Kurt Bracharz

13. Februar 2006 - 20:34

Vor etwas mehr als einem Monat schrieb ich für die Zeitschrift »Kultur« eine Glosse über die Standhaftigkeit des dänischen Premiers Fogh Rasmussen gegenüber islamischen Botschaftern, denen er ein Eingreifen wegen Karikaturen in einer Zeitung und ein persönliches Treffen verweigerte. Eine Zeitlang hatte ich erwogen, eine »Znort«-Kolumne daraus zu machen, aber das Thema schien mir damals ein bisschen abseitig.

Was mittlerweile aus der Angelegenheit geworden ist, weiß man. Auch, wie es dazu gekommen ist: Zwei Imame in Dänemark, Abu Laban und Ahmed Akkari, bereisten mit den echten, vor vier Monaten veröffentlichten Karikaturen plus ein paar zusätzlichen Fälschungen Ägypten und den Libanon, kümmerten sich um mediale Aufmerksamkeit und trafen sich mit Hamas-, Hisbollah- und Dschamaa Islamija-Führern.

Eine frühere Veröffentlichungen der Karikaturen in dem ägyptischen Boulevardblatt »Al-Fagr« hatte nichts bewirkt, diesmal benützten die islamischen Regime in Saudiarabien, Libyen, Syrien und Iran die einfältigen Bildchen, um den Mob auf die Straße zu schicken. Die meisten spüren selbst das Messer des Volkszorns an der Kehle, da ist ihnen eine solche Ablenkung sehr willkommen. Als dann die Botschaften brannten, mussten sie aber doch schlucken, die Sache sollte ja nicht aus dem Ruder laufen. Der auf eine Aufforderung der IESCO (Islamic Educational, Scientific and Cultural Organization) zurückgehende Käseboykott der Supermärkte am Golf brachte schließlich den zu erwartenden Kniefall dänischer Politiker.

Wenig hörte man vom Eintreten westlicher Politiker für die Meinungs- und Pressefreiheit. Der französische Innenminister Nicolas Sarkozy sagte immerhin, er zöge »einen Exzess an Karikatur einem Exzess an Zensur« vor, war damit aber der weiße Rabe in der Schar von Politikern, die von unnötigen Provokationen und notwendigen Entschuldigungen sprachen. Bei wem? Bei einfachen Moslems in Ägypten und Syrien, die westliche Zeitungen nur zu sehen bekommen, wenn Hassprediger sie ihnen bringen?

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)