20. Oktober 2009 - 3:24 / Ausstellung / Archiv 
5. September 2009 25. Oktober 2009

Die Arbeiten der französisch-marokkanischen Künstlerin Latifa Echakhch (1974 in El Khnansa, Marokko geboren) kreisen beständig um Fragen und Darstellungen von kultureller Identität. Dabei beschäftigen Echakhch insbesondere die Wirkungsweisen und der Umgang mit kulturspezifischen Zeichen wie nationalen Symbolen in der heutigen globalisierten Gesellschaft.

In ihren ortsbezogenen Installationen, Videos, skulpturalen Objekten, Interventionen und Aktionen beschäftigt sich die Künstlerin häufig mit Stereotypen, sprachlichen Codes sowie gesellschaftlichen Ein- und Ausschlussmechanismen. Es werden alltägliche Objekte und Materialien miteinbezogen, die von Latifa Echakhch bearbeitet, kontextuell verschoben und von einer Kultur in die andere transferiert werden. Diese Gegenstände wie marokkanische Teegläser, Zucker, wertloses Karbonpapier, aber auch juristische oder politische Dokumente sind für Echakhchs künstlerische Umsetzung von großer Bedeutung. Häufig eröffnen sie eine gesellschaftspolitische Dimension, indem sie den Betrachter sensibel machen für den Umgang mit einer westlich zentrierten (Kunst-) Geschichte, der Globalisierung, politischen Ereignissen, den Umgang mit nationalen Symbolen sowie den unterschiedlichen ästhetischen Konzepten zwischen den Kulturen.

Die Einzelausstellung im Bielefelder Kunstverein mit dem Titel "Partitas", ein Verweis auf die Kompositionsform der Suite, konzentriert sich auf einen Werkansatz Latifa Echakhchs, der sich mit der Entwicklung von Ornament und Abstraktion in unterschiedlichen Kontexten beschäftigt. Damit vertieft die Künstlerin erstmalig ein Interesse, das sich bereits durch zahlreiche ihrer Arbeiten zieht. Für die Ausstellung sind vier Werkgruppen entstanden, die weniger gesellschaftspolitische Themen als vielmehr die Auseinandersetzung mit der Linie und geometrischen Formen in den Vordergrund rücken. Dabei ist nicht nur die kunsthistorische oder gestalterische Dimension relevant, sondern auch das ideologische und narrative Potential des Ornaments und der Abstraktion. Ihre minimalistisch wirkenden Rauminstallationen, Objekte und Malereien suchen, unter Verwendung verschiedener Medien und Materialien, gleichermaßen kulturelle Gemeinsamkeiten wie Unterschiede zu betonen.

Latifa Echakhch hat seit 2005 an mehreren bedeutenden Gruppenausstellungen und Biennalen teilgenommen. Zuletzt wurden ihre Arbeiten im Rahmen der "Manifesta 7", Trento und Südtirol (2008), "Shifting Identities", Kunsthaus Zürich (2008), "Global Feminisms", Brooklyn Museum, New York (2007) und auf der "3. Tirana Biennale" (2005) gezeigt. Die letzten Einzelausstellungen wurden in Paris ("Pendant que les champs brûlent", Galerie Kamel Mennour), London ("Speakers’ Corner", Tate Modern, Level 2 Gallery, 2008) und Grenoble ("Il m’a fallu tant de chemins pour parvenir jusqu’à toi", Le Magasin, 2007) ausgerichtet.

Fast zeitgleich zur Ausstellung im Bielefelder Kunstverein wird Latifa Echakhch ein Projekt für die Kunsthalle Fridericianum in Kassel realisieren. In Kooperation mit weiteren Kunstinstitutionen wird 2010 ihre erste Monografie erscheinen.


Latifa Echakhch - Partitas
5. September bis 25. Oktober 2009

Bielefelder Kunstverein
Welle 61
D - 33602 Bielefeld

T: 0049 (0)521 1788-06
F: 0049 (0)521 1788-10
E: kontakt@bielefelder-kunstverein.de
W: http://www.bielefelder-kunstverein.de/

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Frames, brown blue pink, 2009. Ausgeschnittener Teppich; Bodeninstallation, ca. 150 x 150 cm. Courtesy die Künstlerin und Kamel Mennour, Paris
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Les Petites Lettres (Detail), 2009. Gefaltetes Papier, schwarze China-Tinte, Sockel. Courtesy die Künstlerin, Francesca Kaufmann, Mailand und Dvir Gallery, Tel Aviv
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Untitled (Zellig) (Detail), composite grey stone, 2009. Linoleum, Bodeninstallation; Dimensionen variabel. Courtesy die Künstlerin und Kamel Mennour, Paris
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Untitled (Zellig), medium wood parquet, 2009. Linoleum, Bodeninstallation; Dimensionen variabel. Courtesy die Künstlerin und Kamel Mennour, Paris
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Dérives (on going project), 2009. Acryl auf Leinwand, Vorszkizze, 200 x 150 cm. Courtesy die Künstlerin und Francesca Kaufmann, Mailand