20. Oktober 2021 - 9:51 / Ausstellung / Gegenwartskunst 

Das Leben und Überleben der Erde hängt von Wasser ab. Diese Botschaft vermittelt Otobong Nkanga in vier großformatigen, farbig leuchtenden Tapisserien, die die Verbindungen zwischen Land und Ozean darstellen. Die gewobenen Werke, jeweils einzeln in jedem Geschoss des Kunsthaus Bregenz hängend, stellen Meerestiefen, Jahreszeiten und Klimazonen dar.

Im Erdgeschoss des Kunsthaus Bregenz herrscht Dunkelheit, ein kleiner Teich nahe der Glaswand funkelt. Er symbolisiert einen dunklen Abgrund, benannt nach dem ersten der vier Wandteppiche "Unearthed – Abyss". Aus der flachen Mulde ragt ein mächtiger Baumstamm empor, der vermeintlich die Decke durchstößt und in die darüber liegenden Geschosse mit den Titeln "Unearthed – Midnight" und "Unearthed – Twilight" vordringt. Durch den hier nun verjüngten Stamm bohren sich Seile, die prächtige, in Murano hergestellte Glasobjekte halten. Von Nkanga mit Bodenproben und Pflanzen befüllt, stellen die amorphen Behältnisse klimatisierte Vitrinen dar, farbige Terrarien zur Aufnahme diverser Lebensformen. Im obersten Geschoss ragt die zerfetzte, angesengte Spitze des Baums aus lehmigem Boden hervor – der Titel des Raumes: "Unearthed – Sunlight".

Der Aufstieg im Kunsthaus Bregenz wird zu einer Reise durch die Ausbeutung der Natur: Ein Pfad, der unweigerlich zu Verödung führt, trotz derer Inseln fortbestehen, auf denen Leben existiert und Hoffnung keimt. Für jedes der vier Geschosse hat Nkanga ein Gedicht verfasst, das diesen Weg begleitet. Der Text ist händisch in vier Tafeln aus Lehm gepresst.

Die monumentalen Tapisserien sind Einzelanfertigungen, die eigens für die gewaltigen Betonwände und die Raumfolge im Kunsthaus Bregenz entworfen wurden. Die Teppiche wirken wie Fenster in eine bunte Welt voller Leben am Rand einer kargen Landschaft. Farbige Fische und Muscheln bevölkern Korallenriffe vor dem Ozeanblau einer unberührten Tiefsee. Die Gewebe sind ebenso präzise wie malerisch, zwischen den Farbschlieren der Kettfäden, die manchmal wogen wie maritime Ströme, tauchen Rundformen auf, Kugeln, Himmelskörper, poetische Medaillons. Es ist ein Einblick in das maritime Leben und in eine besondere, Verbindungen schaffende "Art des Denkens", so Nkanga.

Otobong Nkanga (1974 in Kano, Nigeria, geboren) ist bildende und Performance-Künstlerin, sie lebt in Antwerpen.

Otobong Nkanga
23. Oktober 2021 bis 6. Februar 2022

Kunsthaus Bregenz
Karl-Tizian-Platz
A - 6900 Bregenz

W: http://www.kunsthaus-bregenz.at/

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Otobong Nkanga Unearthed 2021 (Detail), Foto: Josefina Eikenaar, TextielMuseum Tilburg, Courtesy of the artist © Otobong Nkanga
Otobong Nkanga Unearthed 2021 (Detail), Foto: Josefina Eikenaar, TextielMuseum Tilburg, Courtesy of the artist © Otobong Nkanga
Otobong Nkanga Unearthed 2021 (Detail), Foto: Josefina Eikenaar, TextielMuseum Tilburg, Courtesy of the artist © Otobong Nkanga
Otobong Nkanga Unearthed 2021 (Detail), Foto: Josefina Eikenaar, TextielMuseum Tilburg, Courtesy of the artist © Otobong Nkanga
Otobong Nkanga im TextielLab des TextielMuseum, Tilburg Foto: Josefina Eikenaar, Courtesy of the artists © Otobong Nkanga, Textilmuseum
Otobong Nkanga im TextielLab des TextielMuseum, Tilburg Foto: Josefina Eikenaar, Courtesy of the artists © Otobong Nkanga, Textilmuseum
Otobong Nkanga, Unearthed – Midnight, 2021, Installationsansicht 1. Obergeschoss Kunsthaus Bregenz, 2021, Foto: Markus Tretter Courtesy of the artist © Otobong Nkanga, Kunsthaus Bregenz
Otobong Nkanga, Unearthed – Midnight, 2021, Installationsansicht 1. Obergeschoss Kunsthaus Bregenz, 2021, Foto: Markus Tretter Courtesy of the artist © Otobong Nkanga, Kunsthaus Bregenz