Kurt Bracharz

25. September 2006 - 16:17

Auf jedem Dollarschein steht »In God We Trust«. Eine Gallup-Umfrage zeigt, dass beinahe alle US-Amerikaner erklären, an Gott zu glauben. Das wäre, wenn man entsprechend verschwommene Gottesvorstellungen zulässt, in Europa auch nicht viel anders: Deklarierte Atheisten gibt es hier wie dort wenige. Aber in den USA hat organisierte Religion zweifellos einen größeren Einfluss auf die Politik als in Europa.

Die vom Baylor University’s Institute for Studies of Religion in Waco, Texas, in Auftrag gegebene Umfrage machte vier Epiphanien Gottes sichtbar, denen ich hier der Genauigkeit halber die englischen Namen lasse: An »Authoritarian God«, den zornigen Gott, der jeden Sünder ständig beobachtet und sein Missfallen schon auch einmal durch einen gezielten Blitz ausdrückt, glauben 31 Prozent der Befragten, an den milden »Benevolent God«, dessen Metier die Vergebung ist, 23 Prozent; an den offenbar nach dem Bild des Couch Potato geschaffenen »Critical God«, der zwar auch alles sieht und weiß, aber in dieser Welt niemals eingreift, 16 Prozent, und an »Distant God«, eine kosmische Kraft, der das Schicksal der Menschheit komplett am Arsch vorbeigeht, 24 Prozent (am meisten übrigens in Texas mit seinem klaren Sternenhimmel).

Ob Distant God damit überhaupt die Bedingungen zum Gott-Sein erfüllt, sei dahingestellt. Selbst seine Erscheinung als »Intelligent Design« würfe ja die Frage auf, ob Geschöpfe ein höheres Ethos haben können als ihr Schöpfer (eine andere Formulierung der Theodizee).

Fast die Hälfte (47 %) der Amerikaner, bezeichnen sich selbst als »Bible-believing«, was mit »fundamentalistisch« übersetzt werden muss; 15 Prozent »evangelicals« bekennen sich zu den institutionellen Kirchen. 11 Prozent sagen, sie seien ohne religiöses Bekenntnis; von denen glauben aber doch 63 Prozent an ein diffuses »höheres Wesen«. Glasklar ist eine andere Zahl: 19 Prozent der befragten Amerikaner stimmen dem Satz zu, dass »Gott in der internationalen Politik die Vereinigten Staaten begünstigt«.

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)