29. Oktober 2011 - 1:54 / Archiv / Malerei 

Max Pechstein (1881-1955) gehört zu den wichtigsten Pionieren des Expressionismus in Deutschland. Das Kunstmuseum Ahlen präsentiert in einer rund 120 Werke umfassenden Retrospektive einen Überblick über das gesamte künstlerische Schaffen des einstigen Brücke-Künstlers und "Expressionisten aus Leidenschaft".

Bereits während seines Studiums an der Dresdner Kunstgewerbe-Schule von 1900-1903 war Max Pechstein künstlerisch so erfolgreich, dass er erste Aufträge im Bereich der angewandten Kunst erhielt. Auch als er vorwiegend mit freier Kunst auf sich aufmerksam machte, blieb er dem Kunstgewerbe treu und schuf bis in die 1930er Jahre regelmäßig Wandmalereien, Mosaike und Glasfenster; hinzu kamen Entwürfe für Schmuck und Gebrauchsgrafik. Anfänglich dem Jugendstil und Symbolismus verhaftet, orientierte sich Max Pechstein in diesen Auftragsarbeiten schon bald an den Reformideen des Deutschen Werkbundes. Sein Sinn für Dekoration und sein hoher Anspruch an handwerkliche Qualität äußerten sich in einer zusehends expressiveren Formensprache.

Max Pechsteins tiefe Verbundenheit mit dem Expressionismus rührte vom Erlebnis des gemeinsamen Malens in der Dresdner Künstler-Gemeinschaft "Brücke" her, der er von 1906-1912 angehörte. Seinen akademischen Stil ordnete er einer neuen Direktheit im Umgang mit Farben und Formen unter, die auch auf die Auseinandersetzung mit van Gogh, Munch und Matisse sowie mit völkerkundlichen Objekten zurückgeht. Unter den Brücke-Künstlern war Max Pechstein der einzige mit akademischer Ausbildung; nach dem Umzug der Gruppe nach Berlin 1908 genoss er breite Anerkennung bei Sammlern und Kritikern. Als der Mitbegründer der Berliner "Neuen Secession" (1910) künstlerisch vermehrt eigene Wege ging, kam es schließlich zum Bruch mit der Gemeinschaft, die sich bald darauf ganz auflöste. Von den freien malerischen Formulierungen des Expressionismus wandte der Künstler sich ab. Stattdessen ist eine Synthese von Ausdruck und Anschauung, Unmittelbarkeit und Konstruktion kennzeichnend für eine äußerst vielseitige Werkphase, die bis Anfang der 1930er Jahre andauerte.

Topoi der Ursprünglichkeit nehmen in den Stillleben, Porträts und Landschaften Max Pechsteins zentralen Raum ein: Badeszenen an den Moritzburger Seen, das Leben an der Südsee, das er auf einer Reise nach Palau kennen lernte, oder die einfachen Fischer an der Ostsee - sie faszinieren Pechstein bis in die späten Jahre. So war er zeitlebens bestrebt, in Harmonie mit der Natur zu leben. Besonders in Nidda an der Kurischen Nehrung, wo er seit 1909 wiederholt die Sommermonate verbrachte, erfüllte sich sein Traum; dort entstandene Gemälde spiegeln oftmals das Verhältnis des Menschen zu den Naturgewalten. Die Jahre des Dritten Reiches, als auch Werke Max Pechsteins im Zuge der Aktion "Entartete Kunst" aus öffentlichen Sammlungen entfernt wurden, verbrachte der Künstler zurückgezogen in Leba an der Ostsee. 1945 wurde er rehabilitiert und folgte einem Ruf als Professor an die Berliner Hochschule für Bildende Künste. Der Suche nach dem Ursprünglichen verlieh Max Pechstein bis zu seinem Tod 1955 in Landschafts- und Figurendarstellungen durch zunehmend gesteigerte Farbigkeit besondere Dramatik.

Eine filmische Dokumentation zu Leben und Werk Max Pechsteins ergänzt die Ausstellung. Der Katalog aus dem Himer-Verlag mit Katalogbeiträgen namhafter Autoren und zahlreichen Abbildungen umfasst 357 Seiten.

Max Pechstein. Ein Expressionist aus Leidenschaft. Retrospektive.
10. Juli bis 1. November 2011

Kunstmuseum Ahlen
Museumsplatz 1
D 59227 Ahlen
T 0049 (0)2382 9183-30
F 0049 (0)2382 9183-83

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr 14 - 18 Uhr
Donnerstag 14 - 20 Uhr
Sa, So/Fe 11 - 18 Uhr



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Selbstbildnis mit Hut und Pfeife, 1918. Öl auf Leinwand; Kunsthaus Zürich. © Pechstein ? Hamburg/Tökendorf
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Wintermorgen, 1952. Öl auf Leinwand; Privatsammlung. © Pechstein - Hamburg / Tökendorf
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Fischerhafen auf Bornholm, 1924. Öl auf Leinwand; Privatsammlung. © Pechstein - Hamburg / Tökendorf
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Das gelbe Haus. Waldausgang mit Hochsommerdüne, 1919. Öl auf Leinwand; Courtesy of Beck & Eggeling. © Pechstein - Hamburg / Tökendorf