28. Juni 2020 - 17:32 / Karlheinz Pichler / Ausstellung / Malerei 
4. Juli 2020 22. August 2020

Vor sechs Jahren war es der Vorarlberger Künstler und Galerist Werner Marxx Boesch, der den slowenischen Maler Uroš Weinberger erstmals ins Ländle holte und dessen Werke in seiner Bregenzer Galerie sowie an der Art Bodensee präsentierte. Nun gibt es ein Wiedersehen mit dem 1975 geborenen und in Ljublijana lebenden und arbeitenden Künstler in Feldkirch. Denn Leonie Hirn und Calvin Mechora, die in der Montfortstadt in der Nachfolge von Gerold Hirn gemeinsam die Galerie 60 betreiben, zeigen ab 3. Julie mehrere grossformatige Arbeiten, darunter eines mit den monumentalen Aussmassen von 200 mal 300 Zentimetern, sowie eine Reihe kleinerer Werke aus der jüngsten Schaffensperiode des Künstlers.

Uroš Weinberger meinte einmal sinngemäss, dass der beängstigendere Alptraum nicht der Alptraum der Nacht sei, wie man vermuten würde, sondern der Alptraum am Tage. Denn am Tag sei ein Aufwachen nicht möglich. Eigentlich eine hoffnungslose Einschätzung der Welt, die auch eine Erklärung zu seinen oft dystopisch anmutenden Szenerien liefert, die er in grellen, giftgrünen und speibgelben Farbtönen auf teils grossformatigen Leinwänden entwirft. Mitunter wirken die von Weinberger gestalteten Leinwände wie radioaktive Trägersubstanzen, die farbige Strahlenbündel absondern. Bei dem Slowenen gerinnt der Alptraum somit häufig buchstäblich zum Bild. Seine Elaborate sind auch Menetekel, die vor den Gefahren warnen, die der Menschheit drohen. Drohnen, Gasmasken, die Überwachungsmanie, das von der Digitalisierung getriebene Wachstumsstreben, die Macht der Öl- und Pharma-Multis etc. sind typische Themen, die er in seinem Bilderkosmos verhandelt. Seine Bildschöpfungen weisen Unheil verkündend in die Zukunft. Aber nicht nur. Der Slowene ist auch ein Geschichtenerzähler, baut narrative Samplings ein, bei denen er Bilder aus den Medien zum Aufhänger nimmt und subjektiv modifiziert.

Weinbergers Ölgemälde und Zeichnungen erschliessen sich grundsätzlich nicht auf den ersten Blick. Seine kritischen Bestandsaufnahmen gesellschafts- und wirtschaftspolitischer Prozesse im Hier und Jetzt sind häufig verschlüsselt. Und es geht auch nicht nur um das Anprangern von Missständen und Vorgehensweisen allein. Vielfach sind die szenischen Anordnungen Verweise. Der Slowene nimmt Bezug auf die gesellschaftliche Wahrnehmung von visuellen Informationen aus den Medien. Er beobachtet die Überschneidungen von Informationen und tatsächlichen Ereignissen und macht auf die Desensibilisierung der Masse durch die Informationsflut aufmerksam. Er moniert in seiner Kunst somit auch, dass echte Tragödien bei den Leuten immer mehr auf reines Desinteresse stossen. In einer Aussendung der Kunsthalle Ravensburg, in der der slowenische Künstler anfangs 2017 ausgestellt hatte, schreibt der Kurator Herbert Köhler zu dessen Intentionen: „Weinbergers Malerei will provozieren. Seine Bildsprache bedient sich – ähnlich wie bei Neo Rauch und Daniel Richter der sogenannten Neuen Leipziger Schule – des Einsatzes von Erzähl-Samplings, szenischen Aufhängern und assoziativ-kritischen Bildkommentaren.“ Dadurch ergebe sich eine Synchronizität von Information und Kritik, aber auch die Simultaneität von Informant und Informierten, so Köhler. Wobei es nicht immer eindeutig sei, was nun Information und was deren Kritik sei. Köhler: "Uroš Weinberger weiss: Die Medienwelt spielt geradezu mit der Indifferenz von Information, Meinung und Kritik. Sie gehört zu einer Strategie der suggerierten Kompetenz und täuscht dort Anteilnahme vor, wo es nur ums Gaffen geht."

Grundsätzlich widmet sich der 45-jährige Künstler, der von 1982 bis 1984 in der damaligen DDR gelebt hat und von 1998 bis 2003 an der Akademie der Bildenden Künste Ljubljana Malerei studiert hatte, in seinen Werken der Frage, wie Technologie heutzutage den persönlichen Raum beherrscht und die Illusion einer einzigen Lebenswirklichkeit evoziert. Wobei die Medien, vorab die Bildmedien, die tagaus und tagein vermeintlich sichere sowie auch gefakte Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen transportieren, den Ausgangspunkt von Weinbergers bild- und medienkritischer Kunstwerken darstellen.
Weinbergers Bilder sind inhaltlich gesehen aus der heutigen Realität abgeleitete Zukunftsaussagen, die die tiefsten gesellschaftlichen Ängste projizieren und reflektieren.

Uroš Weinberger
Galerie 60, Feldkirch
4.7.-22.8.
Vernissage: 3.7., 20.00 Uhr
Do u. Fr 16-19, Sa 12-16 u.n.V.
https://www.galeriesechzig.com



  •  4. Juli 2020 22. August 2020 /
Uroš Weinberger: Eyes in the Sky, 2019, Öl auf Leinwand
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Uroš Weinberger: The Void, 2020 (Bild: zVg)
Uroš Weinberger: The Void, 2020 (Bild: zVg)
Uroš Weinberger: The Wizards Laboratory 2018, Öl auf Leinwand (Bild: zVg)
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Uroš Weinberger: Colossal, 2020, Öl auf Leinwand (Bild: zVg)
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