30. April 2009 - 4:25 / Tanz
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Les Ballets C. de la B. bringen am 30. April mit "pitié!" ("Erbarmen!") das neueste Stück von Alain Platel nach Bregenz. Ausgehend von der "Matthäus-Passion" von J. S. Bach entwickelt Platel mit seinen Tänzerinnen und Tänzern einen wahren Höllensturz von fliegenden, flammenden und taumelnden Leibern, manche Szenen wirken wie hochdramatische Enthüllungen eines Caravaggio, eine Menschenskulptur gewundener Leiber, vereint im stummen Schrei. Ein Werk voller Inbrunst und Ekstase.

Der Choreograph und Tänzer Alain Platel verbindet auf der Bühne Dinge, die scheinbar nicht zusammengehören, und überschreitet mit seinen erfolgreichen Choreographien immer wieder die Grenzen zwischen Tanz, Theater, Musik und Bildender Kunst. Aber Platel und Cassol haben mit "pitié!" keine schlichte Adaption des Bachschen Werkes vorgenommen – sie interessieren sich für einen wichtigen Aspekt der Passio: den Schmerz der Mutter angesichts des Opfers ihres Kindes.

Musikalischer und geistiger Ausgangspunkt für "pitié!" ist die Arie "Erbarme dich, mein Gott", eine der zentralen Arien des Bachschen Œuvre überhaupt. Platel beschäftigt sich mit der Frage, ob unsere Fähigkeit zur Anteilnahme über ein bloßes Erbarmen hinausgehen kann. Der Begriff "Mitleid" wird nicht selten mit jovialer Herablassung assoziert – aber wir sehnen uns oft genug nach echtem tief gehenden Mitleiden. Die "Matthäus-Passion" stellt die Frage nach diesem Mitleiden auf die radikalste Weise. Es geht um das äußerste Opfer, das der Mensch bringen kann: sich selbst.


Les Ballets C. de la B. - pitié!
Ballett von Alain Platel und Fabrizio Cassol
Konzept und Regie: Alain Platel
Musik: Fabrizio Cassol
Originalmusik: Matthäus-Passion von J.S. Bach

Do 30. April 09, 20 Uhr
Festspielhaus Bregenz



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