11. Januar 2011 - 2:41 / Ausstellung / Archiv 
7. Oktober 2010 16. Januar 2011

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938), Gründungsmitglied der Künstlergruppe "Brücke" in Dresden 1905, gilt als einer der einflussreichsten deutschen Künstlerpersönlichkeiten der Klassischen Moderne. Als Wegbereiter der expressionistischen Kunst erzielte er besonders im Bereich der Druckgraphik die innovativsten Formlösungen seiner Zeit.

Die Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle bietet einen repräsentativen Überblick über Kirchners wichtigste Schaffensphasen: das Frühwerk mit Atelier- und Straßenszenen aus Dresden und Berlin, die Sommeraufenthalte auf der Ostseeinsel Fehmarn sowie das in Davos entstandene Spätwerk.

Im Mittelpunkt stehen die Gemälde aus dem Sammlungsbestand, erweitert durch ausgewählte Leihgaben, die unbestritten zu den Höhepunkten im malerischen OEuvre Kirchners zählen. Erstmals sind die Bilder im Zusammenhang mit ihren vorbereitenden Skizzen, die größtenteils aus Privatsammlungen stammen, und mit der motivisch verwandten Druckgraphik sowie mit Photographien des Künstlers als einheitlicher Werkblock ausgestellt. Durch diese gattungsübergreifende Präsentationsform wird dem Besucher eine faszinierende Möglichkeit geboten: durch das vergleichende Betrachten der Originale kann Kirchners Schaffensprozess von der ersten flüchtig skizzierten Bildidee bis zum endgültigen Gemälde nachvollzogen werden.

Eine weitere Besonderheit der Ausstellung und einen weiteren Höhepunkt bilden die großformatigen Zeichnungen mit dem einheitlichen Blattmaß von 90 x 69 cm, die Kirchner zwischen 1906 bis 1910 und 1913 in seinem Atelier in Dresden und Berlin für Aktdarstellungen benutzte. Von den mindestens 33 erhaltenen Zeichnungen, die teils in farbigen Kreiden ausgeführt sind, können erstmals wieder 12 Blätter zusammengeführt werden, die Kirchners entscheidende stilistische Entwicklung als expressionistischer Künstler vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs anschaulich dokumentieren. In einer gesonderten Sektion sind Ansichten von Hamburg und vom Nachtleben auf St. Pauli ausgestellt, die Kirchner im Zusammenhang mit seinem Besuch im Oktober 1910 als Druckgraphiken anfertigte.

Der umfangreiche Katalog zur Ausstellung mit dem Themenschwerpunkt Kirchner und Hamburg enthält Aufsätze zu den Direktoren Gustav Pauli (Hamburger Kunsthalle) und Max Sauerlandt (Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg) sowie zu dem Kunstgelehrten Gustav Schiefler. Sie zählten zu den wichtigsten Förderern von Kirchners Kunst in den 1920/30er Jahren in Deutschland. Dank zahlreicher Forschungsergebnisse können unter anderem die Schwierigkeiten musealer Ankaufspolitik Moderner Kunst in der Hansestadt zur Zeit der Weimarer Republik präzise aufgezeigt werden.

Erstmals werden in diesem Zusammenhang sämtliche Werke Kirchners im Besitz der Hamburger Kunsthalle als kommentiertes Verzeichnis mit vollständiger Bebilderung sowie die Rekonstruktion des ehemaligen Bestands, der 1937 als "entartete Kunst" beschlagnahmt wurde, veröffentlicht. Der Katalog ist in den Museumsshops sowie unter http://www.freunde-der-kunsthalle.de für 29 Euro und im Buchhandel erhältlich.

Kirchner
7. Oktober 2010 bis 16. Januar 2011
Hubertus-Wald-Forum

Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall
D - 20095 Hamburg

W: http://www.hamburger-kunsthalle.de/

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  •  7. Oktober 2010 16. Januar 2011 /
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Frauen im Dresdner Atelier, 1910/11. Feder und Pinsel in Schwarz, 49,5 x 60,4 cm. © Privatsammlung; Photo: Elke Walford
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Badende Frauen zwischen weißen Steinen, 1912. Farbholzschnitt, 28,3 x 27,5 cm. © Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett / bpk; Photo: Christoph Irrgang
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Sitzende Frau mit großem Hut und Zigarette, 1909. Feder in schwarz und farbige Kreiden, 90 x 69 cm. © Sprengel Museum Hannover; Photo: Michael Herling/Aline Gwose
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Hamburger Tänzerinnen, 1910. Radierung, 40 x 30,9 cm. © Sprengel Museum Hannover; Photo: Michael Herling/Aline Gwose
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Ernst Ludwig Kirchner, um 1919. © Kirchner Museum Davos