24. September 2017 - 3:51 / Aktuell 

Die gebaute Umwelt der Stadt war noch nie ausschließlich ein Biotop für Menschen. Schon immer haben wir die sogenannten Kulturfolger unfreiwillig im Schlepptau. Relativ neu ist, dass sich inzwischen jagdbares Wild in der Stadt einfindet. Hier weitgehend sicher vor Jägers Flinte durchwühlen Wildschweine Vorgärten, untergraben Füchse den Sandkasten und besetzen Rehe den Straßenraum. Berlin ist inzwischen zur Hauptstadt der frei lebenden Wildtiere geworden, und auch in Ulm sind sie immer wieder im Stadtgebiet anzutreffen.

Solche auf den ersten Blick paradiesischen Zustände zeigt die Ausstellung mit Bildern aus Europa und Asien. Der Fotograf Florian Möllers etwa hat festgehalten, wie ganze Wildschweinrotten in Berlin die Straße überqueren oder wie ein Fuchs geduldig an einer Bushaltestelle wartet. Der studierte Biologe und Verhaltensökologe interessiert sich besonders für das zuweilen komplizierte Zusammenleben von Mensch und Tier. Seine Arbeiten wurden in Zeitschriften wie National Geographic, GEO, Huffington Post oder FAZ veröffentlicht. Mehrfach wurde Möllers bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet.

Der Brite Sam Hobson fotografierte Graureiher, die im Amsterdamer Stadtbild überall zu finden sind: an den Grachten, an Bushaltestellen, auf öffentlichen Plätzen und an Mülleimern, über die sie sich auf der durchaus lohnenden Suche nach Essbarem hermachen. Hobson hat die eleganten Vögel an einem ihrer beliebtesten Treffpunkte fotografiert: auf dem Amsterdamer Fischmarkt. Einen ganzen Nachmittag lang, bis in die Nacht hinein, hat er das Ritual der Reiher, das sich dort an jedem Markttag abspielt, beobachtet. 2016 gewann Hobson den "Wildlife Photograhper of the Year"-Wettbewerb in der Kategorie "Urban" mit dem Bild eines Fuchses in Bristol, seiner Heimatstadt.

Die Stadt Nara im Süden der japanischen Hauptinsel Honshū zählt neben 400.000 menschlichen auch 1200 tierische Einwohner, die "heiligen Hirsche", die ohne Scheu in der Stadt herumstolzieren. Yoko Ishii hat sie mit ihrer Kamera vor den Auslagen des Gemüsehändlers, unter Betonbrücken oder auf ihren Wegen durch die Stadt festgehalten. Welch ein berührender Anblick, wenn die Tiere über den Asphalt schlendern oder ihre Köpfe ins Schaufenster stecken. In Japan wird der Sika-Hirsch als Bote der Shinto-Götter angesehen und steht als Nationalheiligtum unter Schutz. Diese Wertschätzung steht allerdings im krassen Gegensatz zu Problemen, die ihre Überpopulation verursacht. Und so werden in Japan trotz des Schutzes rund 360.000 Hirsche und Rehe jährlich erlegt.

Die "Tokyo Parrots" des Japaners Yoshinori Mizutani sind Schwärme von Halsbandsittichen, Nachfahren freigelassener Haustiere, wie sie inzwischen auch den Luftraum deutscher Städte entlang des Rheines erobert haben. Dass sich der künstlerische arbeitende Fotograf bei dem Anblick an Hitchcocks "Vögel" erinnert fühlte, glaubt man bei seinen Bildern sofort.


Wilde Tiere in der Stadt
Fotografien aus Europa und Asien
30. September bis 10. Dezember 2017
Eröffnung: Fr 29. September 17, 19 Uhr

Stadthaus Ulm
Münsterplatz 50
D - 89073 Ulm

T: 0049 (0)731 161770-0
F: 0049 (0)731 161770-1
W: http://www.stadthaus.ulm.de

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