12. Mai 2020 - 8:34 / Ausstellung / Gegenwartskunst 
19. März 2020 20. Mai 2020

Die Galerie öffnet, unter Einhaltung der vom BAG geforderten Schutz- und Hygienemassnahmen, ab Dienstag, 12.05.2020 wieder regulär. Die Ausstellung "Dialog II: Licht" wird bis 20. Mai verlängert.

Mit den Objekten von Brigitte Kowanz und den Malereien von Michael Venezia begegnen sich zwei Positionen, welche die Anziehungskraft des Mediums Licht und seine integrativen
Möglichkeiten auf ganz unterschiedliche Weise offenbaren.

Die Doppelausstellung ist die zweite des neuen Formats, das Häusler Contemporary zeigt, bei dem zwei oder mehr Kunstschaffende zu einem bestimmten künstlerischen Thema in "Dialog" setzen. Dabei mag es überraschen, dass wir die beiden sehr unterschiedlichen Positionen unter dem Thema "Licht" vereinen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass vor allem die frühen Malereien von Michael Venezia, die präsentiert werden, stark von der Interaktion mit ihrem Umgebunsgslicht leben, und dass einige Lichtobjekte von Kowanz auch malerische Momente beinhalten.

Brigitte Kowanz gehört zu den international bedeutendsten Vertreterinnen der Lichtkunst. Charakteristikum ihrer Werke ist die Verbindung von Licht und Sprache zu einprägsamen Bildformeln. Dabei setzt die Künstlerin oft reflektierende Oberflächen ein, um die magische Anziehungskraft des Lichts zu verstärken, so auch in der neuen und ausgesprochen malerisch wirkenden Serie der "Reflects": Aus Aluminium, Reflexionsfolie und Transparenzlack bestehend, lassen die Paneele gestische Bewegungen erkennen, deren Widerschein sich abhängig vom Lichteinfall und von der Position der Betrachtenden verändert. Nebstsolch interaktiven Momenten dient die Reflektion bei Kowanz häufig dazu, die Aussage einer Arbeit zu pointieren - etwa bei der Bodenskulptur "Tipping Point": Mit dem titelgebenden Ausdruck wird generell ein Kippmoment in einer zuvor gleichförmigen Bewegung bezeichnet, heute allerdings steht der Begriff häufig in Bezug auf die Klimaerwärmung - eine fatale Tatsache, welche in Kowanz’Arbeit, in der Kombination von Leuchtschrift und Spiegel auf fast schwindelerregende Weise visualisiert wird.

Neben diesen aktuellen Arbeiten von Kowanz wird auch ein Werk aus den 1990ern präsentiert, das, bestehend aus Glimmlampen und Verteilerstecker, die Anfänge ihrer Auseinandersetzung mit dem Medium Licht veranschaulicht. Vorrangig auf die künstlerischen Anfänge konzentriert sich die Galerie bei der Werkauswahl von Michael Venezia. Damit taucht die Ausstellung in die Zeit der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre ein. Mit Künstlerkollegen wie Dan Flavin, Robert Ryman oder Sol LeWitt teilte Venezia damals das Anliegen, malerische Möglichkeiten nach dem Abstrakten Expressionismus zu entwickeln. Um 1967 entdeckte er als einer der ersten bildenden Künstler überhaupt die Farbsprühpistole, die das Handschriftliche des Pinselduktus nahezu eliminiert und stattdessen Luftdruck sichtbar werden lässt. Indem Venezia seine Farbsprühdosen mit einem Gemisch aus metallischen Pigmenten und Acryl- oder Ölfarbe befüllte, setzte er zudem ganz eindeutig auf die malerische Qualität des Lichtes. Offensichtlich wird das anhand der Papierarbeiten in der Ausstellung: Sie verändern sich optisch, je nach Lichteinfall, und erhalten so eine Dynamik, die ganz aus dem Zusammenspiel von Mitteln der Malerei und Licht entsteht.

Noch deutlicher wird dieser Aspekt in den langgezogenen Leinwänden, genannt "Bars". Diese extreme horizontale Dehnung der Bildfläche, der er bis heute treu geblieben ist, war Anfang der 1970er ein weiterer wichtiger Schritt, mit dem Venezia der Malerei neue Impulse eingab. Mit einem einzigen, langen Sprühstoss und sich entlang des "Bars" bewegend, "bemalte" der Künstler den schmalen Bildgrund. Auch von den Betrachtenden wird Fortbewegung vor dem Gemälde eingefordert, nur so können sie die ganze Vielfalt des Lichtspiels, dass sich auf dieser Oberfläche vollzieht, erleben. Einen ähnlichen Effekt erzielt der Künstler, wenn er in neueren "Block Paintings" Perlglanz einsetzt.

Nebst der Tatsache, dass Licht Grundlage unserer Wahrnehmung ist, verdeutlicht die zweite "Dialog"-Ausstellung somit, wie das Licht den Kunstschaffenden stets auch dazu dient, Interaktion mit ihrem Publikum herzustellen und ihm so ein unmittelbar physisches Kunsterlebnis zu ermöglichen.

"Dialog II: Licht" Brigitte Kowanz | Michael Venezia
12. bis 20. Mai 2020

Häusler Contemporary (CH)
Stampfenbachstrasse 59
CH - 2006 Zürich

T: 0041 43 810 04 26
E: galerie@haeusler-contemporary.com
W: http://www.haeusler-contemporary.com

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  •  19. März 2020 20. Mai 2020 /
Brigitte Kowanz, "www", 1995/2019  Glimmlampen, Verteilerstecker, Acrylglas, Edelstahl | Ed. 2/20 | 18 x 36 x 10 cm | Foto: Studio Kowanz
Brigitte Kowanz, "www", 1995/2019 Glimmlampen, Verteilerstecker, Acrylglas, Edelstahl | Ed. 2/20 | 18 x 36 x 10 cm | Foto: Studio Kowanz
Brigitte Kowanz, "Authentic", 2017  Neon, Spiegel | Ex. 1/3 | 90 x 90 x 19 cm | Foto: Studio Kowanz
Brigitte Kowanz, "Authentic", 2017 Neon, Spiegel | Ex. 1/3 | 90 x 90 x 19 cm | Foto: Studio Kowanz
Michael Venezia, "Untitled MVNY #729", 1972  Metallpulver in Öl auf Papier | 51.6 x 88.2 cm | Foto: Günter König
Michael Venezia, "Untitled MVNY #729", 1972 Metallpulver in Öl auf Papier | 51.6 x 88.2 cm | Foto: Günter König
Michael Venezia, "OW28", 2018  Perlglanz Acrylfarbe auf Holz | 18 x 161.5 cm | Foto: Günter König
Michael Venezia, "OW28", 2018 Perlglanz Acrylfarbe auf Holz | 18 x 161.5 cm | Foto: Günter König