7. Januar 2012 - 2:28 / Ausstellung / Malerei 
18. März 2011 8. Januar 2012

Der Horizont ist des Menschen wichtigste Orientierung. Er verortet unseren Blick im Raum und in der Landschaft, gibt inneren und äußeren Welten Halt. Will man über Landschaft reden, will man Landschaftsmalerei ausstellen, ist dies untrennbar mit dem Menschen verbunden. Die Entwicklung der Landschaftsdarstellung ist durch die Jahrhunderte stets Ausdruck unseres Verhältnisses zur Natur. Gleichgültig, ob Natur darin eine göttliche ist, die sich in den überweltlichen goldenen Himmeln manifestiert, oder menschengemachte Landschaft – sie ist stets Spiegel des eigenen Erlebens und Bühne menschlicher Sehnsüchte. Dies bedingt unser Naturbild.

Die Aufgabe der mittelalterlichen Holztafeln von Fra Angelico besteht in der konzentriert meditativen Schau des Heilsgeschehens. Engelsscharen und Heilige agieren nicht im Hier und Jetzt, sondern in einem überzeitlichen goldenen Himmelsraum. Doch der Humanismus und die Natur­wissenschaften verändern den Blick des Einzelnen auf die Welt. Die im Spätmittelalter immer wieder betonte Eigenverantwortlichkeit des Individuums erfordert ein Agieren im Hier und Jetzt. Das Sich-seiner-selbst-bewusst-Werden ermöglicht ein Sich-der-Umwelt-bewusst-Werden. Man bricht auf, um die Welt zu erforschen. Sie dehnt sich aus und gewinnt in den Weltlandschaften perspektivisch-mathematische Dimensionen. Die Tiefen­dimension wird durch eine raffinierte Farb-Staffelung auf der Fläche erzeugt. Im 17. Jahrhundert erobert die Landschaftsmalerei die Kabinette der Sammler.

Van Ruysdaels stimmungsvolle Naturschilderungen seiner holländischen Heimat erfreuen sich großer Beliebtheit, sowohl bei Bürgern als auch bei Handwerkern. Andere Künstler wie Breenbergh spezialisieren sich auf gut bezahlte Historien mit biblischen oder antiken Szenen, die in weiträumigen antiken Ruinenlandschaften spielen. Ist die Natur noch im Barock Schauplatz göttlichen Waltens, verändert sich mit der Aufklärung der Blick in die Landschaft und im 18. Jahrhundert wird sie zum Spiegel menschlicher Stimmungen. Seit dem frühen 19. Jahrhundert gewinnt die Landschaftsmalerei eine noch nie dagewesene Bedeutung. Im Blick auf die erhabene Natur bei von Rohden verbirgt sich die Sehnsucht nach der verlorenen, der unzerstörten, vom Menschen unberührten Natur.

Verfolgt man die Entwicklung bis ins späte 19. Jahrhundert, beginnt sich die Natur als Abbild zunehmend aufzulösen. In den atmosphärischen Impressionen Monets oder in den Farbströmen Vlamincks wird sie immer mehr zum Experimentierfeld einer fortschreitenden Abstraktion.

Der ausstellungsbegleitende Katalog (Kerber Verlag, 24,40 EUR) enthält neben dem Vorwort von Oliver Kornhoff einen einführenden Aufsatz von Nils Büttner, Professor an der Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart und bundesweit einer "der" Experten für die europäische Landschaftsmalerei. Die Landschaftsmalerei vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert wird von Susanne Blöcker erläutert. Zum 19. Jahrhundert schreibt Götz Czymmek, langjähriger Leiter der Abteilung 18. /19. Jahrhundert im Wallraf-Richartz-Museum, Köln. Objekttexte wurden von Susanne Blöcker, Ulrike Becks-Malorny, Katharina Chrubasik, Heidi Gansohr-Meinel, Elke Gennrich, Gisela Götz, Margot von Gumppenberg, Claudia Seiffert und Wolfger Stumpfe, verfasst.

Horizonte. Landschaften von Fra Angelico bis Monet
18. März 2011 bis 8. Januar 2012

Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1
D - 53424 Remagen

T: 0049 (0)2228 9425-12
F: 0049 (0)2228 9425-21
E: info@arpmuseum.org
W: http://www.arpmuseum.org/

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Johann König; Das Opfer des Noah nach der Sintflut, 1629. © Sammlung Rau für UNICEF; Foto: Horst Bernhard
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Albert Marquet; Der Jardin du Luxembourg in Paris, 1898. © Sammlung Rau für UNICEF; Foto: Mick Vincenz
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Claude Monet; Die Felspyramiden von Port Coton, 1896. © Sammlung Rau für UNICEF; Foto: Mick Vincenz
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Johann Martin von Rohden; Die Kaskade von Tivoli, 1826. © Sammlung Rau für UNICEF; Foto: Mick Vincenz
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Maurice de Vlaminck; Fauvistische Landschaft bei Chatou, um 1907. © Sammlung Rau für UNICEF