9. Juni 2008 - 3:17 / Ausstellung / Archiv 
21. Mai 2008 14. Juni 2008

Alltagsgegenstände und Räume auf großformatigen Fotografien zeigt Stefan Heyne in der Ausstellung "The Noise". Das klingt recht banal, ist es aber nicht. Es handelt sich hier nicht um eine bloße Abbildung des Realen, sondern um eine Erhebung auf eine surreale Ebene. Der Fotograf arbeitet mit der Unschärfe der Linse, die Dinge scheinen sich aufzulösen, die Linien verlaufen ins Dunkel, fast Unsichtbare hinaus. Die Objekte verwehren ihre Identifizierung. Es handelt sich hier um eine Komposition, die mit Farben und Flächen, Erinnerung und Assoziation arbeitet.

Motor für diese Art der Fotografie ist das Misstrauen, das Heyne den klaren Wahrnehmungen und der Eindeutigkeit der Welt entgegenbringt. Die Zuordenbarkeit der Dinge, die Kategorisierung der Welt wird in Heynes Fotografien auf den Kopf gestellt. Das Sein der Dinge als bloße Erscheinung wird im Sinne Platons zum Vorschein gebracht: das was wir sehen, ist nicht, wie wir glauben, das Wirkliche, sondern nur ein Schatten desselben.

Nein, nicht Lärm, Getöse oder Krach ist damit gemeint, sondern Rauschen. Ein optisches Rauschen, das entsteht, wenn sich die Dinge auflösen. Es handelt sich hier um eine Arbeit, die sehr leise spricht, der Fotograf geht zärtlich mit kühlen, alltäglichen Dingen um und schafft somit eine Poesie der Gegenstände. Es entsteht eine unwirkliche Atmosphäre, eine geheimnisvolle Stille. Heyne umgibt das Banale des Alltags mit einer Aura, die zur Kontemplation einlädt. Stefan Heyne lässt weiter-fühlen. Und weiter-denken. Gleichzeitig strahlen die Bilder etwas sehr Kraftvolles, Energetisches aus, sie zwingen den Betrachter immer wieder zum Hinsehen, es ist, als ob sie sich immer wieder selbst erneuern würden.

Die Bilder Heynes stellen sich somit auch quer gegen jenen Prozess der Moderne, den der Soziologe Max Weber als "Entzauberung" der Welt bezeichnete. Die Ratio, das analytische Denken ist denkbar ungeeignet, sich den Bildern Heynes zu nähern. Die Dinge und Gegenstände auf Heynes Fotos sind von einem eigentümlichen Zauber umhüllt, die Motive bleiben rätselhaft, und das ist gut so.


Stefan Heyne - The Noise
21. Mai bis 14. Juni 2008

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