13. August 2012 - 3:30 / Walter Gasperi / Zoom

Erst mit 40 drehte der 1937 geborene Brite Ridley Scott seinen ersten Spielfilm, doch dann wurde er zu einem der produktivsten Regisseure, schuf mit "Alien" (1979) und "Blade Runner" (1982) Klassiker des Science-Fiction-Films, leitete mit "Gladiator" (2000) eine Renaissance des Monumentalfilms ein, pendelte zwischen Historienfilmen und zeitgenössischen Actionfilmen.

Der Sohn eines Berufssoldaten und Bruder des Regisseurs Tony Scott lernte zunächst Grafik Design und Malerei, begann dann ein Kunststudium, wurde Szenenbildner beim BBC und gründete 1968 mit Bruder Tony, Alan Parker und Hugh Hudson die Werbefirma RSA, in deren Auftrag Scott über 2000 Werbespots drehte. Sein Clip für die Brotmarke Hovis (1973) wurde zum besten Werbespot Großbritanniens gekürt.

Den Top of the World, den er hier einen Jungen mit dem Fahrrad erklimmen lässt, erreichte er schon mit den ersten Filmen, die zum bisherigen Höhepunkt seines Werkes wurden – und er fand darin auch schon seine zentralen Themen. In seinem Debüt "The Duellists" (1977) tauchte er in der Nachfolge von Kubricks Historienfilm "Barry Lyndon" (1973-75) ins napoleonische Zeitalter ein, in dem sich zwei in Hassliebe verbundene Männer immer wieder duellieren.

Noch finsterer als diese Welt war die Region, in die das Raumschiff Nostromo in "Alien" (1979) vordrang und klaustrophobisch war das vom Schweizer H. R. Giger geschaffene Innere des Raumschiffs. Ein nackter Überlebenskampf bricht hier unter der Besatzung aus, als sie mit einer fremden Lebensform konfrontiert wird.

Ist hier der Raum eng abgesteckt, so warf Scott in "Blade Runner" (1982), einer Verfilmung von Philipp K. Dicks Roman "Do Androids Dream of Electric Sheep?", einen von Harrison Ford gespielten Privatdetektiv in ein zugemülltes Ballungszentrum ohne Sonnenlicht, das einerseits aus Versatzstücken der düsteren Welten des Film noir der 1940er Jahre gespeist ist, andererseits die Zukunft wuchernder Großstädte vorwegnimmt. Doch nicht genug mit dieser bedrückenden Schilderung erzählt Scott auch noch eine Geschichte von künstlichen Menschen und wirft die Frage nach menschlicher Identität und Authentizität auf.

Mehrfach hat der Brite in den folgenden Jahrzehnten "Blade Runner" überarbeitet und 1992 und 2007 einen Director´s Cut dazu präsentiert. Immer noch gilt dieser Film als Höhepunkt im Schaffen Scotts.

Finstere Welten entwarf er auch in seinem Thriller "Black Rain" (1989), in dem zwei amerikanische Polizisten im Großstadtmoloch Tokio japanische Yakuza-Gangster jagen, ein breites Gangster-Epos legte er 2007 mit "American Gangster" vor, in dem er das Leben des Afro-Amerikaners Frank Lucas von 1968 bis 1991 nachzeichnete.

Spezialist blieb er aber vor allem für historische Filme. Flops wie "1492 – Conquest of Paradise" (1992), der zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas entstand, oder das Kreuzfahrerepos "Kingdom of Heaven" (2005), dem Scott erst für die DVD-Veröffentlichung die intendierte ausführlichere Fassung verleihen konnte, fehlten hier nicht. Auch seine Version von "Robin Hood" (2010) erfüllte nicht die Erwartungen, doch mit "Gladiator" gelang ihm 2000 ein überragender Publikumserfolg, der zu einer Renaissance des Monumentalfilms führte.

Parallelen zu Scotts düsteren Science-Fiction-Filmen lassen sich bei diesen Historienfilmen durchaus finden. Nie sind es friedliche Zeiten, in die er eintaucht, immer sind sie von Gewalt dominiert, üben Tyrannen eine grausame Herrschaft aus und unterdrücken das Volk. Meisterhaft evoziert er in der Eröffnungssequenz von "Gladiator" das Grauen einer antiken Schlacht, versetzt den Zuschauer mitten ins Geschehen.

Vom antiken Schlachtgetümmel ging er bruchlos zu gegenwärtigen Kriegswirren über, wenn er in "Black Hawk Down" (2001) quasidokumentarisch eine gescheiterte amerikanische Militäraktion in Somalia nachzeichnete.

Aber Scott wechselt vom einen Film zum anderen nicht nur oft von Gegenwart zu Vergangenheit, sondern wechselt teilweise auch die Position. Wie ein Gegenpol zu dem feministischen Roadmovie "Thelma & Louise" (1991), in dem Susan Sarandon und Geena Davies gewalttätig mit dem Machismo abrechnen, wirkt "G.I. Jane" (1997), in dem Demi Moore einen weiblichen Marine-Soldaten spielte.

Gemeinsam ist Scotts Filmen eine aus seiner Erfahrung als Werbefilmer resultierende handwerkliche Raffinesse und ökonomische Arbeitsweise. Der Umstand, dass er in der Regel mit einem Drittel der Drehtage seiner Kollegen auskommt, macht ihn nicht nur bei Produzenten beliebt, sondern führte auch dazu, dass er in 35 Jahren 20 Spielfilme, darunter zahlreiche Großproduktionen drehen konnte.

Eröffnungsszene von "Blade Runner"



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