26. Oktober 2019 - 4:03 / Ausstellung 
26. Oktober 2019 16. Februar 2020

Im Oktober 2019 feiert im ZKM Karlsruhe die Ausstellung „Die ganze Welt ein Bauhaus“ ihre Deutschlandpremiere. Die Tourneeausstellung des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) war bereits in Südamerika und den Vereinigten Staaten zu sehen. Sie bezieht Fallstudien zu den Avantgarden in Buenos Aires, Casablanca, Mexiko-Stadt, Moskau, Santiago de Chile, USA, Stuttgart und Karlsruhe ein. Dadurch wird deutlich, dass das Bauhaus keine exklusive Unternehmung war, sondern es in vielen Gegenden der Welt Avantgarden gab, die sich als Motoren einer gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Neuentwicklung verstanden.

Im ersten Teil konzentriert sich die Ausstellung auf die Jahre 1919 bis 1933 in Weimar, Dessau und Berlin: „Das Schwebende“ zeigt nicht nur, wie sich BauhäuslerInnen motivisch mit der Schwerelosigkeit beschäftigten, sondern wie Glas und Skelettbau zum visionären Entwurfsziel wurden. Das Kapitel „Experiment“ stellt Objekte vor, die sowohl das Ergebnis einer Material- und Raumforschung waren, die auf Maß, Proportion und Befragung der Materialgrenzen, aber auch auf Vervielfältigung und Serialität angelegt waren. Das „Gesamtkunstwerk“ nimmt die Synthese aller Künste, aber auch von Kunst und Wissenschaft sowie von Kunst und Gebrauchsgegenstand in den Blick. Unter der Überschrift „Gemeinschaft“ zeigen zentrale historische Objekte die Feste und das Leben am Bauhaus.

Dass das Bauhaus nicht nur linksutopisch ausgerichtet war, wird im Kapitel „Der neue Mensch“ deutlich. Hier werden Menschenbilder präsentiert, die sich auch in politisch-radikalen, weltanschaulichen Ausrichtungen bewegten. Während „Kunst, Handwerk, Technik“ die Werkstätten und ihre Produkte präsentiert, zeigt „Radikale Pädagogik“ Aufbau und Lehre am Bauhaus. Transkulturelle Bezüge werden in der Sektion „Begegnungen“ deutlich, die am Bauhaus durch Vorträge, zahlreiche Besucher und Besucherinnen aus aller Welt, völkerkundliche Bestände in der Bauhaus-Bibliothek in Weimar, aber auch durch die Suche nach neuen Formen erkundet wurden.

Der zweite Teil fokussiert das Bauhaus von seinen Rändern aus. Der Blick wechselt von Deutschland in der Zeit der Weimarer Republik auf die global agierenden Avantgarden, die in den 1920er Jahren eigene Antworten auf die Umbruchprozesse der Gesellschaft fanden. KünstlerInnen begegneten dem Bauhaus und seinen AkteurInnen aus jeweils eigener Motivation und verleibten sich Inhalte ein, um sie unter anderen Vorzeichen erneut hervorzubringen – ein transkultureller Prozess, der sich beispielsweise vor einem
politisch-nationalen Hintergrund in Santiago de Chile, als Antwort auf die rasante Industrialisierung in Mexiko-Stadt oder in postkolonialer Hinsicht in Casablanca ereignete. Der Titel „Die ganze Welt ein Bauhaus“ fungierte hier als Forschungsauftrag an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die das Bauhaus und vor allem die Aneignung seiner Konzepte, Überlegungen und Verfahren in einem globalen Kontext untersuchten.

Künstlerinnen und Künstler (Auswahl): Marianne Ahlfeld-Heymann; Anni Albers; Josef Albers; Gertrud Arndt; Leo Baron; Rudolf Baschant; Herbert Bayer; Heinrich-Siegfried Bormann; Marianne Brandt; Marcel Breuer; Edmund Collein; Erich Consemüller; Christian Dell; Friedl Dicker; Franz Ehrlich; Lyonel Feininger; T. Lux Feininger; Carl Flieger; Walter Gropius; Josef Hartwig; Florence Henri; Hubert Hoffman; Johannes Itten; Ernst Kállai; Wassily Kandinsky; Peter Keler; Paul Klee; Kurt Kranz; Fritz Kuhr; Mikhail Larinov; Otto Lindig; Gerhard Marcks; Carl Marx; Hannes Meyer; Ludwig Mies van der Rohe; Moses Mirkin; Else Mögelin; Lucia Moholy; László Moholy-Nagy; Johann Niegemann; Richard Oelze; Lisbeth Oestreicher; Walter Peterhans; Grete Reichardt; Hajo Rose; Oskar Schlemmer; Arthur Schmidt; Joost Schmidt; Kurt Schmidt; Lothar Schreyer; Umbo (Otto Umbehr;); Theo van Doesburg; Iwao Yamawaki

Die ganze Welt ein Bauhaus
26. Oktober 2019 bis 16. Februar 2020

ZKM
Lorenzstraße 19
D - 76135 Karlsruhe

T: 0049 (0)721 8100 1220
F: 0049 (0)721 8100 1139
E: info@zkm.de
W: http://www.zkm.de/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  26. Oktober 2019 16. Februar 2020 /
Unbekannt Gleichtgewichtsstudie aus dem Vorkurs von László Moholy-Nagy 1934 Holz, Plexiglas, Rekonstruktion 1967 	    © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: A. Körner, bildhübsche Fotografie, Institut für Auslandsbeziehungen
Unbekannt Gleichtgewichtsstudie aus dem Vorkurs von László Moholy-Nagy 1934 Holz, Plexiglas, Rekonstruktion 1967 © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: A. Körner, bildhübsche Fotografie, Institut für Auslandsbeziehungen
Breuer, Marcel Stuhl B5 1926 © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: A. Körner, bildhübsche Fotografie, Institut für Auslandsbeziehungen
Breuer, Marcel Stuhl B5 1926 © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: A. Körner, bildhübsche Fotografie, Institut für Auslandsbeziehungen
Tapetenfabrik Emil Rasch bauhaus-behangsels, Werbeblatt für die Niederlande 1932 	© ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: A. Körner, bildhübsche Fotografie, Institut für Auslandsbeziehungen
Tapetenfabrik Emil Rasch bauhaus-behangsels, Werbeblatt für die Niederlande 1932 © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: A. Körner, bildhübsche Fotografie, Institut für Auslandsbeziehungen
Meyer, Hannes (Hrsg.) „studiert am bauhaus!“, bauhaus. zeitschrift für gestaltung,  1928 © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: A. Körner, bildhübsche Fotografie, Institut für Auslandsbeziehungen
Meyer, Hannes (Hrsg.) „studiert am bauhaus!“, bauhaus. zeitschrift für gestaltung, 1928 © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: A. Körner, bildhübsche Fotografie, Institut für Auslandsbeziehungen