10. Oktober 2012 - 1:51 / Ausstellung / Archiv 
7. Juli 2012 14. Oktober 2012

Die Ausstellung "Die Schönheit des Ausgenblicks" umfasst drei Einheiten von künstlerischen Arbeiten, die je in einem anderen Jahrhundert und in einem anderen Medium entstanden sind: den Holzdruck im 18./19. Jahrhundert, die Fotografie im 19./20. Jahrhundert und den Video im 21. Jahrhundert. Sie alle machen es sich zum Thema, einen flüchtigen Augenblick des gesellschaftlichen Lebens im Japan ihrer Zeit einzufangen. Im Mittelpunkt stehen sogenannte bijinga, "Bilder schöner Frauen". Ihrer Schönheit wird in Momentaufnahmen von unwiederbringlichem Zauber gehuldigt.

Den Hauptteil der Ausstellung bilden 100 Holzdrucke mit Darstellungen schöner Frauen aus dem Honolulu Museum of Art. Als eines der umfassendsten Museen auf Hawaii besitzt es unter anderem mehr als 10’000 Einzelblätter hervorragender japanischer Holzdrucke. Daraus wurde für die Ausstellung im Museum Rietberg das Thema "schöne Frauen" herausgelöst, das den bekannten amerikanischen Schriftsteller und Sammler James A. Michener (1907–1997), aus dessen vormaligem Besitz die meisten Drucke stammen, besonders begeistert hat. Die Ausstellung zeigt zahlreiche Meisterwerke der bedeutendsten japanischen Holzschnittkünstler, die sich vorwiegend mit diesem Genre beschäftigten.

Das Thema "schöne Frauen" ist auch allgegenwärtig in den gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Japan aufgenommenen Fotografien von so bekannten Fotografen wie Kusakabe Kimbei, den Venezianern Felice Beato und Adolfo Farsari oder dem in Japan lebenden Österreicher Raimund von Stillfried-Ratenicz. Viele dieser kunstvollen Fotografien, besonders die Studioaufnahmen, wirken wie nachgestellte Szenen aus der Welt des Holzdrucks. Das Museo delle Culture in Lugano ist seit Kurzem im Besitz einer Sammlung von über 5000 handkolorierter Albumin-Fotografien, aus denen 50 Beispiele für die Ausstellung ausgewählt wurden. Hier vollzieht sich gleichsam nochmals derselbe Vorgang wie bei der Entwicklung des Holzdrucks. Sowohl in der Fotografie als auch in der Druckgrafik waren die ersten Kunstwerke schwarz-weiss. In einer zweiten Phase wurden sie handkoloriert, bis die Mehrfarbigkeit schliesslich technisch einfach erreicht werden konnte.

Die Ausstellung wird abgerundet durch den Einbezug zweier Videoinstallationen der Künstlerin Tabaimo (geboren 1975), die von der Gallery Koyanagi in Tokio zur Verfügung gestellt werden. Mit ihrer aufsehenerregenden Installation im Japan-Pavillon an der Biennale in Venedig 2011 hat Tabaimo ihren Ruf als eine der bedeutendsten Gegenwartskünstlerinnen Japans gefestigt. Tabaimos vielschichtige Anspielungen auf traditionelle Holzdrucke in ihrer packend eigenständigen, teilweise verstörenden Kunst öffnen uns ein Fenster zur heutigen japanischen Gesellschaft. Die begabte Zeichnerin beobachtet in den für die Ausstellung ausgewählten Animationsfilmen «public conVENience» und «Japanisches Badehaus – Männer» unterschwellige gesellschaftliche Konventionen, deren Seltsamkeiten sie schonungslos an die Oberfläche holt.

Katalog: "Die Schönheit des Augenblicks. Frauen im japanischen Holzdruck." Herausgeber Katharina Epprecht, Museum Rietberg Zürich. Verlag Scheidegger & Spiess, Texte deutsch und englisch. Broschur, ca. 182 Seiten, ca. 125 Farbabbildungen 23 x 30 cm, ISBN 978-3-85881-357-2, CHF 38 | EUR 34

Die Schönheit des Augenblicks
Frauen im japanischen Holzdruck
7. Juli bis 14. Oktober 2012

Museum Rietberg
Gablerstrasse 15
CH - 8002 Zürich

T: 0041 (0)44 415 31 31
F: 0041 (0)44 415 31 32
E: museum.rietberg@zuerich.ch
W: http://www.rietberg.ch/

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  •  7. Juli 2012 14. Oktober 2012 /
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Utagawa Kunisada (1786?1865): Vorbereitungen zum Ausgang, ca. 1830?1831. Ankauf 1927, 37.8 x 25.7 cm; © Honolulu Museum of Art
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Kitagawa Utamaro (1753?1806): Hana?gi vom Freudenhaus ?giya in Edoch? Itch?me, 1801. Geschenk James A. Michener, 1991, 36.8 x 24.1 cm; © Honolulu Museum of Art
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Eish?sai Ch?ki, tätig ca. 1780?1809: Tsukasa Day? aus dem Freudenhaus Higashi ?giya in Osakas Shinmachi-Viertel, ca. 1800. Geschenk James A. Michener, 1991, 38.8 x 26.2 cm; © Honolulu Museum of Art
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Kitagawa Utamaro (1753?1806): Gewöhnlich als leichtes Mädchen bezeichnet. Durch die moralisierende Brille der Eltern gesehen, ca. 1802. Geschenk James A. Michener, 1957, 36.7 x 23.5 cm; © Honolulu Museum of Art