15. November 2019 - 10:16 / Ausstellung / Gegenwartskunst 
15. November 2019 28. Dezember 2019

In den komplexen und vielschichtigen Bildwelten der 1956 in Zams in Tirol geborenen und heute in Innsbruck lebenden und arbeitenden Künstlerin Christine S. Prantauer spiegeln sich Medienkritik genauso wie die Auseinandersetzung mit aktuellen Zeitthemen wie etwa der Globalisierung, der Verherrlichung des Kapitalismus oder dem Mobilitätswahn und den dagegen ankämpfenden Widerstandsbewegungen.

Im Rahmen einer von Andrea Fink kuratierten Einzelausstellung zeigt die Bludenzer Galerie Allerart ab 15. November einen repräsentativen Querschnitt zum aktuellen Schaffen Prantauers. In der Alpenstadt wartet die Tiroler Künstlerin unter anderem mit architektonischen Beispielen internationaler Finanzzentren, also abgehobenen Glaskolossen auf, die mit Ausschnitten der Weltkarte kombiniert werden. „Die 'Financial Districts' mit ihren gläsernen Fassaden, ihren Türmen und ihrer technophilen Ästhetik spiegeln sich in Ländern und Kontinenten, überlagern, besetzen und durchdringen sie. Die Repräsentationsbauten des Finanzkapitals verweisen in ihrer weltweiten Gleichförmigkeit auf dessen globalen Machtanspruch. Dem gegenüber stehen Bilder von Naturzerstörung ebenso wie Bilder von Demonstrationen und Protesten gegen die negativen Auswirkungen eines globalisierten, profitorientierten Wirtschaftssystems,“ erläutert die Künstlerin.

Mittels digitaler Montage werden Bildmotive in einen neuen Kontext gesetzt, um sozial- und gesellschaftspolitische Fragen anzureissen. In der digitalen medialen Verschränkung gegensätzlicher Weltsichten und Realitäten spürt die Künstlerin den grossen Dissonanzen und Bruchlinien einer aus den Fugen geratenen Welt nach und übersetzt sie in Bildkonstellationen, die den Betrachter zum Nachdenken zwingen.

Die österreichische Kuratorin, Stadtforscherin und Kulturtheoretikerin Elke Krasny beschreibt in einem Text das methodologische Vorgehen der Tiroler Künstlerin: „Prantauer setzt die Montage als Arbeitsverfahren einer kritischen politischen Kunst ein. Sie artikuliert mit den Suchstücken und den Fundstücken in ihren Montagen gesellschaftliche Themen, die akut sind. Migration, Mobilität, Globalisierung, Sozialabbau, Widerstand und Arbeitskämpfe sind die Fragen, die in ihren Arbeiten (nochmals) öffentlich werden. Das in Klammern gesetzte nochmals bezieht sich auf Prantauers Methode, mit medialen Bildern als Künstlerin öffentlich zu agieren. Sie arbeitet auf vielen Ebenen, mit der öffentlichen Analyse des Medialen, aber auch seiner neuen Kontextualisierung
 und Lesbarkeit. Sie montiert Fundstücke, sie demontiert und remontiert Kontexte und Bedeutungen, sie montiert die Fundstücke als Plakatarbeiten in den öffentlichen Raum. Sie versetzt und verschiebt. Die gewählten Themen und die gewählten Verfahren zeigen die in ihrem innersten vorherrschende Unruhe der gesellschaftlichen Bewegungen. Prantauer interveniert in die Zirkulation von Bildern, Themen und Verhältnissen.“

Indem Prantauer mit ihren digitalen Werkzeugen krasse Gegensätze ineinander fliessen lässt, polarisiert sie auch stark. Nochmals Krasny: „Die künstlerische Montage hat ihre unterweisende Schärfe, ihr analytisches Potenzial zwischen Medien, realen Verhältnissen und politischen Zuständen noch nicht verloren.“

Christine S. Prantauer studierte im Zuge ihrer künstlerischen Ausbildung zunächst Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Nach Erlangung des Diploms schrieb sie sich an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien in der von Peter Weibel geführten Medienklasse ein.

Digitale Bildmontagen von Christine S. Prantauer
15. November 2019 bis 28. Dezember 2019

Galerie Allerart
Verein zur Förderung von Kunst und Kultur
Am Raiffeisenplatz 1
A - 6700 Bludenz

T: 0043 (0)664 500 55 36
W: http://www.allerart-bludenz.at

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  •  15. November 2019 28. Dezember 2019 /
Christine Prantauer, Nothing beside 1, 2019, Digitalmontage 95 x125 (c) Christine Prantauer
Christine Prantauer, Nothing beside 1, 2019, Digitalmontage 95 x125 (c) Christine Prantauer
Christine Prantauer, Transition, 2019, Digitalmontage 95 x125 (c) Christine Prantauer
Christine Prantauer, Transition, 2019, Digitalmontage 95 x125 (c) Christine Prantauer
Christine Prantauer, Nothing beside 2, 2018, Digitalmontage 95 x125 (c) Christine Prantauer
Christine Prantauer, Nothing beside 2, 2018, Digitalmontage 95 x125 (c) Christine Prantauer