildhauerin, die Tradition und Moderne, Gegenwart und Utopie, Poesie und Pointe verbindet. Ihre monumentalen Skulpturen aus Materialien wie Metall, Beton oder Gummi zeichnen sich durch eine dichte bildhauerische Sprache aus und changieren zwischen angewandten Objekten des Alltags, Maschinen, Architekturen und dem menschlichen Körper. Oft als „Übergangsobjekte“ betrachtet, repräsentieren ihre Werke das Dezentrale – und die Vorstellung, dass auch Skulptur nichts Festgeschriebenes ist. Toni Schmale lebt und arbeitet in Wien.

Anne Speier (*1977 in Frankfurt am Main, Deutschland). In ihren Arbeiten lässt Anne Speier unterschiedliche Elemente aufeinanderprallen. Die Künstlerin untersucht, ob und wie diese zusammenkommen können und ob sie ein Auskommen miteinander finden. Diese Elemente können ästhetische Sprachen, verschiedene Techniken und unterschiedliche Materialien sein – ein Treffen unter KollegInnen, die ihre Bedeutung und Rolle wie in einem Debattierclub aushandeln. In diesem Sinne werden ihre Skulpturen und Bilder als Delegierte zu Fragen von Machtumverteilung eingesetzt. Mit einem Fuß im Digitalen mit dem anderen im Manuellen erfreuen sich Anne Speiers Arbeiten einer ambivalenten Daseinsform und drehen selbstbewusst an der Schraube, die Referenz und Utopie zusammenhält. Anne Speier lebt und arbeitet in Wien.

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