16. September 2020 - 9:46 / Ausstellung / Geschichte 
18. September 2020 17. Januar 2021

Der lustvolle Blick einer übersättigten Gesellschaft in den Abgrund, der morbide Reiz zwischen Thanatos und Eros sind Themenfelder in der Kunst, die Ende des 19. Jahrhunderts insbesondere im belgischen Symbolismus ihren Ausdruck fanden. Die groß angelegte Sonderausstellung "Dekadenz und dunkle Träume" in der Alten Nationalgalerie Berlin mit über 180 Werken widmet sich dieser in den 1880er-Jahren entstandenen Kunstströmung mit Brüssel als einem Hauptzentrum.

Den belgischen Symbolismus kennzeichnet eine besondere Vorliebe für morbide und dekadente Themen. Schon um die Jahrhundertmitte werden Tod und Verfall zu Leitmotiven, die sich bis zu Bildhauern wie George Minne und dem Meister des Absurden James Ensor verfolgen lassen. Angeregt durch die zeitgenössische Literatur verbanden Künstler_innen um 1900 eine neue Mystik mit einem extravaganten und kostbaren Stil. Zur zentralen Gestalt avanciert in diesem Kontext die Femme fatale als Ausdruck von Überfluss und Wollust. Der Symbolismus beeinflusste aber nicht allein das Portrait und Figurenbild, sondern schlug sich auch in der Landschaftsmalerei sowie in unheimlich erscheinenden Interieurs nieder.

Die umfangreiche Sonderausstellung mit über 180 Leihgaben aus internationalen Sammlungen und den wichtigsten Museen Belgiens, darunter Antwerpen, Brüssel oder Gent, stellt das Spektrum an bislang in Deutschland wenig bekannten belgischen Positionen wie Fernand Khnopff, Léon Spilliaert, Félicien Rops, James Ensor oder Jean Delville als wichtige Referenz für den Symbolismus vor. Hervorzuheben ist aus den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel Khnopffs sphinxhafte "Liebkosung" als eine absolute Ikone des belgischen Symbolismus. Die Darstellung einer leopardenartigen Sphinx in rätselhaft erotischer Umarmung mit einer androgynen Männerfigur ist seit über 30 Jahren zum ersten Mal wieder in einem deutschen Museum zu sehen.

In 13 Kapiteln und einem Exkurs beleuchtet die Ausstellung zentrale Themen des belgischen Symbolismus wie Erotik und Mystik, Wahn und Neurose,Tod und Verfall . Darüber hinaus nimmt sie die zahlreichen Verknüpfungen der bildenden Kunst mit Literatur und Musik in den Blick und erzählt schließlich, wie die symbolistischen Avantgarden von Brüssel ausgehend zum europäischen Phänomen avancierten. Hier ermöglichen Werke von Künstlern wie Max Klinger, Edward Burne-Jones, Arnold Böcklin, Edvard Munch, Gustave Moreau und Gustav Klimt die Verortung des belgischen Symbolismus innerhalb dieses erweiterten europäischen Kontextes.

Dekadenz und dunkle Träume - Der belgische Symbolismus
18. September 2020 bis 17. Januar 2021
Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin

Alte Nationalgalerie
Bodestraße 1–3
D - 10178 Berlin

T: 0049 (0)30 26642 4242
F: F 0049 (0)30 26642 2290
E: service@smb.museum
W: http://www.smb.museum

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  •  18. September 2020 17. Januar 2021 /
Jean Delville, Porträt von Madame Stuart Merill / ysteriosa, Kreide, Pastell, und Farbstift auf Papier, 40 x 32,1 cm, Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel, © RMFAB, Brussels, Foto: J. Geleyns – Art Photography
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Franz von Stuck, Die Sünde, um 1912, Öl auf Leinwand, 88 x 52,5 cm, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Leihgabe der Bundesrepublik Deutschand / Andres Kilger
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James Ensor, Das malende Skelett, 1896, Öl auf Holz, 37,3 x 45,3 cm, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten, Antwerpen, © Royal Museum of Fine Arts Antwerp, www.lukasweb.be – Art in Flanders, Foto: Hugo Maertens
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Albert Bertrand (nach Félicien Rops), Pornokrates, 1896, Kolorierter Stich nach Aquarellvorlage, 69,5 × 45,6 cm, Sammlung Musée Félicien Rops, Province de Namur © Musée Félicien Rops, Province de Namur
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Fernand Khnopff, Die Zärtlichkeit der Sphinx [Des Caresses], 1896, Öl auf Leinwand, 50 × 150 cm, © Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel
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