30. Juni 2020 - 10:06 / Ausstellung 
3. Juli 2020 28. August 2020

Da auch Kunst.Vorarlberg aufgrund der Corona-Krise seine Ausstellungen und Veranstaltungen absagen musste, fristen die fünf Ausstellungsräume des Vereines in der Villa Claudia in Feldkirch derzeit ungenutzt und leer ihr Dasein. Ein Sonderprojekt, das aufgrund der Lockerung des "social Distancing" nun spontan initiiert wurde, soll dem entgegenwirken und Kunstinteressierten unter dem Titel "Kunstlager" in einer eindrücklichen Schau vor Augen führen, was die Künstlerinnen und Künstler des Vereins während der unfreiwilligen Isolation im Zuge des Shutdowns alles geschaffen haben oder dazu in Beziehung setzen.

Nach dem Motto "volle Lager und leere Räume passen gut zusammen", untermauern ab 3. Juli rund 20 Kunstschaffende, dass sie in den letzten Monaten des Rückzugs alles andere als untätig waren und ihr Werk entsprechend weiterentwickelt haben. Anhand des nun fast zwei Monate dauernden "Zwischenlagers" in der Villa Claudia wird evident, wie vielseitig das Schaffen der Vereinsmitglieder angelegt ist.

Lisa Althaus etwa wartet mit fünf freien Arbeiten auf, die sämtlich in der Zeit des Lockdowns entstanden sind. Das "Hauptwerk" ihres Beitrages, "Goschnfetznschappele", allerdings referenziert ein Bild, das sie 2012 zum Thema "Schwabenkinder" gemalt hatte. Die damals ins Bild gesetzte Wälderin mit ihrem "Schappele" sah ihr aber zu schön aus. Mit der Applikation einer Corona-Maske wird dieser Eindruck aber nun gebrochen. Althaus: "Die Realität einer weltweiten Pandemie erreicht die scheinbar heile Welt Vorarlbergs. Der schöne Schein hat Risse bekommen." Auch die anderen Arbeiten - Dompteur, Aufgemerkt, Drache und Coronahund – zeugen davon, dass sie die Zeit zur Weiterbildung und zum Ausprobieren neuer Techniken genutzt hat. Malerei, Collage und Transfertechnik werden zu neuen Bildern kombiniert.

Judith Batlogg wiederum zeigt fünf kleinformatige Zeichnungen zum Thema "Wesen in der Luft mit und ohne Federn, aber lebendig" (Batlogg). Ob Federvieh oder nicht, die Figuren sind nicht leicht zu bestimmen, aber sie sind jedenfalls blau "gewandet" und wirken durch den fahrig geführten Strich schwebend und leicht.

Melanie Berlinger belegte an der ZHAW (Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften) das Fach "botanische Zeichnung". Dort eignete sie sich die wichtigsten Grundlagen für die wissenschaftliche Zeichnung an und bekam einen guten Einblick in das Anlegen von botanischen Archiven, das Mikroskopieren und anderes. Im Zuge dieses Studiums entstanden Zeichnungen, mit denen sie unbedingt weiter arbeiten wollte. Da ihr bevorzugtes Medium nach wie vor die Drucktechnik, und hier vor allem der Tiefdruck ist, setzte sie ihre ersten botanischen Drucke mit der klassischen Ätztechnik (Kupfer in Eisendreichlorid) um.

Bettina Bohne will sich unter dem Titel "Time out" die Freiheit nehmen, in unterschiedlicher Formatwahl und Technik Arbeiten zu präsentieren, die im Zuge der Ausstellung fortwährend ergänzt oder ausgetauscht werden sollen. Eine Auszeit von Konzepten und freie Themenwahl sozusagen.

