27. September 2012 - 3:30 / Walter Gasperi / DVD Tipp
logo dvdtipp

Der Brite Terence Davies zeichnet in seiner Verfilmung von Edith Whartons Roman ein kühles, aber bestechendes Bild der New Yorker High Society der Belle Époque. Das zurückhaltende Meisterwerk ist bei Winkler Film auf DVD erschienen.

Nur sieben Filme hat der Brite Terence Davies in den letzten 28 Jahren drehen können, sein jüngstes Werk, die Terence Rattigan-Adaption "The Deep Blue Sea", startet gerade in den deutschen Kinos. Keine Kompromisse geht Davies ein, schwer tut er sich deshalb die nötigen Budgets aufzutreiben. Auch seine Verfilmung von Edith Whartons "The House of Mirth" emotionalisiert nicht, sondern hält den Zuschauer mit einer kühl-zurückhaltenden Inszenierung auf Distanz.

Die Inserts "New York 1905" am Beginn und "New York 1907" am Ende geben den zeitlichen Rahmen vor. Innerhalb dieser Zeitspanne vollzieht sich der gesellschaftliche Niedergang der knapp 30jährigen Lily Bart (Gillian Anderson). Sie strebt nach Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, doch in der starren Gesellschaft der Jahrhundertwende ist für die nicht arme, aber auch nicht wohlhabende Frau die Heirat mit einem reichen Mann die einzige Chance zur Erhaltung ihrer Existenz.

Doch der Rechtsanwalt, den sie liebt, ist zu arm, und den neureichen Rosedale liebt sie nicht. Durch Intrigen und Klatsch verfällt sie der gesellschaftlichen Ächtung und unerbittlich vollzieht sich ihr Abstieg.

Steif und statisch könnte man Davies´ Inszenierung bezeichnen, doch gerade diese Steifheit passt kongenial zu dieser verkrusteten Gesellschaft, in der stets der schöne Schein gewahrt wird, Spielregeln eingehalten werden müssen, nur keine echten Gefühle erlaubt sind. Gnadenlos wird hier ausgestoßen, wer sich nicht an die Regeln hält. So kühl freilich der Film nach außen ist, so sehr brodeln die Gefühle unter der Oberfläche.

Starre Großaufnahmen dominieren, auf große Kamerabewegungen wird ebenso verzichtet wie auf dekoratives Beiwerk. Brillant wie die Fotografie ist die Ausstattung, aber nie selbstzweckhaft, sondern rein funktional. Statt Schauwerten und Dynamik stehen die Dialoge im Zentrum. Durch nichts soll der analytische und genaue Blick auf die Figuren gestört werden.

Meisterhaft passt sich auch die Tonspur in ihrem Minimalismus der visuellen Askese an. Wenn dunkle Farben und halbdunkle Räume dominieren und gleissendes Licht nur draußen herrscht, dann verweist das auch auf diese Gesellschaft, die die Wahrheit verdeckt.

An Extras bietet die bei Winkler Film erschienene DVD Interviews unter anderem mit Terence Davies und Gillian Anderson, vor allem aber einen – allerdings nur englischen und etwas zurückhaltenden – Audiokommentar von Terence Davies. An Sprachversionen finden sich auf der DVD neben der englischen Fassung auch die deutsche, sowie deutsche und englische Untertitel.

Trailer zu "Haus Bellomont - The House of Mirth"



21546-21546hausbellomontcover.jpg
21546-21546hausbellomont1.jpg
21546-21546hausbellomont2.jpg
21546-21546hausbellomont3.jpg