4. August 2022 - 10:23 / Martina Pfeifer Steiner / Musik / Oper / Salzburger Festspiele 

Beim Jugendprogramm der Salzburger Festspiele "jung & jede*r" wird das Grimm'sche Märchen "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" zur optimistischen Kinderoper mit eindringlichen Botschaften für die heutige Zeit.

Nur nicht den Mut verlieren, auch wenn die Aussichten noch so trist, die Herausforderungen noch so unbewältigbar scheinen. Das Glückskind traut sich alles zu: Es will die Bäume wieder zum Blühen, die Brunnen wieder zum Sprudeln, die Lebensfreude wieder unter die Leute bringen – und vor allem die Prinzessin heiraten. Aus letzterem leitet sich die unerfüllbare Aufgabe ab, dem Teufel drei goldene Haare auszureißen, was in der Folge die Lösung aller Schwierigkeiten beinhalten sollte. Das verlangt der König, den Umwelt und die Zufriedenheit der Menschen in seinem Land nicht interessieren, sondern nur Geld und Macht. Zu Helfern werden die drei Räuber und des Teufels Großmutter. Natürlich gelingt es: alle sind glücklich, sogar der König in seiner Dreistigkeit (mit Sparschweinnase), der fortan den Fährmann ablöst (dieser entschwindet fröhlich mit dem Surfbrett in die Freizeitfreuden) und in Erwartung von Gold und Geld weiter rudert.

Der Übermut macht dem Glückskind Mut. Sofia Vinnik wirbelt mit viel Energie auch durch den Zuschauerraum des Schauspielhauses und bezieht die Kinder sehr erfolgreich ein. Sie ist Teilnehmerin des Young Singers Projects, der hochkarätigen Plattform zur Förderung von jungen Sänger:innen, die es schon seit 2008 gibt. Die Prinzessin ist offensichtlich Klimaaktivistin, die drei witzigen Räuber (Anführer, Dümmlicher, Langsamer) treten in Dreifachrollen auf: Bewohner des kranken Landes, Fährmann, Teufel, des Teufels Großmutter. Fantasievoll, deutlich die Charaktere zeichnend die Kostüme. Die Inszenierung ist aufwändig und vielschichtig, Videoprojektionen lassen völlig unterschiedliche Räume und Stimmungen entstehen; wunderbar kurzweilig die Komposition von Stefan Johannes Hanke, der zeitgenössische Musik lieber grotesk als bedrohlich (wenn es in die Hölle geht) einsetzt; dramaturgisch perfekt die Mischung zwischen Sprechpassagen und Gesang, alles absolut gut verständlich. Das Ensemble der Salzburg Orchester Solisten spielt hervorragend. So geht gutes Kindertheater! Zum Lustgewinn gibt es vorher den Einführungsworkshop "Wir spielen Oper!", aber ausschließlich für die Kinder, und jede*r kriegt einen Glücksfloh mit nach Hause, dort wird nicht nur dieser weiterwirken.

Der Teufel mit den drei goldenen Haaren. Kinderoper
Komposition: Stefan Johannes Hanke
Librettistin: Dorothea Hartmann
Regie: Christina Tscharyiski
Bühne und Video: Dominique Wiesbauer
Kostüme: Miriam Draxl
Dramaturgie: Lukas Leipfinger
Musikalische Leitung: Katharina Wincor
Ensemble der Salzburg Orchester Solisten

Neuproduktion im Rahmen des Young Singers Project 2022
Jugendprogramm der Salzburger Festspiele jung & jede*r
54 Vorstellungen an 20 Spielorten



Sofia Vinnik (Glückskind), Pete Thanapat (Anführer der Räuber), Niklas Mayer (Dümmlicher Räuber), Alexander Fritze (Langsamer Räuber) © SF / Erika Mayer
Sofia Vinnik (Glückskind), Pete Thanapat (Anführer der Räuber), Niklas Mayer (Dümmlicher Räuber), Alexander Fritze (Langsamer Räuber) © SF / Erika Mayer
Pete Thanapat (Teufel), Alexander Fritze (Des Teufels Großmutter) © SF / Erika Mayer
Pete Thanapat (Teufel), Alexander Fritze (Des Teufels Großmutter) © SF / Erika Mayer
Serafina Starke (Prinzessin), Niklas Mayer (Fährmann), Sofia Vinnik (Glückskind), Daniel Wagner (König) © SF / Erika Mayer
Serafina Starke (Prinzessin), Niklas Mayer (Fährmann), Sofia Vinnik (Glückskind), Daniel Wagner (König) © SF / Erika Mayer