25. April 2011 - 2:03 / Ausstellung 
6. April 2011 1. Mai 2011

Kurt Ryslavy versteht sich als "Sonntagsmaler". Seit 1987 lebt er in Brüssel und handelt mit österreichischem Wein. Für das MAK stellt er eine Ausstellung zusammen, die aus mehreren konzeptuell verbundenen Teilen besteht und neben eigenen Bildern, Skulpturen und Videos auch eine Installation aus der Sammlung des Museums einbezieht. Ryslavy inszeniert damit das ironische Abbild des Kunstmarktes, den er als unabhängiger Künstler und Sammler zeitgenössischer Kunst kritisch hinterfragt.

Aus dem Depot der Möbelsammlung und dem Hausinventar des MAK hat Ryslavy Objekte und Gegenstände für die Ausstellung ausgewählt, wie man sie auf Flohmärkten entdecken kann, wie einfachen Hausrat und Möbel, die zum Teil eine deutliche Patina oder gar Beschädigungen aufweisen. Darunter finden sich auch Prunkstücke und Schätze – etwa eine barocke Tür oder ein Thonet-Sessel aus der Gründungszeit des Museums – sowie Raritäten und Designklassiker von Josef Hoffmann, Edmund Moiret, Achille Castiglioni, Arne Jacobsen bis hin zu Mario Bellini und Alessandro Mendini. Unter all diese Objekte hat Ryslavy für Connaisseure zwei Flaschentrockner geschmuggelt sowie einen von ihm entworfenen Künstlerteppich, der den französischen Text eines alten rostigen Emailschildes wiedergibt und das Urinieren und Müllabladen vor Ort untersagt.

Die diversen Objekte dieser Installation sind absichtlich beliebig wie auf einem Flohmarkt auf ausrangierten Stofffetzen und "alten Teppichen" arrangiert. Einige der Gegenstände und Möbel sind mit Preisschildern versehen, so dass man annehmen könnte, diese Objekte wären zum Verkauf bestimmt. Bei genauerer Betrachtung ist jedoch erkennbar, dass nicht die Möbel, sondern die Schilder selbst zu kaufen sind. Erst wenn man die Preisschilder umdreht, wird klar, dass sie auf der Rückseite alter signierter Zeichnungen des Künstlers geschrieben sind, die man um den angegebenen Preis erwerben kann. Auch hier spielt Ryslavy mit den Regeln des Systems Kunst, das zunehmend von den Gesetzen des Marktes und der Vermarktung beherrscht wird.

Das gilt vor allem auch für den ersten Eindruck beim Betreten des Ausstellungsraums bei der Eröffnung: Man scheint sich zunächst weniger in eine Kunstausstellung als vielmehr in einer Verkaufsstelle einer Winzergenossenschaft zu befinden. Verschiedene österreichische Weingüter bieten hier ihren Wein zur Verkostung an, die Besucher sind eingeladen, die Weine direkt von den Europaletten zu Ab-Hof-Preisen flaschen- bzw. kartonweise zu kaufen. Während der Dauer der Ausstellung erinnern die halbleeren Weinkisten wie bewusst banalisierte Reminiszenzen an Andy Warhol’s "Brillo Boxes" an die Eröffnungsperformance.

In direktem Bezug zu der Installation aus Möbeln der MAK-Sammlung werden Arbeiten und Werke von Ryslavy gezeigt, wie etwa seine Installation "Entrée", bestehend aus einem Ölbild (2006), das in Plexiglas gerahmt an der Wand hängt und von zwei weißlackierten kitschigen Gartenfauteuils aus den 1960er Jahren flankiert wird. Das in Rosa gehaltene Bild selbst ist eine gemalte Weinrechnung an das CCNOA (Center for Contemporary Non Objective Art in Brüssel), wo "Entrée" 2007 bereits im Rahmen einer Ausstellung gezeigt wurde.

An den Wänden finden sich eine Reihe von Bildern, die der Künstler und "Sonntagsmaler" am Sonntag vor der Eröffnung am 3. April 2011 malen wird und die an zwei weiteren Sonntagen während der Ausstellung (10. April, 13.00 bis 16.00 Uhr, und 24. April 2011, 11.00 bis 14.00 Uhr) noch ergänzt werden. Auf die Leinwände malt er Rechnungen, die aus dem Weinverkauf am Eröffnungsabend resultieren, adressiert an die Abnehmer des Weins der ausstellenden Weingüter.

Das Video "It’s Nothing Personal, It’s just Non-Objective" dokumentiert eine Performance, die 2007 ebenfalls im CCNOA stattfand. Ryslavy hat anlässlich seiner Brüssler Ausstellung einfache Gegenstände, wie ausrangierte Kleiderbügel, gebrauchte Möbel, abgelegte Kleider sowie einige signierte Originalgrafiken bekannter Künstler der 50er Jahre an das Publikum verkauft und durch Zertifikate authentifiziert.

Der konzeptionelle Bogen der Ausstellung wird durch eine vom Künstler selbst entworfene Bar geschlossen, die sogenannte "Verschleißstelle für österreichischen Wein", die 1998 im Palais des Beaux-Arts Bruxelles als Teil der Ausstellung "Austria im Rosennetz / L’Autriche visionnaire" zu sehen war, die Harald Szeemann 1996 ursprünglich für das MAK kuratiert hatte.

Kurt Ryslavy, Sammler, Weinhändler,
Sonntagsmaler. Eine konzeptuellskulpturale
Intervention in der MAKStudiensammlung Möbel

6. April bis 1. Mai 2011

MAK Wien
Stubenring 5
A - 1010 Wien

W: http://www.mak.at/

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  •  6. April 2011 1. Mai 2011 /
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Kurt Ryslavy (Porträt für 'à la carte' Magazin), 2009. Foto © Manfred Klimek
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Kurt Ryslavy 'Gelegenheiten', 2011. Installationsfoto für Ausstellung MAK 2011. Foto © Kurt Ryslavy
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Kurt Ryslavy 'Entrée', 2006. Installationsfoto Ausstellung 'Alles was minimal ist' CCNOA Brüssel 2007. Foto © Kurt Ryslavy
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Performance Sparwasser Berlin. Foto © Sonia Dermience