15. November 2019 - 4:13 / Ausstellung 
22. November 2019 15. März 2020

Die Demokratische Republik Kongo ist heute weltweit berühmt für ihre vibrierende Kunstszene. Nirgendwo sonst in Afrika ist das künstlerische Schaffen so vielfältig, kreativ und am Puls der Zeit. Doch auch in der Vergangenheit entstanden eindrucksvolle Masken, Figuren und Designstücke, die zu den Ikonen der Kunst Afrikas gehören. Erstmals werden historische Werke und Fotografien in einer Ausstellung zur Kunst aus dem Kongo Werken zeitgenössischer Kunst gegenübergestellt. Dabei will «Fiktion Kongo» einen einseitigen westlichen Blick auf die Kunst des Kongos vermeiden und stellt daher renommierte kongolesische Künstlerinnen und Künstler der Gegenwart ins Zentrum, wie Sammy Baloji, Michèle Magema, Monsengo Shula und Sinzo Aanza. Die Ausstellung zeigt, wie Kunstschaffende – früher wie heute – sich kritisch mit den Auswirkungen von Kolonialzeit, Missionierung und Welthandel auseinandersetzen.

Seit dem Entdeckerzeitalter über die koloniale Eroberung bis heute dient Kongo als Projektionsfläche sowohl westlicher als auch afrikanischer Ideen und Fiktionen. Die kongolesische Geschichte und Kunst zeichnen sich bereits früh durch die enge Verflechtung und den kreativen Austausch von Ideen, Formen und Objekten in einer globalisierten Welt aus. Zugleich manifestieren sich in der Kunst auch die Folgen von Kolonialismus, Missionierung und Ausbeutung von Rohstoffen. Diese transkulturellen und postkolonialen Themen sind nicht nur für die Vergangenheit von Bedeutung, sondern heute mehr denn je brisant. In der Ausstellung wird deshalb die historische Perspektive mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen aus dem Kongo und der Diaspora in Bezug gesetzt.

Ausgangspunkt der Ausstellung sind Objekte und Fotografien, die der Kunstethnologe Hans Himmelheber (1908-2003) von seiner Reise 1938/9 aus dem Kongo mitbrachte, und die nun – teils zum ersten Mal – öffentlich präsentiert werden. Die farbigen Masken, wirkmächtigen Statuen und kunstvoll gestalteten Dinge des täglichen Gebrauchs zeugen von der Ästhetik und Bedeutung des künstlerischen Schaffens der damaligen Zeit. Sein fotografischer Nachlass ist eine einmalige Momentaufnahme der ästhetischen und kulturellen Praxis im Kongo der 1930er Jahre und dokumentiert die gesellschaftlichen Umbrüche während der Hochphase der belgischen Kolonialherrschaft. Das schriftliche und visuelle Archiv von Hans Himmelheber, das seit kurzem am Museum Rietberg angesiedelt ist, spiegelt aber auch seine eigenen, vom damaligen Zeitgeist geprägten Vorstellungen über den Kongo wider.

«Fiktion Kongo» ist nicht nur ein Versuch, historische Objekte und Fotografien in die Kunstgeschichte einer der wichtigsten Kunstzentren Afrikas und dessen frühe Verflechtung mit der Welt einzubetten. Den alten Werken sind darüber hinaus zeitgenössische Positionen von international agierenden Künstlerinnen und Künstler gegenübergestellt, die sich mit der eigenen Vergangenheit und kolonialen Geschichte auseinandersetzen. In einem Artist-in-Residence-Programm beschäftigen sich der international renommierte Künstler und Mitbegründer der Kunstbiennale in Lubumbashi Sammy Baloji sowie der junge Schriftsteller Sinzo Aanza intensiv mit dem Archiv von Hans Himmelheber und kreieren darauf aufbauend ihre eigene Fiktionen des Kongo. Auch die in Paris lebenden Künstlerin Michèle Magema sowie Fiona Bobo, die in Zürich geboren und aufgewachsen ist, realisieren Auftragsarbeiten für die Ausstellung, ebenso wie der Künstler David Shongo, dessen Intervention sowohl in Zürich als auch in der fast zeitgleich stattfinden Biennale in Lubumbashi gezeigt wird.

Mit weiteren Werken von Angali, Steve Bandoma, Hilary Kuyangiko Balu, Aimé Mpane, Cherie Samba,Yves Sambu, Monsengo Shula, Pathy Tshindele präsentiert die Ausstellung insgesamt dreizehn zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler, die sich formal oder inhaltlich auf traditionelle Kunst und ihr eigenes kulturelles Erbe beziehen.

Zur Ausstellung erscheint bei Scheidegger & Spiess ein Katalog in Deutsch und Englisch, herausgegeben von Nanina Guyer und Michaela Oberhofer. Neben führenden Kongo-Experten wie Christraud M. Geary, Constantine Petridis und Z.S. Strother kommen auch Stimmen von Künstlern und Kulturschaffenden wie Sinzo Aanza, Sammy Baloji, Sandrine Colard-de Bock oder Fiston Mwanza Mujila zu Wort. Realisiert von Hi – Visuelle Gestaltung verknüpft der Katalog alt und neue Kunst, historische und moderne Fotografie sowie wissenschaftliche und poetische Texte.

Fiktion Kongo – Kunstwelten zwischen Geschichte und Gegenwart
22. November 2019 bis 15. März 2020

Museum Rietberg
Gablerstrasse 15
CH - 8002 Zürich

T: 0041 (0)44 415 31 31
F: 0041 (0)44 415 31 32
E: museum.rietberg@zuerich.ch
W: http://www.rietberg.ch/

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  •  22. November 2019 15. März 2020 /
Maske und Auto. Hans Himmelheber, Kongo, 1938. SW-Negativ; © Museum Rietberg, Geschenk Erbengemeinschaft Hans Himmelheber
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Maske mit Hörnern. Künstler der Pende-Region, Kongo, vor 1939. Holz, bemalt, Pflanzenfasern, 67 x 29 x 36 cm; © Museum Rietberg Zürich, Geschenk Barbara und Eberhard Fischer
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Ata Ndele Mokili (Tôt ou tard le monde changera). Monsengo Shula, 2014, Acryl und Pailletten auf Leinwand, 130 x 200 cm. Sammlung Henri und Farida Seydoux
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Ohne Titel [Mann mit Pfeife]. Yves Sambu, aus der Serie «Vanité apparente», 2012, Fotografie, 80 × 120 mm. Yves Sambu
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Chief mit Federkappe und Schwert. Hans Himmelheber, Yaka-Region, 1938, SW-Negativ. Museum Rietberg Zürich
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La demoiselle Pende 2 (Detail). Aimé Mpane, 2013, Acryl und Mixed media auf Holz, 32 x 30 x 8, © der Künstler und Nomad Gallery
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