17. April 2008 - 2:38 / Bühne / Musiktheater 

Die tragische Liebe der Karthagerkönigin Dido zu Aeneas, dem trojanischen Flüchtling und späteren Gründer Roms, hat Komponisten aller Epochen immer wieder fasziniert und spiegelt sich in einem Werkkatalog wider, der über hundert Opern umfasst – Henry Purcells "Dido and Aeneas" und Hector Berlioz’ "Les Troyens" dürften hierfür die prominentesten Beispiele sein. Mit Francesco Cavallis Oper "La Didone", 1641 im Teatro S. Cassiano in Venedig uraufgeführt, setzt sich das Internationale Opernstudio unter der Leitung von Gudrun Hartmann und Thomas Barthel in seiner diesjährigen Opernproduktion nun mit der allerersten Vertonung des Dido-Stoffes auseinander.

Pietro Francesco Cavalli gilt als einer der repräsentativen Vertreter der frühen venezianischen Oper. Er wurde 1602 in Crema geboren und an San Marco in Venedig im direkten Umfeld Monteverdis zum Musiker ausgebildet. Nebst zahlreichen geistlichen Werken schuf er rund vierzig Opern. Die Tatsache, dass dreissig in Partiturabschriften und teilweise sogar im Autograph erhalten sind, zeigt, wie bedeutend er schon für seine Zeitgenossen gewesen sein muss. Wegweisend war er mit der Technik, musikalische Schemata – wie chromatisch absteigende Basslinien in Klageszenen, punktierte Rhythmen in Beschwörungsszenen oder wiegende Bassmotive in Schlafszenen – für eine Reihe von Handlungssituationen zu erfinden, die sich wie Versatzstücke von einer Oper in eine andere übertragen liessen. Diese Topoi boten dem Zuschauer auf musikalischer Ebene eine gewisse Orientierung, wenn es in der Handlung drunter und drüber ging.

Tatsächlich wird auch in Cavallis dritter Oper "La Didone" alles andere als geradlinig erzählt. Der Text, der auf Vergils Hauptwerk "Aeneis" beruht und mehrere Handlungsstücke aus den ersten vier Gesängen des Epos miteinander kombiniert, stammt von Giovanni Francesco Busenello, dem Librettisten von Monteverdis "L’incoronazione di Poppea". Busenello war Mitglied der "Accademia degli Incogniti", einem Kreis Intellektueller, in dem klassische Bildung ebenso wichtig war wie die Beherrschung der poetologischen Regeln und die Bereitschaft, diese Regeln lustvoll zu übertreten.

So wendet sich Busenello in "La Didone" bewusst von den aristotelischen Einheiten ab, denn das Stück beginnt im brennenden Troja und endet in Karthago. Die mosaikartigen Szenen werden allein durch das Beziehungsgeflecht der Figuren zusammengehalten, und das ist in erster Linie ein tragisches: Die Figuren sind gezeichnet von den Folgen des trojanischen Krieges, den Busenello mit einem Realismus erzählt, wie er an Grausamkeit im 17. Jahrhundert kaum mehr erreicht werden sollte. Es herrscht eine bittere Weltsicht vor, in der untereinander zerstrittene Götter gnadenlos über das Elend der Menschen verfügen. Zwar darf hier auch Amor walten, aber das Liebesglück zwischen Dido und Aeneas führt zur Pflichtvergessenheit und wird von den Göttern kurzerhand abgestraft. kb


La Didone
Premiere: Fr 28. März 08, 19 Uhr

Weitere Vorstellungen:
30. März, 1./4./9./11./13./15./18. April 08

Opernhaus Zürich
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