6. Oktober 2019 - 10:49 / Ausstellung 

Für den Hörbranzer Objekt- und Konzeptkünstler Gottfried Bechtold repräsentiert die Zeichnung gleichsam "das geöffnete Gehirn". Im Rahmen der Ausstellung "Dialog" gibt die auf Grafik und Zeichnung fokussierte Harder Galerie.Z einen Einblick in die zeichnerischen Zwiegespräche, die Bechtold mit den Dingen, die ihn umgeben, hält.

Bereits seit 2009 gibt die Galerie.Z regelmässig im Zweijahresrhythmus Einblicke in das zeichnerische Schaffen Bechtolds. Und es ist dabei ein besonderes Verdienst der Harder Galerie, immer wieder neue Aspekte in der Zeichnung des 1947 in Bregenz geborenen Künstlers, der dereinst mit seiner Aktion "100 Tage Anwesenheit in Kassel" anlässlich der Documenta 5 schlagartig bekannt wurde, zu finden und offenzulegen.

In seiner ersten Ausstellung in der Galerie.Z im September 2009 mit dem Titel "Zeichnungen" zeigte Gottfried Bechtold eine Auswahl an Arbeiten, die in einem Zeitraum von 40 Jahren entstanden sind. Seine zweite Präsentation, September 2011 – "Mayday", zeigte einen einzigen Inhalt, den er ausschließlich mittels Zeichnung transportierte. So lag der Focus dieser Arbeiten auf der Abbildung von Szenarien, in denen Flugzeuge die zentrale Rolle einnahmen.

Im September 2013, seiner dritten Ausstellung, präsentierte er "Akte". Wieder, wenig überraschend, begnügte er sich dabei nicht mit dem realen bzw. technisch korrekten Nachempfinden der Frauenkörper. In seiner vierten Ausstellung präsentierte Bechtold Skizzen und Zeichnungen, die allesamt in der Hatlerdorfer Weinstube "Scharfes Eck" entstanden sind. Inspiriert durch Wirtshausgespräche, gemeinsames Trinken und kontroversielle Diskussionen zeichnete Gottfried Bechtold keine Karikaturen der Besucher, sondern versuchte mit seinem Stift die Atmosphäre der Gaststube und des gemeinsamen Trinkens festzuhalten. Dieses atmosphärische Eintauchen ist - typisch Gottfried Bechtold - mit Selbst-Ironie, mit sachlicher Liebe zum angedeuteten Detail und mit der Wahrung der Würde des sozialen Lebens verbunden.

In der Ausstellung "Coyote", seiner fünften in der Galerie.Z, beschäftigte sich Gottfried Bechtold mit einer Aktion von Joseph Beuys. In einer für ihn typischen Art und Weise hat er etwas Fertiges, Vorgefundenes aufgenommen - als Readymade - und dann verwendet, überarbeitet und neu bezeichnet bzw. interpretiert. Diesmal war es die fotographische Dokumentation einer Beuy‘schen Performance in New York.

Und nun eben seine sechste Präsentation, bei der es um zeichnerische Dialoge geht. Dazu heisst es in einem Essay, den die promovierte Autorin und Konzeptkünstlerin Sylvia Taraba eigens dazu verfasst hat, unter anderem: "Da liegen Dinge herum. Entwürfe, Skizzen, fertige Bilder, Zeitungen, Ideen, ein nasses Glas, volle Aschenbecher, Aschestäubchen, Kaffee, Tassen leer und voll, Krimskrams, Stifte, Papier, Mobiltelefon. Nicht dass es Langeweile wäre, wenn man in die Luft schaut oder gar ins Narrenkästchen wenn man erbaulich kritzelt. Es handelt sich vielmehr um eine Sammlung über den Dingen. Um eine Meditation über die Dinge, die einen beschäftigen oder umgeben. Man spricht mit Ihnen über sie, über sich. Geradezu um sie und sich herum. Über nichts sozusagen. Geht in irgendeine Tiefe und taucht wieder auf und schaut wieder in die Luft oder ins Narrenkastl wenn man nichts mit sich anfangen möchte. Man tritt ein in einen Dialog mit den Dingen, die es sich gefallen lassen."

Gottfried Bechtold: Dialog
Galerie.Z, Hard
17.10.-14.11.2019
Eröffnung: 17.10., 19.30 Uhr (Hubert Matt im Diskurs mit Gottfried Bechtold)

Galerie.Z
Landstrasse 11
A - 6971 Hard

T: 0043 (0)650 6482020
E: galerie.z@cable.vol.at
W: http://www.galeriepunktz.at

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Gottfried Bechtold: Lohnliste 28.1.1922 (2016, 53,2 x 35,1 Zentimeter)
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Gottfried Bechtold: Neusiedler (2017, 28,,5 x 22,4 Zentimeter)
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Gottfried Bechtold: OASIS (90 x 70 Zentimeter)
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Gottfried Bechtold: Segantini (2019, 70 x 47,5 Zentimeter)
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Gottfried Bechtold: 251 (2018, 59,7 x 50 Zentimeter)
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