21. August 2019 - 6:46 / Ausstellung / Kunst im öffentlichen Raum 
24. August 2019

Anlässlich des 30. Jahrestages der Öffnung des Eisernen Vorhangs sind neun internationale KünstlerInnen eingeladen, in und um die ehemalige österreichisch-tschechische Grenzstation Fratres/Slavonice Arbeiten zur aktuellen Bedeutung sich wandelnder Grenzen zu entwickeln. Ausgangspunkt ist die aus dem Jahr 2009 stammende Installation Wohin verschwinden die Grenzen? Kam mizí hranice? von Iris Andraschek und Hubert Lobnig, die als KuratorInnen und KünstlerInnen fungieren.

Borders are Vacillating.
2015 gab es eine Zäsur in der Haltung und im Diskurs zu Fragen über territoriale Grenzen. Ausgangspunkt hierfür waren die vielen mit dem Bürgerkrieg in Syrien zur Flucht nach Europa gezwungenen Menschen. Plötzlich wurden Landesgrenzen zum Thema ganzer Wahlkämpfe. Dabei wurden humanitäre Aspekte und die gesellschaftliche Verantwortung sehr kontrovers diskutiert.

Für Iris Andraschek und Hubert Lobnig stellt sich heute im Rückblick auf die vergangenen Jahre und im Kontext von 30 Jahren Fall des Eisernen Vorhangs die Frage, wie sich Grenzen an sich und die Diskurse darüber seitdem verändert haben. Der ursprünglichen Frage, Wohin verschwinden die Grenzen, werden für die Fortführung des Projektes Begriffe wie Verwandlung und Metamorphose als zentrale Aspekte hinzugefügt. Borders are Vacillating – Grenzen kippen und schwanken. Sie verschwinden, sie wandern, sind werden unsichtbar, verlagern sich, lösen sich auf und verstärken sich andernorts.

Neun internationale KünstlerInnen werden nun nach ihrem Blick auf diese Verschiebungen, nach Bildern und Metaphern dafür gefragt. So zeigt z. B. die Videoarbeit der mexikanischen Künstlerin Ana Teresa Fernández wie Imagination und die bloße Verwendung von Farbe die aktuell wohl bekannteste territoriale Trennlinie, jene zwischen Mexiko und den USA, für einen Moment zum Verschwinden bringen können und welche Kraft ein solches Bild hat. Filippo Minelli, der für die Manifesta 12 in Palermo die Arbeit Across the Border realisiert hat, und Alban Muja, der heuer den Kosovo bei der Biennale von Venedig vertritt, entwickeln eigens für Fratres neue, ortsbezogenes Projekte zur Untersuchung und Analyse von Landschaft, Identität und Grenze. Ebenso Hannes Zebedin und Marlene Hausegger, deren künstlerische Arbeit sich immer wieder um Grenzen und Konventionen unterschiedlichster Form und deren kritische Reflexion dreht. Einen ganz anderen Blick auf Grenzen und Migration ermöglicht Moritz Matschke mit seinem Projekt Zug Vogel Mensch, für das er mit öffentlichen Verkehrsmittel die Flugroute eines Storches in den Süden verfolgt hat.

Mit zwei Arbeiten – einer filmischen Schleife über die Beneš-Büsten von Abbé Libansky und Friedemann Derschmidt und dem korrodierten Welcome-Schriftzug von Agnieska Kalinowska – wird eine Verbindung zum letzten Projekt von 2014 hergestellt.

Grenzen, die je nach Region, gesellschaftlichen und persönlichen Kontexten unterschiedlich wahrgenommen und gelebt werden bzw. sich auf unterschiedliche Weise manifestieren, werden in Fratres durch eine große Bandbreite künstlerischer Arbeiten aufgefächert. Sie machen deutlich, dass hier keine einfachen Antworten zu finden sind, aber Raum für eine wichtige Auseinandersetzung eröffnet wird.

Die Arbeiten werden auf den vorhandenen Displays im Außenraum, im Bereich der Grenzkontrollstreifen zwischen den beiden ehemaligen Grenzstationen und im ehemaligen Grenzhaus, das für mehrere Wochen geöffnet wird, präsentiert. Dieses heute privatisierte und seit seiner Schließung beinahe unveränderte Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert ist für das Projekt das erste Mal wieder einer Öffentlichkeit zugänglich.

Hintergrund
2009 wurde an dem nach 1989 stillgelegten Grenzposten zwischen Fratres und Slavonice von Andraschek / Lobnig eine 60 Meter lange und 4 Meter hohe Metallkonstruktion als Display mit der Aufschrift Wohin verschwinden die Grenzen? Kam mizí hranice? realisiert. Die Arbeit war Teil einer grenzüberschreitenden Landesausstellung und mitsamt der installierten Serie inszenierter Fotografien ein Statement zum damaligen Grenzdiskurs. Eine Variante der Arbeit ist derzeit in der Landesgalerie NÖ in Krems zu sehen.

Fünf Jahre später, 2014, nach dem planmäßigen Abbau der Grenzarchitektur nach Schengen und des Verkaufs des Grenzhauses wurden im Rahmen einer Gruppenausstellung zum Thema Grenze und Territorium auf die bestehende und erweiterte Konstruktion Arbeiten von polnischen, tschechischen und österreichischen KünstlerInnen präsentiert.

Die Verwandlung - Borders are Vacillating
Ein Projekt von Iris Andraschek und Hubert Lobnig
Eröffnung am 24. August 2019, 15.00 Uhr, Fratres
Nähere Informationen unter http://www.publicart.at

Kultur Niederösterreich
Amt der Niederösterreichischen Landesregierung
Landhausplatz 1
A - 3109 St. Pölten

W: http://www.publicart.at/de/home/

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© Estefania Peñafiel Loaiza, air accueil, 2013
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 © Alban Muja, Fratres, 2019
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© Moritz Matschke, Figure No. 3, 2018
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© Hannes Zebedin, Fratres 2019
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© Thea Moeller, untitled (v), 2018
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