10. November 2009 - 2:25 / Ausstellung / Fotografie 
5. September 2009 15. November 2009

Nach der Diskussion von fotografierter Sexualität in Darkside I – Fotografische Begierde und fotografierte Sexualität (6. September bis 15. November 2008) wird im Fotomuseum Winterthur das andere Ende des körperlichen Spektrums ausgeleuchtet: Versehrtheit, Krankheit, Zerfall, Gewalt und Tod – der Weg vom integren Körper zu verschiedenen schmerzlichen Formen von Eingriffen, von Auflösungen.

Die intime Affinität zwischen Tod und Fotografie ist grundlegend. Programmatisch hat Susan Sontag dies festgehalten: "… ever since the invention of the camera in 1839, photography has kept company with death." Das fotografische Festhalten von Toten gehört ebenso zur Urszene der Fotografie wie die Kriegsberichterstattung. Fotografien vom Grauen, von der dunklen Seite der Welt sind oft schockierend, gleichwohl sind sie auch "Bestselling Pictures". Sie provozieren deshalb zwangsläufig Fragen nach Ausbeutung, Komplizenschaft und der Reproduktion von Machtverhältnissen – vor und hinter der Kamera sowie im Bild.

Brauchen wir diese visuelle Aufrüstung, um unsere Moral zu stärken? Gelten Fotografien mit Pathosformeln von Schmerz und Leid als medialer Religionsersatz? Wie stark fördern die medialen Visualisierungsmaschinerien reale Gewalttaten und stellen sie nicht nur dar? Eines ist klar: Das abgebildete Grauen löst nicht automatisch einen Gefühlsschock und eine kathartische Reinigung beim Zuschauer aus. Oft führt die Fotografie zum "Skandal des Grauens, nicht zum Grauen selbst" (Roland Barthes) und zum Skandal – oder Vorwurf – der Ästhetisierung des Elends. Aufklärung wird schnell Verklärung – und scheinbare fotografische Aufklärung zum Geschäft.

Die Ausstellung und das Buch werden sich entlang einer Hauptlinie vom integren, zum versehrten, verfallenden, toten und sich auflösenden Körper entwickeln. Immer mit dem Blick auf die Fragen der fotografischen Repräsentation. Und dabei Bereiche thematisieren wie Krankheit, (Selbst-)Verstümmelung / Krieg, Massaker, Genozid / vom individuellen zum kollektiven Körper, zum Staatskörper / vom leidenschaftlichen zum wissenschaftlichen Körper / Sterbebegleitung, Todesdarstellungen und What remains.

Nebst anonymer und Pressefotografie, werden Werke von vielen FotografInnen und KünstlerInnen gezeigt, darunter: Antoine d"Agata, Christian Boltanski, Sophie Calle, Hans Danuser, Maria Friberg, Nan Goldin, F. Holland Day, Peter Hujar, Sally Mann, Enrique Metinides, Ishiuchi Miyako, Shirin Neshat, Gilles Peress, Walid Raad, Sophie Ristelhueber, Martha Rosler, Andrés Serrano, Fazal Sheikh, Cindy Sherman, W. Eugene Smith, Weegee u.v.a.


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (deutsch/englisch) bei Steidl.

Darkside II
Fotografische Macht und fotografierte Gewalt, Krankheit und Tod
5. September bis 15. November 2009

Fotomuseum Winterthur
Grüzenstrasse 44 + 45
CH - 8400 Winterthur

T: 0041 (0)52 234 10 34
F: 0041 (0)52 233 60 97
E: fotomuseum@fotomuseum.ch
W: http://www.fotomuseum.ch/

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