25. Januar 2019 - 4:21 / Ausstellung / Sonstige 
26. Januar 2019 22. April 2019

Das Kunst Museum Winterthur präsentiert die erste grosse Werkschau von Koenraad Dedobbeleer in der Schweiz. Der Künstler zeigt Skulpturen voller Referenzen an die Kunst- und Designgeschichte. Dabei untersucht er die Herkunft und Bedeutung alltäglicher Materialien, zerlegt sie, um sie neu zusammenzufügen, und liefert damit Denkanstösse für unseren Umgang mit der Welt der Dinge.

Dedobbeleers Schaffen war bislang in zahlreichen Einzelausstellungen zu sehen, u.a. 2007 im Museum Abteiberg, Mönchengladbach, 2008 im FRAC Bourgogne und in der Kunsthalle Bern (mit Rita McBride) und 2014 in der Kunsthal Extra City in Antwerpen. 2016 wurde er zur Liverpool Biennale eingeladen, daneben war sein Werk in Gruppenausstellungen zu sehen, u.a. in der Reina Sofia, Madrid (2016) und im Centre Georges Pompidou, Paris (2017). 2009 wurde ihm der renommierte Mies van der Rohe-Preis verliehen, verbunden mit einer Einzelausstellung im Museum Haus Esters, Krefeld. Zusammen mit Kris Krimpe zeichnet er als Herausgeber des Magazins UP.

Die Ausstellung "Plastik" im Kunst Museum Winterthur entsteht in Kooperation mit WIELS – Centre d’Art Contemporain in Brüssel und dem Kunstverein Hannover. "Kunststoff" lautete der Titel der umfangreiche Werkschau im WIELS. Die Ausstellung umfasste über 40 Werke – raumgreifende Installationen, Skulpturen, Projektionen und Photoarbeiten – und wird für die zweite Station um bedeutende frühere Werke ergänzt, bevor sie unter dem Titel "Sache" in Hannover zu sehen sein wird. Die Ausstellungstitel offenbaren das Interesse des Künstlers für Sprache und ihre Bedeutung, was sich in irritierenden Werktiteln niederschlägt: "When Things Should Work But Don’t" oder "To Play Is to Teach Ideas".

Dedobbeleer betrachte seine Arbeiten nicht als Narrative, sondern vielmehr als Behältnisse von Geschichten. Die "dysfunktionalen" Objekte des Künstlers wirken vertraut, scheinen gleichzeitig jedoch stets etwas anderes sein zu wollen. Sie sind gespickt mit subtilen Andeutungen und kunsthistorischen Referenzen. Mit oft nur minimalen Eingriffen verändert der Bildhauer die Struktur alltäglicher Gegenstände, ihre Dimension, Materialität oder Farbigkeit, und löst sie so aus ihrem ursprünglichen funktionalen Zusammenhang, um sie im Kontext der Kunst auf ihre visuellen und kulturellen Qualitäten hin zu überprüfen. Dedobbeleer arbeitet mit musealen Präsentationsformen und -dispositiven und verrät damit eine Nähe zur sogenannten "institutional critique", die er indes zugleich mit charmanter Leichtigkeit unterläuft. Mittels Appropriationen und Dekonstruktion lässt Dedobbeleer in und zwischen seinen Werken Bezüge anklingen, die sich als eigentliche Wahrnehmungsfallen herausstellen. Vor allem aber sind seine eigenwilligen Transformationen des Alltäglichen lustvoll anzuschauen – sie bilden ein irritierendes Netzwerk aus, in dem stets alles mit allem in Beziehung treten kann.

Die Ausstellung im Kunst Museum Winterthur ist Dedoebbeleers erste umfassende Werkschau. Dazu erscheint im Verlag Koenig Books, London seine erste Werkmonographie: "Kunststoff" – sprachlich überraschend nüchtern und abgründig zugleich wie Dedobbeleers künstlerisches Werk.


Koenraad Dedobbeleer. Plastik
26. Januar bis 22. April 2019
Vernissage: Fr 25. Januar 19, 18.30 Uhr
Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus

Kunstmuseum Winterthur
Museumstrasse 52
CH - 8400 Winterthur

T: 0041 (0)52 267-5162
F: 0041 (0)52 267-5317
E: info@kmw.ch
W: http://www.kmw.ch/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  26. Januar 2019 22. April 2019 /
35252-3525201.jpg
Disruption of the Future , 2009. Laminiertes Holz, 3 Granitblöcke, 120 x 90 x 110 cm; Kunst Museum Winterthur. © 2019, ProLitteris, Zürich
35252-3525202.jpg
Ideas Can Be Thought, 2011. Metall, Email, Glühlampe, Magnete undDigitaldruck auf Papier, 92 x 60 x 27 cm; ProjecteSD, Barcelona. © 2019, ProLitteris, Zürich
35252-3525203.jpg
Tête, 2016. Siebdruck (nicht gerahmt), 147 x 102 cm; Clearing Gallery, Brussels/ New York. © 2019, ProLitteris, Zürich
35252-3525204.jpg
Got the Getting, 2011. Lack auf laminiertem Beton, laminierter Holzsockel, 131 x 50 cm; Galerie Mai 36, Zürich. © 2019, ProLitteris, Zürich