5. November 2019 - 4:21 / Ausstellung / Sonstige 
8. November 2019 4. Oktober 2020

Was löst Kunst in uns aus? Wie sehr hängt der Blick auf Kunst von unseren persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen ab? Welche Gefühle kommen bei der Betrachtung von Werken zum Vorschein, wenn allein die Intuition den Blick leitet? Die Ausstellung "Feelings" möchte diesen unmittelbaren Dialog zwischen Kunstwerk und Betrachtenden anregen, um eine intensive emotionale Auseinandersetzung zu motivieren. Geheimnisvolle Motive und atmosphärische Bildräume prägen die ausgestellten Arbeiten. Freude, Begeisterung, Ärger, Abscheu, Traurigkeit sowie unzählige weitere emotionale Reaktionen können sich bei der Betrachtung einstellen. Die Auswahl der Exponate ist subjektiv, auf den kunsthistorischen Kontext oder erklärende Wandinformationen wird bewusst verzichtet.

Wann zieht uns ein Bild an, wann stößt es uns ab? Die Erforschung der Emotionen ist ein noch junger Zweig in der Psychologie, der Soziologie, den Geschichts- und den Neurowissenschaften. Spätestens seit der Aufklärung stand der Mensch vor allem als Vernunftwesen im Vordergrund, die Welt- und Bildbetrachtung wurde vornehmlich intellektuell dominiert. Heute allerdings lässt sich belegen, dass uns emotionale Kräfte viel stärker beeinflussen, als wir es bisher wahrhaben wollten. Nicht zufällig setzen Politik und Werbung schon lange und durchaus manipulativ darauf, mit Bildern Gefühle hervorzurufen und diese eigennützig einzusetzen. Kunst hingegen entsteht in freien Zusammenhängen, schafft eine rein persönliche Verbindung zum Publikum und existiert ohne erkennbaren Zweck.

Die Betrachtung von Kunstwerken birgt die Möglichkeit, die eigene Gefühlswelt besser kennenzulernen. Denn nicht selten wecken Bilder Assoziationen mit Erfahrungen, die förmlich „unter die Haut gehen“ und bisweilen über lange Zeit hinweg gespeichert wurden. Kunst berührt unser persönliches emotionales Archiv. Ob Werke als angenehm oder als unangenehm empfunden werden, ob sie irritieren oder beglücken, hängt wesentlich von den gespeicherten Erfahrungen ab. Bei der Betrachtung von Kunst wird dem Gefühl meist weniger Bedeutung beigemessen als dem Verstand. Denn es scheint der Komplexität und intellektuellen Tiefe von Kunst zu widersprechen. Diese Dominanz des Rationalen schreckt viele ab, sich insbesondere mit zeitgenössischer Kunst zu beschäftigen.

"Feelings. Kunst und Emotion" möchte diese Schwellenängste unterlaufen. Denn die Intuition stellt einen wesentlichen Zugang zur Kunst dar. Und schließlich basiert auch die Entstehung eines Werkes auf persönlichem Erleben. "Feelings" möchte diese Perspektive auf die Kunst in den Mittelpunkt stellen.

Die Ausstellung zeigt Beiträge folgender Künstler und Künstlerinnen: Hans Aichinger, Monika Baer, Heike Kathi Barath, Vlassis Caniaris, Gregory Crewdson, Alex Da Corte, Nathalie Djurberg und Hans Berg, Drei Hamburger Frauen, Marlene Dumas, Elmgreen & Dragset, Tracey Emin, Gotthard Graubner, Jenny Holzer, Thilo Jenssen, Tadeusz Kantor, Ruprecht von Kaufmann, Mike Kelley und Paul McCarthy, Jochen Klein, Rosa Loy, Rosilene Luduvico, Stephan Melzl, Olaf Metzel, Miwa Ogasawara, Catherine Opie, Laura Owens, Richard Prince, Bernhard Prinz, Alexandra Ranner, Wilhelm Sasnal, Markus Schinwald, Norbert Schwontkowski, Cindy Sherman, Sam Taylor Johnson, Jessica Vaughn, Gillian Wearing, Amelie von Wulffen und Artur Zmijewski. Die gezeigten Werke entstammen dem Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, der Sammlung Goetz sowie weiteren privaten Sammlungen.

Feelings. Kunst und Emotion
8. November 2019 bis 4. Oktober 2020
Eröffnung: 7. November 2019, 19 Uhr

Pinakothek der Moderne
Kunstareal, Barer Str. 40
D - 80799 München

T: 0049 (0)89 23805-360
F: 0049 (0)89 23805-125
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  •  8. November 2019 4. Oktober 2020 /
Marlene Dumas: Cupid, 1994. Öl auf Leinwand, 180 x 140 cm; 2008 erworben als Leihgabe der Michael und Eleonore Stoffel Stiftung, Köln. Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Haydar Koyupinar; © Marlene Dumas
Marlene Dumas: Cupid, 1994. Öl auf Leinwand, 180 x 140 cm; 2008 erworben als Leihgabe der Michael und Eleonore Stoffel Stiftung, Köln. Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Haydar Koyupinar; © Marlene Dumas
Tadeusz Kantor: Die tote Klasse, 1975. Rauminstallation, Holzboden, -bänke, -tische, Puppen, Kleidung, 150 x 150 x 300 cm; 2007 erworben von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V. Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sibylle Forster; © Tadeusz Kantor
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Sam Taylor Johnson: Soliloqui IV, 1998. Farblithographie, C-Print, 222 x 257 cm (Blattmaß); 1999 erworben von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V. Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen; © Sam Taylor Johnson
Sam Taylor Johnson: Soliloqui IV, 1998. Farblithographie, C-Print, 222 x 257 cm (Blattmaß); 1999 erworben von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V. Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen; © Sam Taylor Johnson