8. September 2019 - 5:17 / Ausstellung / Gegenwartskunst 
13. September 2019 19. Januar 2020

Bilder erzählen Geschichten. Sie tun dies über Form und Inhalt, aber auch über ihre Materialität. Die verwendeten Mal- und Farbmittel, ihre Herkunft und die Art ihrer Gewinnung vermitteln parallel zum Bildsujet oft spannende Inhalte. Die österreichische Künstlerin Johanna Kandl widmet sich dieser Inhaltsebene, indem sie ihre eigenen Werke mit zahlreichen Gemälden aus der Sammlung des Belvedere sowie mit in der Malerei verwendeten Grundstoffen in Beziehung setzt.

Erster Teil von Johanna Kandls Ausstellungsprojekt ist Material – Ein Garten für Lein und Krapp, ein Garten vor der Orangerie des Unteren Belvedere. In Zusammenarbeit mit den Bundesgärten baute sie hier Pflanzen an, die auf die eine oder andere Weise zur Erzeugung von Malmitteln verwendet werden: Lein, Föhre, Krapp, Mastixstrauch oder Kaktus, bevorzugter Wirt der Koschenillelaus, aus der ein dunkles Rot gewonnen wird, das lange Zeit auch Campari oder Lippen rot färbte.

In ihrer Ausstellung beschäftigt sich Johanna Kandl mit der substanziellen Seite der Kunstwerke. Ihr geht es dabei nicht um reine Materialkunde, sondern um das Aufzeigen aktueller Fragestellungen, in der Wissenschaft seit einigen Jahren als „Material Turn“ (Wende zum Material) bezeichnet. Die Neuaufwertung des Analog-Stofflichen ist als Paradigmenwechsel im Zeitalter der Digitalisierung zu sehen. Dieser Forschungsansatz analysiert den Stellenwert von Material in der Gesellschaft. Kandl recherchiert diesbezüglich seit einigen Jahren und reist zu den jeweiligen Herkunftsorten, zum Beispiel auf die Insel Hormus, in den Sudan, nach Sumatra oder auch in die Slowakei. So werden beispielsweise anhand von harz- und gummigebenden Pflanzen (Gummi arabicum, etwa im Sudan) Themen wie wirtschaftliche Nachhaltigkeit für die Bewohner_innen der betroffenen Region angesprochen.

Im Zusammenhang mit Pigmenten werden wiederum problematische Auswirkungen des Bergbaus auf die Umwelt und Konflikte zwischen Aktivisten und globalen Abbaufirmen thematisiert. Werke aus der Sammlung des Belvedere und Arbeiten der Künstlerin – Gemälde, Fotos und Filmbeiträge – interagieren mit Mineralien, Pigmentproben, Präparaten und Archivalien. So entsteht ein Narrativ, das zwischen sachlicher Dokumentation und persönlicher Fiktion oszilliert.

Johanna Kandl bringt in die Ausstellung nicht nur ihren distanziertwissenschaftlichen Blick ein, sondern auch die emotional-persönliche Verbundenheit, die sich von ihrer Herkunft aus einer Familie von Farberzeugern und -händlern und ihrer Ausbildung zur Restauratorin herleitet. Gemeinsam mit ihrem Mann Helmut Kandl geht sie den Geschichten hinter diesen Stoffen nach und deckt dabei auch akute gesellschaftliche Fragen auf.

Johanna Kandl. Material. Womit gemalt wird und warum
Orangerie, Unteres Belvedere
Kuratorische Assistenz: Miroslav Halak
13. September 2019 bis 19. Jänner 2020

Unteres Belvedere, Orangerie
Rennweg 6a
A - 1030 Wien

T: 0043 (01) 79 557 0
E: info@belvedere.at
W: http://www.belvedere.at/

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© H.& J. Kandl, 2018
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Privatbesitz Johanna Kandl © H.& J. Kandl, 2018
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