11. Juni 2011 - 2:28 / Ausstellung / Archiv 
9. April 2011 13. Juni 2011

Die Arbeiten – ob Collagen, Zeichnungen oder Malereien – des israelisch-dänischen Künstlers Tal R (*1967, lebt in Kopenhagen) zeichnen sich durch ihre schiere Menge an Elementen und Bedeutungen aus. Die komplex aufgebauten Bilderwelten setzen sich aus unzähligen abstrakten Formen und gegenständlichen Figuren zusammen, die in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, wodurch das erwartete Chaos in Anbetracht der zahlreichen Farben und Formen ausbleibt. Der Bildaufbau folgt vielmehr einer inneren Logik und wirkt dabei doch leicht und unbekümmert.

Tal R selbst bezeichnet es als "wilden Minimalismus ohne Puritanismus". Ausgangspunkt für das gemalte Bilderuniversum sind weniger genaue Vorskizzen, sondern komplexe Sätze, die er vorab im Kopf zusammensetzt. Mit Worten beschreibt er das Geschehen auf der Leinwand und das zukünftige Bild, bevor es aufgetragen wird. Dabei darf man sich diesen Transformationsprozess nicht als eine visuelle eins-zu-eins Übersetzung vorstellen. Vielmehr versucht er, der Sprache – ihrem Aufbau, ihrer Phonetik und der Zweideutigkeit – auf bildlicher Ebene so nah wie möglich zu kommen.

Dabei "sprechen" seine Arbeiten ohne konkrete Schriftzeichen und entwickeln eine eigene Narration, die sich allerdings für die BetrachterInnen nicht völlig erschließt. Die grafischen Kompositionen vereinen kulturelle Verweise aus fremden Kulturen, überlieferten Mythen oder unserer Alltagswelt und eröffnen ein breites Interpretationsspektrum. Nicht alles lässt sich bis ins Detail erfahren, vieles wird nur angedeutet und zeigt unterschiedliche Richtungen auf. In den aktuellen Arbeiten tauchen z.B. wiederholt Motive aus dem Zirkus, dem Theater oder orientalischen Märchen auf. Orte und Situationen, die seit frühester Kindheit mit Traumwelten assoziiert werden, die viel Raum für eigene Fantasien und das Spiel mit Identitäten zulassen. Am unteren Bildrand verläuft jeweils ein farbiger Balken, der dem Geschehen im Bild eine Bühne bereitet und der formalen Flächenorganisation einen Abschluss bietet. Er bildet die ruhige Basis für das wilde Schauspiel, welches sich darüber ausbreitet.

Als Ideenmaterial dienen Tal R unterschiedliche Quellen des Alltags wie Zeitschriften, Publikationen oder Filme. Als geeignete Verarbeitung erscheint häufig die Collage. Sie ermöglicht es, die unterschiedlichsten Elemente in ihrer eigenen Materialität – Papier, Fotos, Stoffreste – zu erhalten. Die formale Auseinandersetzung erfolgt aber immer auch in Relation zur Leinwand. Tal R versteht sich bewusst als Maler, der mit den Variationen und Möglichkeiten spielt, die ihm die Malerei bietet. Für den aktuellen Werkkomplex der letzten zwei Jahre, der nun im Kunstverein präsentiert wird, verwendet er ein Gemisch aus Hasenleim und unterschiedlichen Pigmenten, die er – hin und wieder ergänzt um Wachskreide – direkt auf die Leinwand aufträgt. Das schnelle Trocknen des Leims erfordert eine konkrete Vorstellung des Endergebnisses. Einmal "Gemaltes" lässt sich im Nachhinein nicht mehr verändern. Der Farbauftrag ist dabei sehr dünn und flächig, Pinselstriche sind nicht zu erkennen. Den Arbeiten fehlt der spezielle Duktus, die Aura der Öl-Malerei auf Grund der spröden und rauen Oberfläche.

Der Kunstverein Hamburg präsentiert die ca. 20 Arbeiten in einer dafür neu errichteten Architektur im ersten Obergeschoss. Dadurch wird für die ca. 2,50 x 2,50 Meter großen Leinwände eine "Raum im Raum"-Situation geschaffen, die eine konzentrierte Gegenüberstellung zwischen BetrachterInnen und Kunstwerk ermöglicht. Der künstlich verkleinerte Präsentationsraum schafft eine besondere Enge und Konfrontation, die in dem sonst so großzügigen und offenen Ausstellungsraum in dieser Form nicht gegeben ist. Die Auseinandersetzung mit den übergroßen Formaten ist unausweichlich. Die eng nebeneinander gereihten Arbeiten entwickeln eine Sogkraft, die jeden in ihren Bann zieht und erst wieder entlässt, nachdem alle Rätsel und Irrwege erkundet sind.

Tal R - The elephant behind the clown
9. April bis 13. Juni 2011

Hamburger Kunstverein
Klosterwall 23
D - 20095 Hamburg

T: 0049 (0)40 32 21 57
F: 0049 (0)40 32 21 59
E: hamburg@kunstverein.de
W: http://www.kunstverein.de/

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  •  9. April 2011 13. Juni 2011 /
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Blind date, 2009 ? 2010. Hasenleim, Pigment und Wachskreide auf Leinwand, 250 x 250 x 4,5 cm ; Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin. Foto/ Photo: Jochen Littkemann
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We are the elephants, 2010. Hasenleim, Pigment und Wachskreide auf Leinwand, 250 x 250 x 4,5 cm ; Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin. Foto/ Photo: Jochen Littkemann
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Tanz Orchester, 2010. Hasenleim, Pigment und Wachskreide auf Leinwand 280 x 280 cm; Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin. Foto/ Photo: Jochen Littkemann