3. September 2011 - 1:15 / Archiv 

"Für den Vernunftmenschen waren Nationalitätenkriege genau so ein Betrug wie Religionskriege, und nichts war es wert, dass man dafür kämpft, [...]. Das Leben war so bewusst persönlich, dass kein Umstand einem Menschen die Berechtigung geben konnte, gewaltsam Hand an einen anderen zu legen." Auszug aus den Sieben Säulen der Weisheit von T.E. Lawrence, 1926.

Das Zitat des Briten Thomas Edward Lawrence, besser bekannt als "Lawrence von Arabien" spiegelt dessen Interessenkonflikte, die aus den politischen Verstrickungen seiner Beteiligung am Ersten Weltkrieg im Nahen Osten entstanden, wider. Wer war dieser T. E. Lawrence, den es bereits als junger Mann in den Nahen Osten zog? Ein Archäologe, ein Militärstratege oder ein Spion im Namen seiner Majestät? Welche Rolle spielte er wirklich in der arabischen Revolution? Und wie kommt es, dass wir bis heute eine bestimmte Vorstellung mit "Lawrence von Arabien" verbinden?

Das Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt zeigt vom 30. April bis zum 11. September 2011 die Sonderausstellung "Lawrence von Arabien – Genese eines Mythos". Die von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Ausstellung geht den aufgeworfenen Fragen auf den Grund und wirft einen kritischen Blick auf T. E. Lawrence als Person der Zeitgeschichte. Gleichzeitig thematisiert sie den Helden eines modernen Mythos sowie den Mechanismus der Mythenbildung.

Die multimedial angelegte Ausstellung visualisiert Leben und Wirken des Lawrence von Arabien als Archäologe, militärischer Berater, Autor und Konstrukteur. Dabei stehen seine Begegnungen mit dem Orient, seine widersprüchliche Rolle in der arabischen Revolution und der Entstehungsprozess seines Mythos im Vordergrund. Populärmedien wie David Lean’s Kinofilm "Lawrence von Arabien" und internationale Comics prägen unser Bild von T.E. Lawrence.

Die Ausstellung nimmt die Besucher mit auf eine Reise in die Welt des Orients zu Beginn des 20. Jahrhundert und nähert sich den Wurzeln der politischen Auseinandersetzungen, die noch heute die Verhältnisse im Nahen Osten prägen. Gezeigt wird eine Vielfalt von Fotografien, Aquarellen und Laterna-Magica-Bildern, welche die stereotype Darstellung des Orients durch den Westen veranschaulicht. Komplettiert wird die Schau durch Fotografien des Kölner Fotografen Boris Becker, die im Rahmen einer Reise zu den Wirkungsstätten des Lawrence von Arabien 2010 in Syrien und Jordanien entstanden. Desert Images spannt einen Bogen zwischen Akaba am Roten Meer und Damaskus in Syrien.

Das Leben der historischen Person T. E. Lawrence wird in der Ausstellung biographisch an verschiedenen Stationen dargestellt und mit dem politische Zeitgeschehen verbunden:

Die ersten beiden Stationen widmen sich T.E. Lawrence’s Interesse an der Archäologie. Bereits als Schüler unternimmt er Fahrradtouren durch Frankreich und besichtigt dort vor allem Burgen. 1909 unternimmt T.E. Lawrence seine erste Reise in den Orient. In seiner in der Ausstellung gezeigten Examensarbeit im Original analysiert er die mittelalterliche Architektur von Kreuzfahrerburgen. Von 1911 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs arbeitet T.E. Lawrence auf Grabungen im Vorderen Orient: zuerst in Karkemisch (in der heutigen Türkei nahe der syrischen Grenze), dann auf der Sinai-Halbinsel. Hier lernt er auch den Kölner Archäologen Max von Oppenheim kennen.

Im Mittelpunkt der folgenden Stationen stehen die politischen Ereignisse und die zentralen Akteure des Ersten Weltkrieges im Nahen Osten. Hier kämpfen Engländer und Franzosen mit Arabern gegen Osmanen und ihre deutschen Alliierten. Die britischen Alliierten stellen den Arabern beim gemeinsamen Kampf gegen die Osmanen einen eigenen, selbstbestimmten Staat in Aussicht. T. E. Lawrence tritt für die Sache der Araber ein. Die Präsentation von Militaria, einer Vielzahl von Gemälden und fotografischen Reproduktionen geben Aufschluss über diesen tragischen Teil der Zeitgeschichte.

Seine Rolle als politischer Berater wird in der nächsten Station gezeigt. An der Seite von Winston Churchill nimmt er 1921 an der Konferenz von Kairo teil. Dort wurden die Grenzlinien gezogen, die bis heute weitgehend bestehen.

Abschließend präsentiert die Ausstellung die Schwierigkeiten des T.E. Lawrence nach seiner Rückkehr nach England in ein "normales" Leben zurückzufinden. Seine Kriegserfahrungen im Nahen Osten verarbeitet er in dem literarischen Werk "Die Sieben Säulen der Weisheit". Dabei handelt es sich um eine Mischung von literarischen Genres, mittels deren Hilfe, er subjektiv seine Beteiligung an der arabischen Revolte im Ersten Weltkrieg darstellt. In einer nachgestellten Wohnsituation des Eden Cottages erhält der Besucher einen Einblick in das Leben und Arbeiten des 1935 nach einem Motorradunfall verstorbenen T.E. Lawrence.

Lawrence von Arabien. Genese eines Mythos
30. April bis 11. September 2011

Rautenstrauch-Joest-Museum

Kulturen der Welt
Cäcilienstrasse 29-33
D 50667 Köln
T 0049 (0)221 221-31356
F 0049 (0)221 221-31333

Öffnungszeiten:
Di bis So 10 – 18 Uhr
Donnerstag 10 – 20 Uhr
Montag geschlossen



  •  30. April 2011 11. September 2011 /
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T.E. Lawrence und Leonard Woolley mit einem Relief in Karkemisch, März 1913. Foto: Heinrich Franke; © King?s College. Trustees of the Liddell Hart Center for Military Archives, London, Inv. Nr. LH9/13/71/489
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Ankunft von T.E. Lawrence in Damaskus (1. Oktober 1918). © Imperial War Museum, London
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T.E. Lawrence auf dem Balkon des Victoria Hotels in Damaskus (3. Oktober 1918). Foto: Chase Harry; © Imperial War Museum, London, Q 73534
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Die Delegation des Hedschas auf der Pariser Friedenskonferenz 1919, vorne zu sehen Prinz Faisal, dahinter links T.E. Lawrence. Fotograf unbekannt; © Imperial War Museum, London, Q 55581
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Original-Filmposter 'Lawrence von Arabien' von David Lean 1962, Deutschland. © Landesmuseum Natur und Mensch, Oldenburg.