20. Januar 2009 - 3:27 / Tanz
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Mit der Gründung der Forsythe Company hat William Forsythe neue und bewegliche Strukturen geschaffen, in denen die facettenreiche kreative Arbeit, die im Ballett Frankfurt ihren Anfang nahm, fortgesetzt wird. Gemeinsam mit einem verkleinerten Ensemble von 18 Tänzerinnen und Tänzern baut Forsythe die innovative Form der Zusammenarbeit der vergangenen 20 Jahre aus und kann nun eine neue Dramaturgie des sozialen und politischen Engagements entwickeln.

Sein stetiges und sich stets weiterentwickelndes Interesse an alternativen Begegnungen mit dem Publikum führt die Kompanie mit ihren Stücken und Installationen in Theater, Museen, öffentliche Räume und kulturelle Institutionen der ganzen Welt. Da die Kompanie nicht an einen Ort gebunden ist, kann sie auf die sich rasch verändernde, dezentrierte Landschaft der zeitgenössischen Kultur reagieren. Nach 30-jähriger künstlerischer Tätigkeit gilt William Forsythe weltweit als einer der renommiertesten Choreografen für zeitgenössischen Tanz. Forsythe hat die Praxis des Balletts aus ihrer Identifikation mit dem klassischen Repertoire gelöst und zu einer dynamischen Kunstform des 21. Jahrhunderts gemacht.

Durch sein Verständnis von der Formbarkeit und den Möglichkeiten, die der Sprache des klassischen Tanzes zu eigen sind, hat Forsythe das Denken über den Tanz radikal beeinflusst. Er betrachtet das Klassische als ein Reichtum von Ideen über Beziehungen, die ein unbegrenztes Potenzial für die Entfaltung von Formen, Verbindungen und Dynamiken in sich tragen. Dieses Denken in Beziehungs- und Verbindungsmustern – das den einzelnen Tänzern eine größere kreative Autonomie verschafft hat – wendet Forsythe in der neuen Kompanie noch radikaler auf ein dezentralisiertes, verteiltes Modell der Verbundenheit innerhalb der Gruppe an. Die aktuellen Arbeiten befassen sich mit den Konsequenzen des gegenwärtigen sozialen Übergangs von einer Politik der individuellen Souveränität zu einer der vernetzten Öffentlichkeit.

"Decreation" ist ein Werk über Deformation, Zärtlichkeit und Rage. Bei der Entfaltung von Dialogen, die einem Prozess ständiger Entstellung unterworfen sind, bilden mehrere Darsteller eine komplexe Persönlichkeit. Töne werden transformiert, weinen und steigen auf durch Kehlen und Körper, die sich in ständiger, schiefer Anspannung winden. Jegliche Kommunikation wird vermittelt und umgeleitet in einen nahtlosen Fluss von Verschiebung, Vakuum und Vision. Das Stück kreist ständig um drei zentrale Fragen, die von der fortschreitenden Vereinfachung der Seele handeln. Aus drei Teilen werden zwei, aus zwei Teilen wird einer.


The Forsythe Company - Decreation
Choreografie William Forsythe
nach einem Essay von Anne Carson
20. bis 22. Januar 2009, 20 Uhr
Haus der Berliner Festspiele



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Decreation - The Forsythe Company. Tänzer: Fabrice Mazliah, Sang Jijia; © Dieter Schwer
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Decreation - The Forsythe Company. Tänzer: Roberta Mosca; © Dieter Schwer
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Decreation - The Forsythe Company; © Dominik Mentzos
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Decreation - The Forsythe Company; © Dieter Schwer