20. Mai 2020 - 10:04 / Ausstellung / Malerei / Licht / Online  / Reminder
26. Mai 2020 14. August 2020

Häusler Contemporary hat die Ausstellung verlängert und läd zu einer dokumentarischen Reise in das Werk von Michael Venezia ein. Dieter Schwarz, Direktor des Kunstmuseums Winterthur (1990-2017) und Venezia Experte, erläutert im Gespräch mit Gianfranco Schiavano die malerische Innovation Michael Venezias vom Frühwerk der 1960er Jahre und die konsequente Weiterentwicklung der «Block Paintings» seit der 1980er bis heute. Der Video-Beitrag verdeutlicht, wie wesentlich der Künstler an der Erneuerungsgeschichte der Malerei nach 1960 mitschrieb.

In der Ausstellung in Zürich präsentiert Häusler Contemporary mit Keith Sonnier und Michael Venezia zwei wichtige Vertreter der Postmoderne. Dabei wird Licht ebenso als "zeichnerisch" skulpturales Element wie als dynamisierendes "malerisches" Mittel erkennbar.

Die dritte Ausgabe der dialogischen Ausstellungsserie zum Thema Licht widmen sich zwei Künstlern, die beide ab Ende der 1960er-Jahre im New Yorker Kunstmilieu arbeiteten und dort Ansätze entwickelten, mit denen sie wesentlich zur Erneuerung der Kunst beitrugen: Keith Sonnier im Bereich der Skulptur, Michael Venezia in der Malerei. Während letzterer die Farbsprühpistole entdeckte, um das Handschriftliche des Pinselduktus zu überwinden, begann ersterer, Neonröhren, die bis anhin vor allem in der Werbung Anwendung fanden, in seine Objekte zu integrieren. Beide Künstler eigneten sich also in einer damals revolutionären Geste Materialien der Industrie und des Alltags an, um daraus eine neue, künstlerische Ästhetik zu entwickeln, welche unser Verständnis von Kunst bis heute prägt.

Michael Venezias Werke aus jener Pionierzeit leben von der Interaktion mit ihrem Umgebungslicht. Dies wird deutlich anhand der raren "Bar Paintings" und Arbeiten auf Papier, die die Galerie präsentiert. Die sich verändernden Lichtreflexe, welche sich auf den Sprühmarkierungen zeigen und die "Malerei» dynamisieren, sind dem Gemisch aus Metallpigmenten und Acryl- oder Ölfarbe zu verdanken, mit dem Venezia seine Spraydosen befüllte. Einen ähnlichen Effekt erzielt der Künstler heute, wenn er in den neueren "Block Paintings" Perlglanz einsetzt. Keith Sonnier präsentieren wir mit Werken, welche seinen vielfältigen Umgang mit der Neonröhre veranschaulicht. Mal nutzt er sie als frei verspielte Linie wie in der frühen Arbeit "Indian Sunset (blue)", 1968, mal eher der geometrischen Rechtwinkligkeit verpflichtet, wie in "Plunge", 1989, oder "Baghdad Relic", 2004. Seit jeher ist dabei die Kombination der Leuchtstoffröhren mit Materialien wie Tuch, Metall, Glas oder Fundobjekten charakteristisch für Sonniers Schaffen, womit er sinnliche, emotionale und auch figürliche skulpturale Momente evoziert.

Die Begegnung der beiden Positionen bringt die zeichnerischen Elemente in Sonniers Skulptur zur Geltung und die modellierende Qualität des Lichts in Venezias Malerei. Vor allem aber sehen wir die innovative Kraft zweier künstlerischer Konzepte, ohne welche die Kunst heute eine andere wäre.

Keith Sonnier (geboren 1941, Mamou, US, lebt in New York, US) war er auf den wegweisenden Ausstellungen "Eccentric Abstraction" (1966, New York) und "When Attitudes Become Form" (1969, Bern) vertreten. Heute ist er einer der renommiertesten Lichtkünstler, der auch zahlreiche Projekte von Kunst und Architektur realisiert hat. 2000 hatte ihm das Kunsthaus Bregenz eine grosse Überblicksschau eingerichtet. Jüngst sorgten seine Ausstellungen in der Whitechapel Gallery in London (2016) sowie im DIA/Dan Flavin Art Institute und im Parrish Art Museum (2018) für viel Aufmerksamkeit. Sein Werk ist in zahlreichen bedeutenden Sammlungen vertreten, etwa im Stedelijk Museum, Amsterdam, NL, im Centre Georges Pompidou, Paris, im Museum of Contemporary Art, Los Angeles.

Michael Venezia (geboren 1935, Brooklyn, US, lebt in Brooklyn und Trevi, IT) hatte schon früh Ausstellungsbeteiligungen in bedeutenden Institutionen wie dem Museum of Modern Art, New York (1971) oder dem Whitney Museum of Art, New York (1977). Heute wird er in Amerika und Europa regelmässig in Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt. Wichtigste Solopräsenta- tionen waren jene im Kunstmuseum Winterthur (1996), im Westfälischen Kunstverein Münster (1997), im Josef Albers Museum Bottrop (2009) und im Kunstverein Heilbronn (2016). Seine Werke sind Teil von diversen renommierten Sammlungen, etwa des Museum of Modern Art, New York, des Solomon R. Guggenheim Museum, New York, der Staatlichen Graphischen Sammlung München oder des Kunstmuseums Basel.

Keith Sonnier und Michael Venezia - Dialog III: Licht
26. Mai bis 14. August 2020 (verlängert)

Häusler Contemporary (CH)
Stampfenbachstrasse 59
CH - 2006 Zürich

T: 0041 43 810 04 26
E: galerie@haeusler-contemporary.com
W: http://www.haeusler-contemporary.com

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  •  26. Mai 2020 14. August 2020 /
Keith Sonnier, "Bundle Pack Sagaponack Blatt Series", 2004, Neon, Umwandler und gefundene Objekte, 76.2 x 68.6 x 22.9 cm, Foto: © Caterina Verde
Keith Sonnier, "Bundle Pack Sagaponack Blatt Series", 2004, Neon, Umwandler und gefundene Objekte, 76.2 x 68.6 x 22.9 cm, Foto: © Caterina Verde
Keith Sonnier, "Plunge SONNI19210", 1998 Neon, gefundene Objekte, Draht und Trafo, 96.5 x 68.6 x 22.9 cm, Foto: © Caterina Verde
Keith Sonnier, "Plunge SONNI19210", 1998 Neon, gefundene Objekte, Draht und Trafo, 96.5 x 68.6 x 22.9 cm, Foto: © Caterina Verde
Keith Sonnier, "USA: War of the Worlds", 2004, Neon, gefundene Objekte, Trafo, 121.9 x 121.9 x 71.1 cm, Foto: © Caterina Verde, Courtesy of the Artist.
Keith Sonnier, "USA: War of the Worlds", 2004, Neon, gefundene Objekte, Trafo, 121.9 x 121.9 x 71.1 cm, Foto: © Caterina Verde, Courtesy of the Artist.
Michael Venezia, "Untitled JS16", 1968 Acryl und Metallpulver auf Leinwand, 246 x 116.5 cm,  © Foto: Günter König, Courtesy: Die Künstler und Häusler Contemporary Zürich
Michael Venezia, "Untitled JS16", 1968 Acryl und Metallpulver auf Leinwand, 246 x 116.5 cm, © Foto: Günter König, Courtesy: Die Künstler und Häusler Contemporary Zürich