Kurt Bracharz

22. Mai 2006 - 11:56

Zweifellos wird wieder irgendein Schafskopf glauben, es könne nur Neid der Grund sein, etwas gegen Dan Brown und sein »Sakrileg« zu sagen. Das passiert ja immer, wenn man darauf hinweist, dass etwas kommerziell höchst Erfolgreiches in jeder anderen Hinsicht ein Haufen Bullshit ist.

Das ist es zwar in vielen Fällen (wenn auch nicht immer so spektakulär wie bei diesem Roman), aber hier kommt noch dazu, dass dieses krasse Stück Gegenaufklärung nur auf äußerst schwachen Widerspruch stößt. Ein Grund dafür mag sein, dass sich wie üblich die Wissenschafter zu gut sind, auf groben Unfug einzugehen. So wie Mathematiker grundsätzlich nicht auf Zuschriften antworten, in denen ihnen Laien versichern, durch Null dividieren zu können oder die absolut größte Primzahl gefunden zu haben, äußern sich wahrscheinlich auch »seriöse« Historiker grundsätzlich nicht zu einem Machwerk wie diesem.

Kirchenhistoriker und Bibelwissenschafter hätten bei Brown-Gläubigen allerdings ohnehin keine Chance, weil sie ja jener Organisation zugeteilt werden, die an allem Schuld ist. Es gibt zwar bereits Entgegnungsbücher wie »Das wahre Sakrileg« von Alexander Schick (Knaur 77955), die detailliert belegen, dass bei Brown nichts – aber auch schon gar nichts – stimmt, aber das lesen doch auch nur solche, die das schon vorher gewusst haben, zur Bestätigung.

Amüsant waren Browns Aussagen: Zuerst erklärte er, es sei alles nur Spekulation, Fiktion und Roman, dann sagten ihm wahrscheinlich die Marketing-Leute des Verlags, es sei nicht clever, wenn der Autor das selber zugebe, worauf Brown plötzlich verkündete, er habe während des Schreibens selbst an seine Theorie zu glauben angefangen. Wie blöd alles ist, haben jetzt zwar beim Film auch die funktionellen Analphabeten ein wenig mitgekriegt, aber das wird auch da den Kassenerfolg nicht verhindern.

Zu Neid auf Brown gibt es wenig Grund: Wie soll er jetzt mit seinem nächsten Roman einen halbwegs achtbaren Erfolg erzielen? Ein zweiter Glückstreffer ist schwer vorstellbar.

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)