Zum 18. Mal lädt das Internationale Film Festival Innsbruck heuer ( 9.-14.6. 2009) zu einer filmischen Reise um die Welt, vor allem freilich wie gewohnt in die Länder des Südens. Unter den mehr als 50 ausgewählten Filme finden sich zahlreiche österreichische Erstaufführungen, kleine Hommagen gibt es aber auch für den großen Brasilianer Glauber Rocha oder den Bayern Herbert Achternbusch.

Begonnen hat das Internationale Film Festival Innsbruck 1992 als "America Film Festival" im Cinematograph. Wie ein Kind ist es in den folgenden Jahren gewachsen, hat nicht nur seinen Namen geändert und den inhaltlichen Schwerpunkt von Lateinamerika auf die Länder des Südens insgesamt geweitet, sondern auch neue Spielstätten dazu gewonnen. Weiterhin wird der Cinematograph bespielt, doch Zentrum des Festivals ist seit gut zehn Jahren und das Leokino und heuer kommt noch ein Videoclub im Treibhaus dazu.

Eröffnet wird das Festival mit der österreichischen Erstaufführung des deutsch-japanischen Spielfilms "Der rote Punkt", in dem Marie Miyayama von einer Studentin aus Tokio erzählt, die den Spuren ihrer verstorbenen Eltern folgend, ins Allgäu kommt. Mit diesem Film wird auch gleich schon der Wettbewerb um den mit 5000 Euro dotierten "Filmpreis des Landes Tirol" eröffnet. Miyayamas Film trifft dabei auf eine zumindest von ihrer geographischen Herkunft her äußerst bunte Konkurrenz.

Ein Altmeister ist hier mit dem Äthiopier Haile Gerima, der seinen letztes Jahr in Venedig preisgekrönten "Teza" präsentiert, ebenso vertreten wie die junge Ecuadorianerin Tania Hermida, die ihr Spielfilmdebüt "Que tan lejos" vorstellt. Der großen Auseinandersetzung mit dreißig Jahren äthiopischer Geschichte bei Gerima steht hier ein lockeres Roadmovie über zwei gegensätzliche Frauen, die sich langsam näher kommen, gegenüber.

Aus Usbekistan kommt "Oydinoy", in dem Nazim Abbasov, der schon 2002 mit "Fellini" in Innsbruck den Hauptpreis gewonnen hat, von einem fünfjährigen Mädchen erzählt, das unbedingt in die Schule gehen möchte. In eine anatolische Kleinstadt entführt dagegen der Türke Semih Kaplanoglu. Sein Wettbewerbsbeitrag "Süt – Milk" handelt von einem jungen Mann mit literarischen Ambitionen, der sich über seine Zukunft auf dem Land im Ungewissen ist. Von einer Rückkehr in eine Heimat, die dem Protagonisten längst fremd geworden ist, erzählt dagegen der senegalesische Film "L´Absence", in dem ein in Frankreich lebender senegalesischer Wissenschaftler in seine im Chaos versinkende Heimat zurückkehren muss, während der Inder Mazhar Kamran in "Mohandas" die Frage des Identitätsverlust untersucht.

Einen facettenreichen Blick auf die Probleme der Länder des Südens erlaubt auch der Dokumentarfilmwettbewerb. Ein Bericht über den Krieg in Darfur anhand der Schilderung des Lebens in einem Flüchtlingslager ("Au loin des villages") gibt es hier ebenso zu sehen wie einen Film über die gewalttätigen Mara-Banden in San Salvador ("La vida loca"), einen Musikfilm aus Palästina ("Telling Strings"), ein Porträt mexikanischer "Gentleman-Diebe" ("Los ladrones viejos") oder eine Erkundung des Schicksals mexikanischer Landarbeiterkinder ("Los Herederos").

Das Thema "Kindheit" zieht sich dabei beim heurigen Innsbrucker Festival nicht nur durch die verschiedenen Programmschienen, sondern es gibt auch eine eigene Schiene "Kindsein". In "Khamsa", der unter den Roma in Marseille spielt, wird die Situation von Kindern ebenso thematisiert wie im Spielfilm "Una semana solos", der von reichen Kindern aus Buenos Aires erzählt, die eine Woche ohne Eltern verbringen, oder im ungarischen Dokumentarfilm "Másik Bolgyó – Another Planet", in dem sieben Kinder aus Ecuador, Kambodscha und dem Kongo über ihr Leben als Soldat, Prostituierte oder Schwerarbeiter erzählen.

Unter den Filmen in den fast schon unübersichtlich zahlreichen Programmreihen sollte man wohl vor allem "Birdwatchers" nicht übersehen, der beim letztjährigen Filmfestival von Venedig auf große Beachtung stieß. Aber auch im Bereich der Filmgeschichte bietet Innsbruck unter dem Label "Masters" mit mehreren kleinen Tributes Einiges. Der große brasilianische Regisseur Glauber Rocha wird mit den Filmen "Barravento" und "Terra en transe" gewürdigt, vom Iraner Abbas Kiarostami wird der 1994 entstandene "Zire Darakhatan Zeyton" ("Quer durch den Olivenhain") gezeigt, von Haile Gerima gibt es neben seinem Wettbewerbsfilm "Teza" den klassischen Dokumentarfilm "Harvest 3000 Years" zu sehen und von Pier Paolo Pasolins "Appunti per un´Orestiade Africana" wird eine rekonstruierte Fassung präsentiert. Mit "Lucia" wird an den 2008 verstorbenen kubanischen Regisseur Humberto Solás ebenso erinnert wie mit "Müllers Büro" an den vor kurzem verstorbenen Niki List oder mit "Der Neger Erwin" – auch wenn diese letzten beiden Film nicht ins Programm des Innsbrucker Festivals passen – an den bayrischen Querdenker Herbert Achternbusch.

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Der rote Punkt (Marie Miyayama)
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Qué tan lejos (Tania Hermida)
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Oydinoy (Nazim Abbasov)
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Au loin des villages (Olivier Zuchuat)
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Los Herederos (Eugenio Polgovsky)