4. Februar 2020 - 7:14 / Ausstellung / Film 
8. Februar 2020 17. Mai 2020

Die Ausstellung "bauhaus.film.expanded" greift die Idee des Totaltheaters auf und erschafft mittels großflächiger Projektionen die Raumwirkung des am Bauhaus praktizierten erweiterten Kinobegriffs.

Der Bauhausdirektor Walter Gropius entwarf 1927 für Erwin Piscator das Totaltheater, das unter Anwendung zahlreicher Filmprojektoren zugleich darauf abzielte, "den Raum unter Film zu setzen". Die von Markus Heltschl, Thomas Tode und Peter Weibel kuratierte Ausstellung greift die visionäre Idee des Immersiven auf, indem sie in multiplen großflächigen Projektionen sechzig Filme einander gegenüberstellt. Durch die unterschiedlichen Filmlängen werden immer wieder neue Beziehungen zwischen den Filmen geknüpft. Nach neuestem Forschungsstand haben 28 BauhäuslerInnen an Filmen oder Lichtprojektionen gearbeitet – darunter Ellen Auerbach, Ella Bergmann-Michel, Ludwig Hirschfeld-Mack und Kurt Schwerdtfeger.

Durch Entdeckungen bislang verloren geglaubter oder falsch gespielter Filme (z. B. die Vorführungsgeschwindigkeit und Reihenfolge der Sequenzen) und durch originalgetreue Wiederaufführungen wird erstmals eine wissenschaftliche Aufarbeitung des medialen kinematographischen Erbes des Bauhaus präsentiert. Die Werke lassen sich formal und thematisch den folgenden vier Bereichen zuordnen: Abstrakte Filme, Politische und Experimentelle Filmessays, Reformerische Architekturfilme und Expanded Cinema.

Als einer der innovativsten Bildkünstler des 20. Jahrhunderts hatte László Moholy-Nagy den Film programmatisch in das Zentrum seiner Überlegungen zum Neuen Sehen gestellt. Moholy-Nagy bemühte sich vergeblich um die Einrichtung einer zentralen Filmversuchsstelle am Bauhaus; die BauhäuslerInnen schufen jedoch einen erstaunlich großen Filmkorpus außerhalb der Schule. Durch Verfolgung der Nationalsozialisten, Emigration und Krieg wurde ein Teil dieser Filme vernichtet. Einige konnten ihre in der Bauhaus-Zeit entworfenen Film-Partituren erst nach dem Krieg verwirklichen. Die Ausstellung "bauhaus.film.expanded" hebt insbesondere die wichtige Rolle der Frauen des Bauhaus hervor. In symbiotischen Arbeits- und Lebensgemeinschaften haben sie an zentralen abstrakten Werken der deutschen Filmavantgarde gearbeitet.

Die meisten am Bauhaus entwickelten filmischen Ansätze reichen von abstrakten absoluten Filmen, Tanzfilmen und essayistischen Etüden über reformerische Architektur- und politische Dokumentarfilme bis zu Lichtprojektionen, Einspielfilmen im Theater und Kinoarchitektur.

bauhaus.film.expanded
8. Februar bis 17. Mai 2020
Kuratiert von: Markus Heltschl, Thomas Tode und Peter Weibel

ZKM
Lorenzstraße 19
D - 76135 Karlsruhe

T: 0049 (0)721 8100 1220
F: 0049 (0)721 8100 1139
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  •  8. Februar 2020 17. Mai 2020 /
Richard Paulick: Wie wohnen wir gesund und wirtschaftlich? 1926-28 © Richard Paulick
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Lásló Moholy-Nagy: Alter Hafen in Marseille - Marseille Vieux Port, 1929-1932, Courtesy Hattula Moholy-Nagy
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 Kurt Schwerdtfeger: Reflektorische Farblichtspiele, 1922-1967, Courtesy Paula Schwerdtfeger
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Ludwig Hirschfeld-Mack (l. am Klavier), Theo Bogler (m.), Marli Heiman (r.) an der Apparatur, bei der Aufführung von Kreuzspiel, um 1924 © Kaj Delugan
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