Unter der Bezeichnung "Sehnsuchtsorte" wählte Ursula Dorigo wegen der geschlossenen Grenzen und keiner Aussicht auf Auslandsreisen rückblickend kleinformatige Reiseskizzen als Objekte für diese Ausstellung aus. Schnellzeichnungen auf Straßen, in Cafés, aquarelliert und teilweise collagiert des Abends in Hotelzimmern - sie halten flüchtige Momente des konzentrierten Schauens für nostalgisches Erinnern fest. Zu Gruppen geordnet, zeigen die sensiblen Arbeiten Motive aus Portugal, den Seychellen, Italien, Ägypten, Griechenland und auch Oberösterreich.

Bei Martina Feichtinger lauern und blühen in feinen, atmosphärisch dichten Tuschezeichnungen, auch bei den Hinterglasarbeiten, verschiedene Vegetationen. Die Arbeiten Feichtingers entstehen vor allem auf oder nach Reisen und Expeditionen.

Daniela Fetz zeigt mit "Textile Translations" erneut Objekte, die als Nebenprodukte bei Rechercheprojekten in ihrem Arbeitsalltag entstanden sind. Die ausgestellten Werke übertragen Charakteristika des Stofflichen auf analoge oder digitale Medienformate. Dabei liegt der Fokus auf Übersetzungsfehler, Spuren und den Prozess der Übertragung im Allgemeinen.

Die Mischtechniken auf Leinwand von Harald Gmeiner beschäftigen sich mit Vorstellungen und Interpretationen des Menschen in Bezug zu seinen Lebensumfeldern sowie deren Erweiterung und/oder Brechung. Dabei sollen die kollektiven Grundmuster die künstlerischen Inhalte maßgeblich mitbewegen und mitgestalten.

Mit "Kopf 3D" präsentiert Hilda Keemink einen aus 1,6 Millimeter dickem Einsendraht gefertigen Kopf, der eigentlich Teil einer Installation ist. Für Keemink besteht die Faszination der dreidimensionalen Gestaltung darin, dass sie aus einiger Entfernung als zweidimensionale Skizze im Raum erscheint. "Die Begriffe 'Zeichnung und Objekt' verschmelzen hier, da deren Interpretation vom Blickwinkel des Betrachters abhängt", so die Künstlerin.

Mit Einordnungen beschäftigt sich Renate Ludescher im Rahmen ihres Beitrages "I TAXINOMIA". (die Einordnung). Die drei textilen Objekte a' 177x50 cm könnten als "alte Gemäuer" oder "Nachklang eines Traumes" gewertet werden. Ludescher: "Die Idylle - die Romantik bricht auf und erweist sich als bedrückendes Korsett. Jahrhunderte alte, ungeschriebene Gesetze werden befolgt - unerbittlich und grausam... Mauern des Schweigens. Es bleiben die Anpassung oder die Flucht - auch als Flucht nach Innen."

Aus weiß gemasertem schwarzgrünen Amphibolit-Gestein, das er in der Silvretta gefunden hat, besteht die spiegelglatt polierte Stele mit rohbelassener Bruchlinie des Bildhauers Hanno Metzler. Sie trägt die Titel "Fascht grad" und verweist auf den überwundenen Corona-Stillstand. Metzler: "Ich sehe mich - und das traue ich mich fast nicht laut zu sagen -, momentan als Corona-Gewinner. Als Pädagoge mit regelmäßigem Einkommen, sicherer Anstellung und teilweise verordnetem Aufenthalt im Haus und somit auch im Atelier waren das gute Voraussetzungen, um zur Ruhe und auch zum künstlerischen Arbeiten zu kommen. Dadurch bin ich 'fascht grad' durch diese Zeit gekommen."

In Acryl und mit eigenen Fotografien collagiert präsentieren sich die ins Bild gesetzten visuellen Aufzeichnen von May-Britt Nyberg Chromy. Es sind markante Situationen und Stimmungen politischer oder privater Natur, die für die vergangenen Monate kennzeichnend waren, die sie mit bildnerischen Mitteln thematisiert und auf die Bildträger bannt.

