Kurt Bracharz

5. Juni 2006 - 16:45

Der mit 50.000 Euro dotierte Heine-Preis der Stadt Düsseldorf wird »an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten«.

Das heißt ja wohl, dass dieser Preis eher eine politische Auszeichnung als ein Literaturpreis ist, auch wenn er bisher vorwiegend – aber nicht nur - an Schriftsteller gegangen ist. Gegen einen Literaturpreis an Peter Handke hätte wahrscheinlich niemand etwas einzuwenden, jedenfalls haben sich keine Stimmen erhoben, als Handke unter anderen den Gerhart-Hauptmann-, Schiller-, Büchner- und Großen Österreichischen Staatspreis abräumte.

Aber eine Auszeichnung für die Förderung der Völkerverständigung an einen Autor, der die Lagerinsassen von Omarska als Poseure, die westlichen Kriegsberichterstatter als »Zeitungsratten« und die NATO-Piloten als »Computer-Killer aus 5000 Metern Höhe« bezeichnete und sich noch vor zwei Monaten am Grabe Milosevics als »nah an Serbien, nah an Slobodan Milosevic« positionierte? Das vielleicht doch eher nicht, meinen da wohl nicht nur »Muselmanen« (wie Handke die Bosnier nennt).

Der Preis ist Handke übrigens nicht »aberkannt« worden, weil er ihm ja noch nicht zugesprochen worden war, gekippt worden ist nur die Entscheidung einer Jury, in der die städtischen Vertreter nur je eine Stimme, die anderen aber jeweils zwei hatten. Der Düsseldorfer Stadtrat hätte zustimmen müssen, aber die Fraktionen von SPD, FDP und Grünen sprachen sich dagegen aus, auch die CDU brachte keine Mehrheit für Handke zusammen.

Dass Politiker für einmal nicht bereit waren, die Entscheidung einer Jury erwartungsgemäß abzunicken, ist ein seltenes Ereignis, das man nicht nur negativ sehen sollte. Zwei Jurymitglieder sind jetzt abgegangen, bevor sie geschickt wurden – die politischen Juroren sollen aufgewertet werden.

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)