7. Juni 2019 - 7:49 / Ausstellung / Fotografie  / Reminder
26. Mai 2019 29. September 2019

„Ich fotografiere teils sehr gezielt, teils sehr intuitiv und greife instinktiv Dinge auf, die von dieser Zeigegeste, von diesem Denken und Fühlen herrühren. Und ich sammle die Bilder, bis ich das Gefühl habe, einen ausreichend großen Pool zu haben, aus dem heraus ich Geschichten formen kann.“
(Heinz Cibulka)

Cibulka ist ein Künstler mit Leidenschaft und vielfältigen Betätigungsfeldern. Er war in den 1960er Jahren Modell für die Wiener Aktionisten und dokumentierte immer wieder das Orgien-Mysterien- Theater seines Freundes Hermann Nitsch, er arbeitete selbst als Aktions- und Objektkünstler und schrieb lyrische und konzeptuelle Texte. Vor allem aber ist Cibulka ein vielseitiger Fotograf, der mit seinen Bildgedichten eine ureigene, authentische Bildsprache gefunden hat.

Der Künstler sucht nach der Kraft des „Nichtbesonderen“, nach dem poetischen Potenzial des „Normalen“ und „Zufälligen“ und findet dies immer wieder in seiner unmittelbaren Umgebung: der ländlichen Kultur Niederösterreichs – seiner Wahlheimat seit rund fünfzig Jahren. „Für mich ist das Arbeiten mit Fotografien eine Möglichkeit, dichterisch tätig zu sein“, sagt Cibulka. „Es heißt nicht umsonst ‚Bildspracheʻ. Ich habe versucht, den sprachlichen Aspekt, Worte aneinanderzureihen, auf die Fotografie umzulegen“. Ab Mitte der 1970er Jahre entstehen zahlreiche Serien von „Bildgedichten“ (bestehend aus jeweils vier Aufnahmen), ehe er sich ab Mitte der 1990er Jahre auf digitale Bildcollagen konzentrierte.

Ein Teilvorlass Cibulkas mit vielen niederösterreichischen Bildgedichten befindet sich in den Landessammlungen Niederösterreich. In diesen zeigt der Künstler Kulturlandschaften wie das Weinviertel, das südliche Wiener Becken oder den Donauraum und spürt den Menschen und ihrem Leben nach, der Kultur und Tradition, den ländlichen Berufen und religiösen Riten – alltäglichen, vielleicht banalen Dingen ebenso wie zentralen Ereignissen. Die persönliche Spurensuche ist immer auch eine Reflexion über das Leben an sich, über das Werden und Vergehen, über Liebe und Sexualität, Geburt und Tod. Cibulkas frühe Bildgedichte der 1970er Jahre setzen dabei zu einer Zeit ein, als das Landleben – nach Jahrzehnten der Diskreditierung – im Kontext einer breiten ökologischen Bewegung wieder neu entdeckt und positiv besetzt wurde. Cibulka porträtiert aber auch Künstlerfreunde wie Hermann Nitsch, Peter Kubelka, Günter Brus oder Fritz Panzer und blickt immer wieder über den Tellerrand (Nieder-) Österreichs. Die Fotoserien, die auf zahlreichen Reisen entstanden, legen davon eindrucksvoll Zeugnis ab. Die Serien rax und tansania, die er erst im letzten Jahr fotografierte, zeigen einmal mehr die Bandbreite seines Schaffens.

Einen besonderen Stellenwert nimmt das eindrucksvolle Werk Geschichtes Gedicht (2000) ein. Es ist der Versuch, in vier digitalen Bildcollagen einen visuellen Einblick in die österreichische Kultur- und Geistesgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu geben. Getragen von Texten des Künstlers und Schriftstellers Hanno Millesi, werden zu den vier Themen „Körper“, „Material“, „Mystik“ und „Wissenschaft“ herausragende Künstlerinnen und Künstler sowie Wissenschaftler/innen vorgestellt. In der aktuellen Schau wird das Werk auf Initiative der Landessammlungen Niederösterreichs in einer neuen Form und mit Augmented-Reality-Erweiterung präsentiert, umgesetzt durch den Medienkünstler Bobby Rajesh Malhotra. Neben Millesi wird er so zum Mitautor des Werkes. Über einen QR-Code in der Ausstellung kann eine App heruntergeladen werden, die mit den Bildern aktiviert wird.

Die Einzelpräsentation Heinz Cibulkas steht in Dialog zu der Ausstellung Sehnsuchtsräume, die zeitgleich mit bin ich schon ein bild in der Landesgalerie Niederösterreich eröffnet wird.

Heinz Cibulka

*1943 in Wien
1957–1961 Besuch der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Seit 1972 Fotozyklen und Bildgedichte, Objekte und Objektbilder, digitale Bildcollagen und diverse mediale Arbeiten in Zusammenarbeit mit anderen Künstler/innen. Neben den bildnerischen Arbeiten lyrische und konzeptuelle Texte, Aufführungen und Installationen. Ab 1980 zahlreiche Dokumentationen der Aktionen von Hermann Nitsch.

Mehrmals Leitung einer Fotoklasse bei der Internationalen Sommerakademie Salzburg und bei den Weinviertler Fotowochen sowie Workshops und Vorträge im In- und Ausland. 1989–2002 Organisation diverser Veranstaltungen für Fluss – NÖ Initiative für Foto- und Medienkunst. 1997/98 Gastprofessur für künstlerische Fotografie an der Hochschule für angewandte Kunst, Wien.

Heinz Cibulka. Bin ich schon ein Bild?
26. Mai bis 29. September 2019

Landesgalerie Niederösterreich
Museumsplatz 1
A - 3500 Krems an der Donau

W: https://www.lgnoe.at/

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  •  26. Mai 2019 29. September 2019 /
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Ausstellungsansicht "Sehnsuchtsräume" (c) Christian Redtenbacher
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