23. Dezember 2008 - 2:34 / Ausstellung / Archiv 
6. Dezember 2008 4. Januar 2009

Am 12. Dezember jährt sich der Geburtstag des 1970 verstorbenen Künstlers Albert Rauch zum 100. Male. Aus diesem Anlass zeigt das Feldkircher Palais Liechtenstein unter dem Titel "Nah am Berg" einen Querschnitt der wichtigsten Gemälde Rauchs, während im Museum Rohnerhaus in Lauterach "Zeichnung und Druckgrafik" zu sehen ist.

Im Unterschied zu den Entwicklungen in den USA, Frankreich und den meisten anderen westlichen Ländern ist die Geschichte der österreichischen Malerei und Zeichnung vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt von einer auf Inhaltlichkeit beharrenden Form der Kunst. "Avantgardistische" Strömungen der Zeit liefen an der österreichischen Szene weitestgehend vorbei. Für die Entwicklung der österreichischen Malerei blieb die gegenstandstreue und inhaltsbezogene Malerei stets die relevantere. Von Albert Rauch, der von 1930 bis 1935 an der Akademie der Bildenden Künste studierte, war Zeit seiner schöpferischen Tätigkeit stark mit dem Gegenständlichen verhaftet. Die Motivdominanz der Landschaft, des Menschen und des Alltäglichen geht im besonderen aber auch auf seinen Lehrer und Mentor an der Akademie, Karl Sterrer zurück. Die Wirkung Sterrers auf Rauch wird vor allem in den Zeichnungen deutlich, die er während der Akademiezeit schuf. Sie sind von einer kräftigen, ja geradezu flächig-voluminösen Stiftführung geprägt. Rauch, der von 1936 bis 1938 am Feldkircher Jesuitenkolleg Stella Matutina und danach bis zu seiner Pensionierung 1964 am Bundesgymnasium Feldkirch als Kunsterzieher tätig war, hatte in den 1950er und 1960er-Jahren seine produktivste Phase. Neben ihm und Martin Häusle waren zu jener Zeit im Vorarlberger Oberland mit dem Frastanzer Angelo Montibeller und dem Schlinser Andreas Amann noch zwei weitere Kunstschaffende aktiv, die sich wie Rauch ebenfalls der heimatlichen Landschaft als wichtigstem Motiv der Bildfindung verschrieben hatten. Albert Rauch war ein sehr vielseitiger Künstler. Neben der Malerei, Zeichnung und Druckgrafik setzte er sich auch mit der Holzplastik, dem Glasfenster, dem Fresko, dem Graffito sowie mit architektonischen Fragen auseinander. Die wichtigste Arbeit dabei stellt die Gedächtniskapelle in Schlins dar. Rauch gibt als zudem als Hauptinitiator der Schlinser Spielgemeinde nach dem Zeiten Weltkrieg, die mit dem "Faust" 1949 mit der Bespielung der Schlinser Burg begann. Etliche Landschaften Rauchs erzielen eine romantisierende Wirkung. Vor allem dann, wenn er die Natur mit dem Menschen kombiniert. Auch Anklänge an Künstler wie Ferdinand Hodler oder Albin Egger-Lienz scheinen im Werk mitunter evident zu werden. Dennoch tragen Rauchs Arbeiten eine unverkennbar individuelle Handschrift. Unter anderem erzielen die Landschaften eine unerhörte Tiefenwirkung. In einigen Werken erscheinen die Landschaftsteile wie geschichtet zu sein, Theaterkulissen ähnlich. Oder es entstehen Raumeffekte, als ob ferne Landschaftselemente herangezoomt wären. Flaches Land und Bergzüge zeigen sich als rhythmisch gegliederte Formationen. In den Ölgemälden im allgemeinen und in der Öl-Landschaft im besonderen entfaltet Albert Rauch zweifelsohne sein stärkstes Potenzial. Dennoch nimmt auch die Zeichnung und die Druckgrafik einen zentralen Stellenwert in seinem Oeuvre ein. Dabei beschränkte sich der Schlinser Künstler aber nicht nur auf die Bleistifttechnik, sondern er griff immer wieder auch auf Wachskreiden, Kohlestift und Aquarellfarben zurück Die Auseinandersetzung mit alpinen Landschaften ist auch unter den zeitgenössischen Kunstschaffenden wieder zu einem aktuellen Thema geworden. In einem Spannungsbezug zu den Landschaftsbildern Rauchs ist im Palais Liechtenstein unter dem Titel "Nah am Berg" daher eine zweite Ausstellung zu sehen, die von österreichischen und Schweizer KünstlerInnen bespielt wird. Medienübergreifend werden Arbeiten von Stefan Betschon (CH), der Künstlergruppe Com&Com (CH), Harald Gfader (A), Gilgi Guggenheim (CH), Roland Haas (A), Josef Felix Müller (CH), Johannes Rauch (A), Martin Rauch (A) sowie Stefan Waibel (A) präsentiert. Kuratiert werden die Ausstellungen von Karlheinz Pichler. Anlässlich der Rauch-Retrospektive erscheint im Bucher-Verlag Hohenems ein ansprechend gestaltetes Buch, dass anhand zahlreicher Bilder und Essays über das Werk des Künstlers reflektiert.
Albert Rauch - Berg Tal Dorf Mensch 6. Dezember 2008 bis 4. Jänner 2009 Albert Rauch - Zeichnung und Druckgrafik 7. Dezember 08 bis 18. April 2009 Rohnerhaus, Kirchstraße 14, Lauterach Öffnungszeiten: Mi bis Sa 11 - 17 Uhr Freitag 11 - 20 Uhr

Palais Liechtenstein
Schlossergasse 8
A - 6800 Feldkirch

W: http://www.palais-liechtenstein.at/

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  •  6. Dezember 2008 4. Januar 2009 /
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Albert Rauch, Schifahrer
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Albert Rauch, Schlins im Winter