24. Mai 2012 - 3:30 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Filme von Howard Hawks haben die Qualität nicht zu altern. In ihrer entschlackt-unsentimentalen Erzählweise sind sie zeitlos. Das gilt auch für diese 1949 an Originalschauplätzen in Deutschland gedrehte Satire auf Bürokratie. Bei Eurovideo ist "Ich war eine männliche Kriegsbraut" auf DVD erschienen.

Howard Hawks pur ist diese Komödie in der Rollenverteilung. Wie Katherine Hepburn im Meisterwerk "Bringin´ up Baby" zeigt hier Ann Sheridan Cary Grant, wo´s lang geht. Sie sitzt am Steuer der Beiwagenmaschine, er im Beiwagen. Bürokratische Vorschriften geben hier den Verlauf der Handlung vor, er wird immer wieder ins Fettnäpfchen tappen, sie wird für ihn die Probleme lösen. Sie wird Frau der Lage sein, er stoisch Unannehmlichkeiten wie eine Nacht in der Badewanne, eine Solofahrt im Beiwagen hinnehmen und für sie auch mal mit einer Eisenbahnschranke abheben

Nach außen hin können sie sich nicht ausstehen und sagen sich das gegenseitig auch deutlich, aber im Grunde hat es längst zwischen ihnen gefunkt. Doch jede Menge bürokratische Hindernisse gibt es zu überwinden, wenn ein französischer Offizier in den Jahren nach Kriegsende eine amerikanische Besatzungsoffizierin heiraten will. Da kann es dann durchaus auch sein, dass er sich, um ans Ziel zu kommen, als Frau ausgeben und verkleiden muss. – Und die Beamten nehmen das als selbstverständlich hin, denn formal werden ja die Regeln erfüllt.

Einiges an Reiz bezieht diese Komödie aus dem Dreh an Originalschauplätzen im Neckartal, Heidelberg und Bad Nauheim. Da fahren Grant und Sheridan eben nicht durchs Studio, sondern durch die Trümmerlandschaften zerbombter deutscher Städte oder über deutsche Felder. Schwarzmarkt, Alt-Nazi und Besatzung sorgen zusätzlich für Zeitkolorit. Atmosphäre gewinnt "Ich war eine männliche Kriegsfrau" durch dieses authentische Setting.

Vielleicht nicht so rasant wie andere Komödien von Hawks ist das, aber gewohnt ökonomisch und unsentimental ist die Erzählweise. Hier gibt es kein Verweilen, sondern konsequent nach vorwärts drängt die Handlung und ein Auftrag hat da einzig die Funktion die Beziehung der beiden, die schon eine Geschichte miteinander haben, die aber immer nur angedeutet wird, erneut in Gang zu setzen.

Über 60 Jahre ist "Ich war eine männliche Kriegsbraut" alt, aber wie alle Filme von Hawks altert auch diese Komödie nicht, kann heute mit dem gleichen Vergnügen genossen werden wie in den letzten Jahrzehnten. Dürftig sind nur die Extras, die sich auf Programmtipps beschränken, und bei den Sprachversionen würde man sich neben der deutschen und englischen Fassung auch zuschaltbare deutsche Untertitel wünschen.

Tailer zu "Ich war eine männliche Kriegsbraut"



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