13. Februar 2020 - 13:15 / Martina Pfeifer Steiner / Musik 

Wolfgang Amadeus Mozart komponierte die Oper 'La clemenza di Tito' als Auftragswerk anlässlich der Krönung Kaiser Leopolds II. zum König von Böhmen am 6. September 1791 in Prag. Das Libretto entstand schon fünfzig Jahre vorher, wurde bis dahin bereits vierzig Mal vertont und man hielt die Milde des guten römischen Kaisers (79–81) wohl für bestens geeignet, das Idealbild eines josephinischen Herrschers zu repräsentieren. Mozart schrieb zur gleichen Zeit die Zauberflöte, war auch am Requiem dran, es ist anzunehmen, dass er aus Zeitnot die Komposition der Secco-Rezitative seinem Schüler Franz Xaver Süßmayr überließ. Zunächst nur mäßig erfolgreich, zählte sie später zu den populärsten Opern Mozarts. Es ist ja auch wunderbare Musik, mit all den Arien und besonderen Sequenzen für Klarinetten und Bassetthörnern. Und um es gleich vorwegzunehmen: im Theater am Kornmarkt, dem Vorarlberger Landestheater, wird unter der Leitung von Karsten Januschke hervorragend musiziert!

Waren es vielleicht oben angeführte Gründe, die Regisseur Henry Arnold auf die Idee brachten, die Rezitative sprechen zu lassen und bei den zwei Hauptrollen der rachelüsternden Vitellia und dem von ihr zum Mord angestifteten Sesto sogar das Alter Ego als Schauspieler auftreten zu lassen? Es fängt ja recht komfortabel an, wenn die Vorgeschichte der Eskalation von Missverständnissen in dieser Weise vorgetragen werden, doch zu viel Bewegung, unschlüssige Auf- und Abtritte versetzen die Zuseherin in Unruhe, ob schließlich der oder die richtige für die Arie auf der Bühne steht. Tito, der bei Senat und Volk beliebte Kaiser Roms zur Zeit des Vesuvausbruchs, scheint dem damaligen wie heutigen Zeitgeist zu trotzen und zeigt sich als Suchender in einer instabilen Welt. Sein Führungsstil ist nicht Ausdruck von Schwäche, sondern das Ergebnis philosophischer Erwägungen – im ersten Akt in dieser Inszenierung nicht ganz authentisch mit jenen von Arthur Schopenhauer.

Tito stirbt in Bregenz und der zweite Akt wird zum Gedankenspiel. Wie gut, dass das Libretto keinen Zweifel daran lässt, dass Sesto den falschen erstochen hat. Und so kann sich ungestört Titos Milde musikalisch entwickeln und ihn Wohltat und Verzeihung walten lassen. Doch wirkt das auf ein Stahlgerüst reduzierte Bühnenbild – im ersten Akt noch mehrschichtig und geheimnisvoll – nun ärmlich und flach, wenn die betörend schön gesungen Reuepassagen von Sesto, der Mezzosopranistin Annelie Sophie Müller, und Vitellias, Narine Yeghiyan, erklingen.

La clemenza di Tito
Tito: Christopher Sokolowski
Vitellia: Narine Yeghiyan
Servilia: Sophia Körber
Sesto: Annelie Sophie Müller
Annio: Sarah Romberger
Publio: Thomas Stimmel
Schauspiel: Zoe Hutmacher und David Kopp
Symphonieorchester Vorarlberg
Musikalische Leitung: Karsten Januschke
Inszenierung: Henry Arnold
Bühne: Bartholomäus Martin Kleppek
Kostüm: Gabriele Kortmann
Licht: Arndt Rössler
Dramaturgie: Birgit Schreyer Duarte
Leitung und Einstudierung Bregenzer Festspielchor: Benjamin Lack
Premiere: Fr, 31. Jänner 2020, 19.30 Uhr, Großes Haus; Kornmarktplatz, Bregenz
Weitere Termine: Sa 15.2. / Mo 17.2. / Mi 19.2. / Fr 21.2.,19.30 Uhr

Vorarlberger Landestheater
Seestraße 2
A - 6900 Bregenz

T: 0043 (0)5574 42 8 70
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David Kopp, Annelie Sophie Mueller, Sarah Romberger und Christopher Sokolowski (© Anja-Koehler)
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Zoe Hutmacher und Narine Yeghiyan (© Anja Köhler)
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La Clemenzo di Tito - Szenenbild (© Anja Köhler)
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