22. März 2020 - 8:56 / Ausstellung 

Aufgrund des Ausgehverbots im Zuge der Covid-19 Epidemie steht der Südtiroler Künstler Hannes Egger seit Tagen – wie Millionen anderer Menschen weltweit – stundenlang in der Küche, kocht, spült ab, räumt auf, putzt gründlich. Zwischen den als Highlights der Quarantänetage empfundenen Mahlzeiten liest er, surft im Internet, zeichnet, hört Musik, chattet mit Freunden, usw. Inmitten der Kopftöpfen stehend hat er in seiner eigenen Küche eine Audio-Performance entwickelt, die von allen zu Hause durchgeführt werden kann. Das gut sechs Minuten dauernde Performancestück hat er auf seiner Webseite veröffentlicht und es all jenen gewidmet die in dieser speziellen Zeit zu Hause bleiben. Die Durchführung ist ganz einfach: Es reicht, die Audiodatei mit Handlungsanleitungen in der Küche abzuspielen und den Anweisungen zu folgen.

Ausgangspunkt für "Kitchen Performance or The Order of Things" war Martha Roslers Performance "Semiotic of the Kitchen" von 1975. Egger beginnt die Performance ähnlich wie die amerikanische Künstlerin mit dem Anziehen eines Schurzes, englisch apron, und dem Aussprechen von dessen Bezeichnung. Anschließend vollzieht der Künstler eine Wendung und lässt allerhand Dinge aus den Schränken räumen. Höhepunkt ist das kochen und genießen einer gemütlichen Tasse Kaffes. Anschließend ist jedoch nichts mehr so wie es einmal war, den alle Dinge finden eine neue Ordnung.

Mit der Performance will Hannes Egger dazu aufrufen eine bewusste körperliche Erfahrung in den eigenen vier Wänden zu machen und sich mit den speziellen Umständen auf humoristische und bewusste Art und Weise auseinander zu setzten und über die Ordnung der Dinge, man könnte auch sagen der Ordnung der Welt, zu beschäftigen. Mit "Kitchen Performance or The Order of Things" fragt er allgemein danach inwieweit Gewohnheiten, eingenommene Sichtweisen und Ordnungssysteme geändert werden können, bzw. inwiefern sie an neue Begebenheiten angepasst werden müssen. Wird die Ordnung der Welt durch den Corona Virus neu geschrieben? Können wir die Welt durch diese Krise neu denken und neu einrichten, vielleicht von der privaten Küche aus beginnend?

Es ist ein markantes Zeichen der künstlerischen Praxis des 1981 in Bozen geborenen Konzeptkünstlers Hannes Egger, dass er das Publikum in seine Aktionen mit einbezieht und es interaktiv agieren lässt. Er begreift das Kunstwerk nicht als Objekt, als abgeschlossenes Werk im klassischen Sinn, sondern vielmehr als Situation oder offene Plattform in Progress. Die detailliert geplanten Kunstwerke vervollständigen sich meist erst in jenem Moment, in welchen das Publikum teilnimmt.



Hannes Egger: Kitchen Performance or The order of things (Bild: zVg)
Hannes Egger: Kitchen Performance or The order of things (Bild: zVg)
Hannes Egger: Zeichnung zur Performance (Bild: zVg)
Hannes Egger: Zeichnung zur Performance (Bild: zVg)
Künstler Hannes Egger in der Küche (Bild: zVg)
Künstler Hannes Egger in der Küche (Bild: zVg)