20. September 2019 - 5:06 / Ausstellung / Malerei 
26. September 2019 12. Januar 2020

Wenn sich die Neue Galerie Graz heute mit dem Werk Alfred Klinkans (1950–1994) beschäftigt, bezieht sie sich damit nicht nur auf das Werk einer der zentralsten malerischen Positionen der 1970er- und 1980er-Jahre in Österreich, sondern auch auf ihre eigene Geschichte.

Wilfried Skreiner, damals Leiter der Neuen Galerie, definierte in den frühen 1980er-Jahren einen inneren Kreis von jungen Künstlern – Siegfried Anzinger, Hubert Schmalix, Alois Mosbacher, Josef Kern, Erwin Bohatsch und Alfred Klinkan –, deren Kunst er als „Neue Malerei“ bezeichnete. Das sinnlich-narrative, nahezu unbeschwerte Malerlebnis dieser Generation wurde von der Rezeption als Gegenkraft zur als objektfeindlich und ausschließlich von der Idee des Kunstwerks getragenen Konzeptkunst verstanden.

Vor etwa 25 Jahren starb Alfred Klinkan, 2020 wäre er 70 Jahre alt geworden. Er war ein künstlerischer Einzelgänger, gleichzeitig aber ein Vorreiter der „Neuen Malerei“ in Österreich, die er in der Folge wesentlich mittrug. In den frühen 1970er-Jahren studierte er in Wien an der Akademie der bildenden Künste bei Mikl und Hollegha und setzte damit auf Malerei, was in Zeiten der Performance-, Konzept- und beginnenden Medienkunst bereits anachronistisch anmutete.

Die nahezu psychedelischen Farbexplosionen der 1980er-Jahre waren in den 1970er-Jahren zwar schon latent vorhanden, aber Klinkan war damals eher mit Experimenten beschäftigt, die sowohl malerische als auch konzeptuelle Überlegungen bündelten. Der provokante Unterton seiner frühen Arbeiten, der in verblüffendem Kontrast zur scheinbaren Naivität seiner Bildsprache steht, erklärt sich aus dem Eindruck der Dynamiken rund um das Protestjahr 1968.

Kunstrichtungen wie der Wiener Aktionismus, die Wirklichkeiten oder die Pop-Art allgemein verdichtete Klinkan in seinem Werk zu etwas anarchisch Eigenständigem. Seine Affinität zur Literatur – er schrieb auch Gedichte und kurze Prosa – erweiterte den narrativen Gehalt seines Werkes zusätzlich. Ein kindlicher Witz, der bisweilen ins Obszöne kippte, durchzog sein Werk von Beginn an. Erinnerungen an die Märchenwelt der Kindheit und die Beschäftigung mit Fabeln und Mythen unterstreichen die Vielfalt des Klinkan’schen Kosmos.

Die doppelbödige Naivität und der damit verbundene Humor seiner Kunst, die sich in seinen späteren Gemälden noch weiter verdichten und ausformen sollten, übertrugen sich selbstverständlich auf das reale Leben, das Klinkan oft als Story, als Comic oder überhaupt als Wunder begriff – Long live Rock’n’Roll, das lange Haar, das warme Bier und der letzte Tschick!

Klinkan. Wasnichtallessorauskommt
26. September 2019 bis 12. Jänner 2020

Neue Galerie Graz
Joanneumsviertel, Zugang Kalchberggasse
A - 8010 Graz

T: 0043 (0)316 82 91 55
E: neuegalerie@museum-joanneum.at
W: http://www.neuegalerie.at/

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  •  26. September 2019 12. Januar 2020 /
Alfred Klinkan, "Ohne Titel" (Aus der "Sommerserie"), 1983,  Öl auf Leinwand, Foto: J. Koinegg/Neue Galerie Graz
Alfred Klinkan, "Ohne Titel" (Aus der "Sommerserie"), 1983, Öl auf Leinwand, Foto: J. Koinegg/Neue Galerie Graz
Alfred Klinkan, Plakat Galerie "De zwarte Panter", Antwerpen 1981 (Detail),  Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner
Alfred Klinkan, Plakat Galerie "De zwarte Panter", Antwerpen 1981 (Detail), Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner
Alfred Klinkan, "Gedeck für sieben Zwerge", 1976,  Mischtechnik auf Geschenkpapier, kaschiert auf Karton, Neue Galerie Graz, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner
Alfred Klinkan, "Gedeck für sieben Zwerge", 1976, Mischtechnik auf Geschenkpapier, kaschiert auf Karton, Neue Galerie Graz, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner
Alfred Klinkan, "Das Brouwerlied", 1985,  Öl auf Leinwand, Artothek des Bundes, Dauerleihgabe an die Neue Galerie Graz, Foto: J. Koinegg/Neue Galerie Graz
Alfred Klinkan, "Das Brouwerlied", 1985, Öl auf Leinwand, Artothek des Bundes, Dauerleihgabe an die Neue Galerie Graz, Foto: J. Koinegg/Neue Galerie Graz