29. Dezember 2019 - 4:38 / Ausstellung / Sonstige 
7. Dezember 2019 16. Februar 2020

Die Ausstellung „Get well soon“ (zu Deutsch etwa „Gute Besserung“) beschäftigt sich aus künstlerischen Perspektiven mit aktuellen Vorstellungen zur Genesung und Gesundheit. Dabei untersucht sie unter anderem den Prozess der Wiederherstellung des Gleichklangs von Körper und Geist sowie von Natur und Technik.

Die Ausstellung transportiert ein mehrdeutiges Stimmungsbild zwischen Wohlfühl-Ort und Trauma-Ereignis. Es treffen Werke aufeinander, die sich mit der Gesundung des menschlichen Körpers befassen, und solche, in denen ein Bogen zur Heilung des Ökosystems oder der Gesellschaft insgesamt geschlagen wird. Zentrales Motiv der Ausstellung ist das Wasser: Symbol sowohl für einen Reichtum an Ressourcen als auch für spirituelle Reinigung.

Die Arbeit des Künstlerduos AIDS-3D besteht aus Zimmerbrunnen, in deren Hohlräumen Mini-Computer agieren. Über eine App verbinden sie sich mit dem „World Community Grid“ – einem vom Computerkonzern IBM unterstützten Projekt, das nicht benötigte Rechenleistung eines Computers für gemeinnützige, medizinische Forschung zur Verfügung stellt. Die Arbeit thematisiert damit auch, welche Bedeutung ein Kunstwerk als Dekorationsobjekt und / oder soziales Tool haben kann.

Während diese Arbeit den Beitrag der Technik und des Digitalen zu Gesundheit und sozialem Leben thematisiert, propagieren sog. Digital-Detox-Programme eine Entgiftung vom alltäglichen Umgang mit digitalen Medien. Linda Weiß’ Installation „Einladung zum Stören“ beschäftigt sich mit solchen Regenerationskonzepten durch Aufenthalte in der Natur, insbesondere im Wald. Ihre hybride Landschaft spielt, auch metaphorisch, mit der Situation, in der „der Akku leer ist“.

Auch Daniel Kiss geht einem Spannungsverhältnis zwischen Selbstentfaltung und sozialer Anpassung über eine Optimierung geistiger wie körperlicher Fitness nach, indem er sich mit Orten beschäftigt, die Heilung unterstützen sollen. Kiss’ Arbeiten pendeln zwischen Faszination und Unbehagen in Bezug auf eine ästhetische Gestaltung, die „gut tun“ soll, gleichzeitig jedoch ganz bestimmte Vorstellungen von einem Leben in harmonischer „Work-Life-Balance“ transportiert und indirekt kommerziellen Interessen dient.

Ein etwas anderer Fokus auf regenerative Umgebungen findet sich bei Benjamin Zuber. Ausgehend von eigenen Erfahrungen nach einem Unfall, geht der Künstler der Ästhetisierung von Prozessen der Genesung nach, die unausweichlich mit ihrer Kehrseite der Krankheit verbunden sind. Medizinische Hilfsmittel und digitale Kameratechnik verbinden sich dabei zu fragilen Skulpturen und werfen Fragen nach der sinnlichen Erfahrung in Klinikumgebungen auf.

Stanya Kahns tragikomische Videos changieren zwischen Fiktion und Dokumentation, Inszenierung und Improvisation. Ihre Arbeit „Happy Song for You“ (mit Llyn Foulkes) erscheint als surreales sprach- und bildgewaltiges Musikvideo, das zerbrechlich und unheimlich zugleich anmutet.

Get well soon
von #Kunst, #Selbstoptimierung und #Gesundheit
7. Dezember 2019 bis 16. Februar 2020

Kunsthaus Nürnberg
Königstraße 9
D - 90402 Nürnberg

T: 0049 (0)911 231-14678
F: 0049 (0)911 231-14679
E: kunsthaus@stadt.nuernberg.de
W: http://www.kunstkulturquartier.de/kunsthaus

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  •  7. Dezember 2019 16. Februar 2020 /
Linda Weiß, Einladung zum Stören, Part 01, 2019. Detail; Courtesy: the artist
Linda Weiß, Einladung zum Stören, Part 01, 2019. Detail; Courtesy: the artist
AIDS-3D, Ideal Work (Creative Solutions) Flexible 003, 2010-2011; Courtesy: the artists and Geddert Hronjec Collection, Berlin
AIDS-3D, Ideal Work (Creative Solutions) Flexible 003, 2010-2011; Courtesy: the artists and Geddert Hronjec Collection, Berlin
AIDS-3D, World Community Grid Water Features, Detail, 2010; Courtesy: the artists and Geddert Hronjec Collection Berlin
AIDS-3D, World Community Grid Water Features, Detail, 2010; Courtesy: the artists and Geddert Hronjec Collection Berlin
Kai Altmann, All Terrain, 215; Courtesy: the artist
Kai Altmann, All Terrain, 215; Courtesy: the artist