Kurt Bracharz

14. August 2006 - 14:11

»Dies ist ein bedeutender Tag für die Menschen in Darfur«, erklärte das Weiße Haus im Mai zum Abschluss des Darfur-Abkommens in Nigeria. Washington behielt wieder einmal Recht, der Tag war wohl bedeutend, die Lage im Sudan hat sich seither doch erheblich verschlechtert.

Darfur war ein paar hundert Jahre lang ein islamisches Sultanat mit einer Bevölkerung aus arabischen und afrikanischen Stämmen, bis es 1916 der britischen Kolonie Sudan annektiert wurde, um einen Kriegseintritt auf Seiten der Türkei und Deutschlands zu verhindern. 1956 wurde der Sudan unabhängig und die neue Machtzentrale Khartoum kümmerte sich Jahrzehnte lang nicht um die Bevölkerungsmehrheit in der Peripherie des riesigen Landes (Sudan ist der zehntgrößte Staat der Welt).

Dagegen rebellierte zuerst der christliche Süden, mit dem das islamische Regime in Karthoum 2003 einen Friedensvertrag schloss. Da erst wurde den islamischen Darfuris klar, dass sie weiterhin von der politischen Macht ausgeschlossen bleiben würden, und sie revoltierten. Da Khartoum die zu einem großen Teil aus Darfuris bestehende Armee zunächst nicht gegen deren eigenes Volk einsetzen wollte, hetzte es die arabischen Darfur-Reitermilizen, die Janjaweeds, gegen die »abids« (»Sklaven«), also die schwarze Landbevölkerung, auf.

Das funktionierte, die Janjaweeds vergewaltigten, mordeten, verstümmelten und vertrieben – die Zahl ihrer Opfer und später jener der Regierungsarmee wird auf über 200.000 geschätzt, weiters gibt es 2,5 Millionen Flüchtlinge in Darfur und im östlichen Tschad, die so gut wie nicht versorgt werden können. Zuletzt sind wieder 25.000 Menschen aus Nord-Dafur geflohen. Die Hilfsorganisationen haben derzeit 14.000 Helfer in Darfur, für die es aber große no-go-areas gibt. Im Monat Juli sind acht Helfer getötet worden.

Die UN wollen Friedenstruppen hinschicken – offenbar hat man aus dem Völkermord an den Tutsi in Ruanda 1994 wenig gelernt. Das Regime in Khartoum duldet aber ohnehin keine nichtafrikanischen Truppen im Land.

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)