26. Mai 2020 - 17:28 / Aktuell 

(KO/Kapi): Via Presseaussendung des Redakteursrates des ORF in Wien, die von Dieter Bornemann, Margit Schuschou und Peter Daser gezeichnet war, wurde vor ein paar Tagen publik, dass ein langjähriger ORF-Kulturredakteur, "der sich in seiner Funktion als gewählter Redakteurssprecher für den Erhalt der Kultursendung auf Radio Vorarlberg stark gemacht hat", vom Generaldirektor fristlos entlassen wurde. Der Presseaussendung war zu entnehmen, dass der Kulturredakteur am 25. März seine Kultursendung vom üblichen Sendeplatz aus für Radio Vorarlberg live moderiert habe. Laut Aussage des Redakteursrates sei weder ihm noch anderen Personen aus der Kulturredaktion kommuniziert worden, wie die Sendung abgewickelt werden solle, ohne dafür das Studio zu betreten. Dennoch wurde der Vorarlberger Kulturredakteur fristlos entlassen, angeblich wegen Betretens der "Isolationszone" im Landesstudio Vorarlberg. Der Fall liegt nun beim Arbeitsgericht.

Der Versuch, die Entlassung des nicht mehr erwünschten, weil unbequemen Redakteurs unter den Teppich zu kehren, ist aufgrund der Aussendung des Redakteursrat so ziemlich in die Hosen gegangen. Die meisten grossen Medien wie etwa Profil oder Falter haben die Geschichte aufgegriffen und lassen den ORF in einem schandbar schlechten Licht dastehen. In Vorarlberg ist unter den Kulturschaffenden scharfe Kritik an Markus Klement, der in der Vergangenheit schon öfters als inkompetent in Führungsfragen bezeichnet wurde, entbrannt. Auf der Website der IG Kultur sind eine Reihe von Statements heimischer Kulturschaffender veröffentlicht, die mit dem Vorgehen des ORF hart ins Gericht gehen (https://www.igkultur.at/artikel/der-gipfel-des-zynismus). Nachfolgend ein paar Beispiele dazu:

"Die Corona-Pandemie gibt zu Recht Anlass zu Vorsicht und gegenseitiger Aufmerksamkeit. Diese für alle Beteiligten schwierige Situation auszunutzen, um einen verdienten Redakteur des ORF Vorarlberg wegen einer angeblichen Übertretung von Corona-Sicherheitsregeln zu entlassen, ist allerdings der Gipfel des Zynismus. Dass es sich dabei um einen Redakteurssprecher handelt, zeigt, dass es sich dabei offenbar auch eine unverhüllte Drohung gegenüber den Mitarbeitern des Senders handelt. Immer wieder wurden Versprechungen gemacht, die Kultur beim Sender in Dornbirn nicht weiter auszudünnen. Diese Entscheidung weckt nun wieder schlimmste Befürchtungen." (Hanno Loewy, Direktor Jüdisches Museum Hohenems)

"Vor allem in der Zeit der Krise arbeiten QualitätsjournalistInnen des ORF Tag und Nacht auf Hochtouren, damit relevante Informationen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens verständlich formuliert an das Publikum vermittelt werden. Damit leisten sie einen wesentlichen Anteil zur Meinungsbildung und zum Erhalt demokratischer Grundrechte. Was sich die ORF-Landesdirektion mit der fristlosen Entlassung nun geleistet hat, ist absurderweise ein Schlag ins eigene öffentlich-rechtliche Gesicht und damit in das der Bevölkerung. Es wäre unfassbar, zöge das keine Konsequenzen nach sich."
(Mirjam Steinbock, Geschäftsführerin IG Kultur Vorarlberg)

"Die Arbeit der Kulturredaktion des ORF-Landesstudios ist gesellschaftspolitisch gesehen von großer Bedeutung. Seit 2017 beobachten wir in der Kulturszene jedoch mit Schrecken, dass die Abteilung des ORF Vorarlberg sukzessive ausgedünnt wird und etablierte Kulturformate von der Landesdirektion willkürlich verlegt oder gar abgesetzt werden. Die Führungsebene bekämpft damit den Erhalt von kritischem Kulturjournalismus. Sie zerstört nicht nur ihren eigenen Auftrag, sondern auch unsere Gesellschaft und unsere Demokratie!" (Margarete Broger, Obfrau IG Kultur Vorarlberg und Frauenmuseum Hittisau)

Und hier noch ein bezeichnendes Statement der "IG Autorinnen Autoren" zu dieser Causa:
"Es ist ungeheuerlich und nichts anderes als die weitergehende Demontage der Kulturabteilung des ORF Voralberg, dass ein langjähriger Kulturredakteur wegen angeblicher Verletzung der Corona-Sicherheitsbestimmungen gekündigt wurde. ORF-Landesdirektor Klement ist ganz offensichtlich von der Situation überfordert und sucht für seine Überforderung ein Ventil. Das hat er für sich idealerweise in einem Kulturredakteur gefunden, der sich für seinen Tätigkeitsbereich einsetzt. Oder, noch schlimmer, er benutzt die Situation der Coronakrise für seine Zwecke. Wir ersparen uns jedes weitere Detail und fordern zweierlei:
1. Die sofortige Zurücknahme der Kündigung des Redakteurs
2. Den umgehenden Rückzug des ORF-Landesdirektors wegen nachweislicher Unfähigkeit, sein Amt unvoreingenommen und im Interesse des ORF auszuüben.

Der Landes-ORF-Direktor hat ein nächstes Mal bewiesen, dass er nicht imstande ist, die Geschäfte seines Landesstudios im Dienste seines Publikums und des Programms zu führen. Er hat, gerade in Zeiten, wo Kunst und Kultur im größten Maßstab ersatzlos abgesagt werden, wie z.B. in Vorarlberg die Bregenzer Festspiele, eine Maßnahme und ein Zeichen gesetzt, das vor Verachtung jedes Engagements für Kunst und Kultur nur so strotzt. Klement soll gehen."
Gerhard Ruiss, IG Autorinnen Autoren