1. Oktober 2019 - 5:27 / Bühne / Tanz 

„Feminism, of course, has always been an exercise in science-fiction.“ — Laurie Penny Seit 2011 bereichert Florentina Holzinger die internationale Performanceszene mit schwindelerregender Akrobatik, muskulösen Frauenkörpern und Martial-ArtsKampfszenen – popkulturelle Referenzen und ein Faible für Trash kommen dabei nicht zu kurz.

Mit Tanz schließt Florentina Holzinger eine Trilogie – Recovery und Apollon waren die ersten beiden Teile – über den Körper als Spektakel und dessen Disziplinierung ab. Den Rahmen von Tanz bildet eine Ballettklasse unter der Leitung von Beatrice Cordua, der ersten Ballerina, die Le Sacre du printemps nackt tanzte (in John Neumeiers Bearbeitung Le Sacre, 1972).

Die Performerinnen durchlaufen eine strenge Ausbildung in „Aktionsballett“, die sogenannten „Sylphic Studies“. In gemeinsamen Ritualen lernen sie, Körper und Geist zu beherrschen, und eignen sich übernatürliche Kräfte wie das Fliegen an. Eine Suche nach Perfektion in einer vergänglichen Welt, bei der das Derbe in das Erhabene verwandelt wird. In einem opernhaften Setting entstehen brutale Parodien auf sensationslüsterne Bilder, wie man sie aus dem Ballett, aus Komödien und aus der Pornografie kennt. Das Blickregime findet Reflexion in der Figur eines Pornoproduzenten, der die Aufführung dokumentiert. Mit einem Cast bestehend aus Frauen im Alter von zwanzig bis achtzig Jahren, die alle einen unterschiedlichen Background im Tanz haben, wirft Tanz die Frage nach dem Erbe des Tanzes auf. Wie versöhnt man sich mit dem Schönheitskult dieser Tradition?

Florentina Holzinger hat Choreografie an der School for New Dance Development (Sndo) in Amsterdam studiert. Kein Applaus für Scheiße (2011), die erste gemeinsame Arbeit von Florentina Holzinger und Vincent Riebeek, brachte den beiden auf Anhieb den Ruf als „provokanteste Nachwuchschoreograf_innen“ ein. Neben weiteren Kooperationen mit Riebeek (Spirit, Wellness und Schönheitsabend) zeigte Holzinger 2015 auch das Solo Recovery, in dem sie das Trauma eines schweren Unfalls, den sie bei einer Performance erlitten hatte, verarbeitete. Darauf folgte die Arbeit Apollon, für die Holzinger George Balanchines neoklassisches Ballett Apollon musagète in eine Zirkus-Freakshow verwandelte, in der Musen bizarre Tricks aufführen, anstatt um den Gott zu tänzeln.

Florentina Holzinger
Tanz – eine sylphidische Träumerei in Stunts
Do, 03. – Sa, 05. + Fr, 11. / Sa, 12. Oktober, 19.30 Uhr / TQW Halle G
Artist Talk mit Florentina Holzinger im
am Fr, 11. Oktober. Moderation: Karin Cerny (profil)

Tanzquartier Wien
Museumsplatz 1
A - 1070 Wien

W: https://tqw.at/

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  •  3. Oktober 2019 12. Oktober 2019 /
© Josefin Arnell
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