Aus Papiergarn sind die am Webstuhl gewebten und geknüpften drei Papiergewächse, die Dorothea Rosenstock in den Räumlichkeiten der Villa Claudia zur Schau stellt. Bezeichnend der Titel einer dieser Arbeiten, die im Mai dieses Jahres entstanden ist: "… aber der Frühling wurde nicht abgesagt". Dazu die Künstlerin: "Während das Leben der Menschen still steht, wächst die Pflanzenwelt munter heran. Blüten und Farben entwickeln sich wie gewohnt, nur bekommen sie in diesem Frühling besonders viel Aufmerksamkeit. Der Frühling weiss nicht was Corona ist, er wurde nicht abgesagt!"

Für die neuen Objekte von Franziska Stiegholzer dienen Oberflächen wie Hammerschlag, Tränenblech oder Flachnoppen-Optik dazu, vertraute Strukturen in einem neuen Material und Nutzungsbereich zu verankern. Stilgerecht präsentiert werden sie auf einer am Boden platzierten Europalette.

Weitere Werke dieses "temporären Kunstlagers" stammen von Alois Galehr, Markus Grabher, Egmont Hartwig, Johan Jansen sowie Wolfgang Schwarzmann.

Balkonkonzert

Die Ausstllung "Kunstlager" wird aus den bekannten Gründen nicht mit einer Vernissage eröffnet, sondern sie steht einfach ab 3. Juli, 16.00 Uhr, allgemein zur Besichtigung frei. Am Sonntag, den 5. Juli, findet um 17 Uhr in der Villa Claudia zudem ein Balkonkonzert statt. Es spielt das Violintrio in der Besetzung von Flora Vonbank, Sophie Gigerl und Luisa Bertel.

Kunst.Vorarlberg: Kunstlager
Lisa Althaus, Judith, Batlogg, Melanie Berlinger, Bettina Bohne , Ursula Dorigo, Martina Feichtinger, Daniela Fetz, Alois, Galehr, Harald Gmeiner, Markus Grabher, Egmont Hartwig, Johan Jansen, Hilda Keemink, Renate Ludescher, Hanno Metzler, May-Britt Nyberg Chromy, Dorothea Rosenstock, Wolfgang Schwarzmann, Franziska Stiegholzer
Villa Claudia, Feldkirch
3.7.-28.8.
5.7., 17.00 Uhr: Balkonkonzert
Fr. 16-18 u.n.V.rn sie steht einfach ab 3. Juli, 16.00 Uhr, allgemein zur Besichtigung frei. Am Sonntag, den 5. Juli, findet um 17 Uhr in der Villa Claudia zudem ein Balkonkonzert statt. Es spielt das Violintrio in der Besetzung von Flora Vonbank, Sophie Gigerl und Luisa Bertel.

Kunst.Vorarlberg
Bahnhofstraße 6
A - 6800 Feldkirch

T: 0043 (0)650 5603603
E: office@kunstvorarlberg.at
W: http://www.kunstvorarlberg.at/

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  •  3. Juli 2020 28. August 2020 /
Hartwig Egmont, "Van Gogh", Öl auf Holz, 2020 © Hartwig Egmont
Hartwig Egmont, "Van Gogh", Öl auf Holz, 2020 © Hartwig Egmont (alle Fotos: Karlheinz Pichler)
May-Britt Nyberg Chromy, "April", Acryl und Collage auf Leinwand, 2020 © May-Britt Nyberg Chromy
May-Britt Nyberg Chromy, "April", Acryl und Collage auf Leinwand, 2020 © May-Britt Nyberg Chromy
Jansen Johan, "Europa #75", Öl auf Leinwand, 2020 © Jansen Johan
Jansen Johan, "Europa #75", Öl auf Leinwand, 2020 © Jansen Johan
Martina Feichtinger: Jardim Botanico (Tusche auf Papier)
Martina Feichtinger: Jardim Botanico (Tusche auf Papier)
Harald Gmeiner: The Logic About God (Mischtechnik auf Leinwand)
Harald Gmeiner: The Logic About God (Mischtechnik auf Leinwand)
Reiseskizze von Ursula Dorigo
Reiseskizze von Ursula Dorigo (Foto: Kapi)