Kurt Bracharz

23. Oktober 2006 - 16:13

Geheimdienste sollen Informationen beschaffen, zu einem großen Teil übrigens aus öffentlich zugänglichen Quellen, weil es oft nur um die richtige Interpretation durchaus bekannter Daten geht. Eine zweite Tätigkeit ist die gezielte Desinformation des Gegners, manchmal aber auch der gesamten Öffentlichkeit.

Das historisch berühmteste Beispiel sind die »Protokolle der Weisen von Zion«, die von der Ochrana, der Geheimpolizei des russischen Zaren, gefälscht wurden (von welchen Personen, ist nicht mehr exakt nachweisbar, an der Ochrana als Fälscherin gibt es aber keine Zweifel).

Klar, dass auch heute Geheimdienste Gerüchte streuen und Falschmeldungen verbreiten, nicht zuletzt auch über sich selbst. Die CIA und andere amerikanische Geheimdienste gelten derzeit bei vielen Europäern als unfähig, weil sie ja angeblich beim Balkankrieg und im Irak versagt haben. Nun hat es sicher Geheimdienstpannen gegeben, aber es wird sich gewiss auch kein Dienst öffentlich gegen ein schlechtes Image wehren. Er darf ja andererseits auch nie mit realen Erfolgen protzen. Sich dumm zu stellen, ist nicht die schlechteste Strategie, um den Gegner zu täuschen.

Bei der unterirdischen Explosion in Nordkorea las man zunächst in allen Zeitungen, dass Zweifel bestünden, ob es sich um eine Atomexplosion oder um einen Fake mit konventionellem Sprengstoff gehandelt habe. Eine Reihe von Experten erklärte, die nordkoreanische Technik sei sicher noch nicht in der Lage, so kleine A-Waffen zu bauen, und die Wissenschaftler konnten keine erhöhte Radioaktivität messen. Dann hieß es plötzlich, amerikanische Geheimdienstquellen bestätigten, dass es sich um einen Atomversuch gehandelt habe.

Nun haben die Amerikaner einerseits sicher effektive Aufklärungs-Drohnen, andererseits will Bush die Welt glauben machen, dass eine der Achsenmächte des Bösen schon Atomwaffen hat. Das Lügen macht Politikern und Geheimdiensten keine Probleme. Deshalb geht es uns einmal mehr wie Sokrates: Wir wissen, dass wir nichts wissen können.

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)